Sendung vom 30. Januar 2011
Henner Euting aus Bonn fragt:
1886 stellte Carl Benz das erste Automobil der Welt vor. Es besaß zwar nur drei Räder, fuhr aber bereits mit einer Vorderachslenkung – und die ist bis heute Standard. Aber wieso ist das eigentlich so? Zusammen mit Fahrzeugtechniker Dieter Rosenbaum sucht Isabel nach einer Antwort. Als Erstes simulieren die beiden eine Hinterachslenkung durch Rückwärtsfahren. Und dann nutzen sie den frisch gefallenen Schnee für einen Spurtest.
Die Fahrt durch den Schnee macht es deutlich: Bei einem
vorderachsgelenkten Fahrzeug zeigen die gelenkten Räder in
Fahrtrichtung immer in die gefahrene Kurve hinein. So wird die
Front des Autos regelrecht in die Kurve hineingezogen. Dabei
entstehen Kräfte an den Vorderreifen, die der Fliehkraft (die
das Auto aus der Kurve zu drücken versucht) entgegen wirken.
An den ungelenkten Hinterreifen dagegen zieht nur die Fliehkraft
das Auto aus der Kurve.
Bei einer Hinterachslenkung zeigen die hinteren Räder dagegen
aus der Kurve heraus. Dabei entstehen Kräfte, die das
Fahrzeugheck zusätzlich zur Fliehkraft nach außen
drücken. Die Kräfte addieren sich und das Fahrzeugheck
wird stärker nach außen gezogen als bei einer
Vorderachslenkung. Deshalb bricht das Heck eines
hinterachsgelenkten Autos leichter aus.
Isabel will diese Erkenntnis natürlich sofort in der Praxis ausprobieren. Doch woher bekommt sie ein Auto mit Hinterachslenkung? Dieter Rosenbaum hat die Lösung. Er hat ein Auto besorgt, dass man gut umbauen kann. Und dank Kopfball-Spezialschrauber Ralli ist das auch schnell erledigt: Der Fahrersitz wird umgedreht – und Lenkung, Gas und Bremse kommen ebenfalls auf die andere Seite.
Doch es gibt Fahrzeuge, die trotz aller Nachteile eine Hinterachslenkung haben. Denn wer hinten lenkt, ist viel wendiger. Gabelstapler nutzen das, um in Lagerhallen besser rangieren zu können. Und auch jeder Autofahrer macht sich diesen Vorteil zunutze, wenn er rückwärts in eine Parklücke steuert. Einige Autohersteller haben diesen Vorteil erkannt und bieten Fahrzeuge mit Allradlenkung an. Bei geringer Geschwindigkeit wird zusätzlich an der Hinterachse gelenkt, um dem Fahrer das Manövrieren im engen Stadtverkehr zu erleichtern.
Film VisualBridges: Robert Manz mit Isabel Hecker und Burkhardt Weiß
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