Sendung vom 12. Dezember 2010
Arnold Streit aus Mönchengladbach fragt:
Spinnenseide gehört zu dem stabilsten, was die Natur zu bieten hat: Sie ist bis zu fünfmal reißfester als Stahl – zumindest theoretisch! Denn dieser Wert stammt vor allem aus wissenschaftlichen Berechnungen. Tests, die diese Ergebnisse in größerem Maßstab bestätigen, gab es bisher nicht. Genau das will Kopfball ändern und wagt ein weltweit einmaliges Experiment. Nie zuvor hing ein Mensch an einem Faden aus Spinnenseide. Unterstützung bekommt Kopfball von Wissenschaftlern der Universität Oxford und etwa 100 achtbeinigen Helferlein. Sollte das Experiment gelingen, wäre das ein Weltrekord für Kopfball und die Wissenschaftler.
Eigentlich klingt die Geschichte ganz einfach: Wer einen Menschen an ein Seil aus Spinnenfäden hängen will, muss wissen, wie viel ein einzelner Faden tragen kann und wie schwer der Mensch ist, der an ihm hängen soll. Letzteres ist schnell geklärt: Der Mensch heißt Burkhardt, ist Kopfball-Reporter und wiegt mit Klamotten rund 83 Kilogramm. Das mit dem Faden ist schon komplizierter. Dafür muss nämlich erstmal eine Spinne "gemolken" werden: Burkhardt wagt sich dran und zieht mit einer Pinzette vorsichtig einen Faden aus der sogenannten Spinnwarze. Für die Spinne ist das kein Problem, ein paar Zentimeter Faden kann sie entbehren. Zum Glück hat Burkhardt gute Augen und eine sehr ruhige Hand - der Spinnenfaden ist nur etwa 0,005 Millimeter dick, 20 Mal dünner als ein menschliches Haar. Burkhardt testet mehrfach, wie viel Gewicht ein einzelner Faden tragen kann: Im Schnitt waren das 3,15 Gramm. Aber lässt sich die Reißfestigkeit eines einzelnen Faden auf Tausende Fäden übertragen? Rein rechnerisch bräuchte man für Burkhardt, der 83000 Gramm wiegt, 26349 dieser Fäden. Aber in der Praxis hat das bisher noch niemand getestet.
Und außerdem: Wie kommt man eigentlich an so viele Fäden, wo es schon eine ziemliche Herausforderung war, einen einzigen zu ergattern? Bei dieser Aufgabe bekommt Kopfball Unterstützung von Björn Greving. Er ist Spinnenexperte am Zoologischen Institut der Universität Oxford und Herr über rund 100 aus Australien stammende Seidenspinnen. Deren Faden gilt als besonders stabil, was sie bei den Wissenschaftlern sehr beliebt macht. Die Oxforder untersuchen die Eigenschaften der Spinnenseide und wie man sie für den Menschen nutzbar machen kann. Björn Greving baut mit Burkhardt aus einer Handvoll Labor-Utensilien die weltweit erste Spinnen-Melk-Maschine. Mit ihr können sie zehn Spinnen gleichzeitig melken! Gut drei Wochen dauert die Ernte und alle 100 Spinnen helfen mit. Die Melkmaschine ist so konstruiert, dass der Faden verdrillt wird – das verleiht dem Seil eine zusätzliche Stabilität. Am Ende hält Burkhardt tatsächlich ein etwa zehn Zentimeter langes Seil aus Spinnenseide in den Händen, das theoretisch sein Gewicht tragen müsste.
Wie es in der Praxis aussieht, testet Burkhardt in Deutschland. Im Kölner Stadionbad wagt das Kopfball-Team den einzigartigen Versuch. Um dem Faden nicht gleich die komplette Belastung zuzumuten, bekommt Burkhardt Unterstützung von Isabel. Sie ist deutlich leichter als Burkhardt und soll als erste vom Fünf-Meter-Turm aus mit dem Faden aus dem Wasser gezogen werden. Der Wasserstart ist von Vorteil: So steigert sich die Zugkraft auf den Faden viel langsamer.
Burkhardt kurbelt an der Seilwinde und so geht’s für
Isabel Zentimeter für Zentimeter aus dem Wasser. Eine Zugwaage
zeigt an, wie viel Kilogramm Gewicht an dem Spinnenseil
hängen. Mit jedem Kilogramm mehr dehnt es sich deutlich aus.
Und schon bei 50 Kilogramm ist das Seil so dünn, dass man ihm
kaum zutraut, noch mehr Gewicht halten zu können. Aber dann
hallt Isabels Stimme durch das Stadionbad: "Ich bin aus dem
Wasser." Mit Seilkonstruktion und Isabel im nassen
Neoprenanzug hält der Faden 70,4 Kilogramm. Damit ist die
Frage von Arnold Streit beantwortet – und der Faden hat seine
Stärke im Praxistest bewiesen. Schon jetzt steht fest: Kein
anderes Material ist gleichzeitig so stabil, leicht und
dünn!
Aber das Team will mehr. Schließlich war die Fadenstärke
für Burkhardts Gewicht ausgerechnet. Ob das Spinnenseidenseil
tatsächlich auch Schwergewicht Burkhardt tragen kann und bei
welcher Belastung er schließlich reißt, sehen Sie im
Film!
Wann wird es den Forscher gelingen, die einzigartigen Eigenschaften von Spinnenseide nutzbar zu machen?
Weltweit versuchen Forscher die einzigartigen Eigenschaften von
Spinnenseide – leicht, dehnbar und extrem stabil – auch
für den Menschen nutzbar zu machen. Die theoretischen
Anwendungen reichen von "Nähgarn" für die
Mikrochirurgie bis hin zu superleichten schusssicheren Westen aus
Spinnenseide. Die Sache hat allerdings einen Haken: Die
industrielle Gewinnung der Seide funktioniert nicht, weil die
Haltung von Spinnen sehr kompliziert und aufwendig ist: Spinnen
sind Kannibalen und können daher nicht zu mehreren auf engem
Raum gehalten werden. Auch die Spinnen-Melk-Maschine der Oxforder
wird daran nichts ändern. Sie lieferte zwar genug Seide
für das Kopfball-Experiment, aber für einen industriellen
Einsatz reicht das noch lange nicht.
Mehr zur aktuellen Forschung finden Sie in einem Beitrag unserer
Kollegen vom Bayrischen Rundfunk, der unten verlinkt ist.
Text Dirk Gilson
Film VisualBridges: Dirk Gilson und Wolfgang Meschede mit Burkhardt Weiß und Isabel Hecker
face
schrieb am 05.10.2011, 12:24 Uhr
Voll cool,krass.
heather gillibrand
schrieb am 23.09.2011, 23:57 Uhr
I went to a lecture at the university of Hudderfield this evening about the silk spiinning spiders, Very interesting,and I hope the researchers find a way to copy the strength of the silk . very interesting
Anonym
schrieb am 24.03.2011, 16:20 Uhr
Ein sehr sehr guter Film!!!
Karin Wolf
schrieb am 14.12.2010, 13:14 Uhr
Sehr guter Film
Rolf Weber
schrieb am 14.12.2010, 13:13 Uhr
Super
Thomas Becker
schrieb am 14.12.2010, 12:47 Uhr
... WOW! ...
Peter Mayenhöfer
schrieb am 12.12.2010, 22:17 Uhr
Klasse!
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.
© WDR 2013
Seite teilen