Sendung vom 31. Oktober 2010
Thomas Rabenstein aus Köln fragt:
Warum ist es möglich, über glühende Kohlen zu laufen, ohne sich dabei zu verletzen? Als Steffi und Burkhardt diese Frage von Thomas Rabenstein lesen ist sofort klar: Hier hilft nur ein Selbstversuch. Auch ein geeigneter Ort dafür ist schnell gefunden: Die Gemeinde Emsbüren lädt Kopfball ein, für das Experiment ins Emsland zu kommen – und wenn bei den Emsbürenern was steigt, dann auch richtig!
Ein Feuer, das so manches Osterfeuer erblassen lässt, soll die Glut für den Kopfball-Selbstversuch liefern – und im Angesicht der etwa 700 Grad heißen Flammen wird Steffi und Burkhardt langsam klar, worauf sie sich eingelassen haben. Auch die Aussicht, dass die Kohlen, über die sie später laufen sollen, "nur" noch etwa 400 Grad haben werden, beruhigt die beiden nicht wirklich.
Über glühende Kohlen laufen ist vor allem als Teil von Selbstfindungs- und Motivationsseminaren bekannt. Der Unterschied: Bei Kopfball gibt es keinen Guru, der mit Konzentrationsübungen versucht, scheinbar verborgene Kräfte bei den Reportern zu wecken. Steffi und Burkhardt setzen nicht auf besondere Fähigkeiten, sondern glauben an die Naturgesetze. Darum betreut sie bei ihrem Selbstversuch ein Wissenschaftler: Martin Habermehl ist Experte für Wärmeübertragung an der Universität Aachen. Er ist Spezialist für heiße Angelegenheiten.
Martin Habermehl weiht die Reporter in die Geheimnisse der sogenannten Wärmeleitfähigkeit ein: Damit ist gemeint, wie gut ein Körper seine Wärme auf einen anderen übertragen kann. In unserem Fall also von der glühenden Holzkohle auf die Reporterfüße. Holz ist im Vergleich zu anderen Materialien ein schlechter Wärmeleiter. Das wird schnell klar, wenn man einen Holz- und einen Metall-Löffel in kochendes Wasser stellt: Den Metall-Löffel kann man schon nach kurzer Zeit kaum noch anfassen, während der Holzlöffel lediglich warm wird. Im Fall der Holzkohle hemmt die feine Ascheschicht, die ständig die Glut überzieht, zusätzlich die Wärmeübertragung. Dazu kommt, dass der Fuß nur kurze Zeit die Glut berührt, danach kühlt er an der Luft wieder ab. Theoretisch reicht die Kontaktzeit zwischen Glut und Fußsohle nicht, um die Haut zu verletzen. Wohlgemerkt: theoretisch. Praktisch hat auch Martin Habermehl noch nie einen Fuß auf 400 Grad heiße Kohlen gesetzt – fürs Ausprobieren sind schließlich die Kopfball-Reporter da!
Ob Steffi und Burkhardt auch praktisch heil aus der Sache rauskommen und wie die Emsbürener zum Laufen über glühende Kohlen stehen, sehen Sie im Film.
Lange Zeit kursierte als Erklärung dieses Phänomens, dass der Leidenfrost-Effekt den Glutmarsch möglich macht. Der Leidenfrost-Effekt lässt Wassertropfen (ohne zu verdampfen) auf einer heißen Herdplatte tanzen, weil ein dünner Dampffilm den Wassertropfen thermisch isoliert. Hier gehen die Experten-Meinungen aber auseinander. Bei der Recherche zu diesem Thema war die Mehrheit der Fachleute der Meinung, dass dieser Effekt nebensächlich ist. Fest steht: Wirklich feucht dürfen die Füße aus rein praktischen Gründen nicht sein: Dann können Glutstücke an der Fußsohle klebenbleiben, was die Kontaktzeit mit dem Fuß schmerzhaft verlängert! Auch aus Sicht von Medizinern müssen die Füße trocken und warm – also gut durchblutet – sein: Die Blutzirkulation wirkt dann als eine Art Klimaanlage, die die Hitze schnell abtransportiert.
Film VisualBridges: Dirk Gilson mit Steffi Terhörst und Burkhardt Weiß
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