Sendung vom 03. April 2011
Stephan Linkel aus Isen fragt:
Kopfball-Zuschauer Stefan Linkel aus Isen kommen jedes Mal Bedenken, wenn er den bulligen kompakten Lkw begegnet, die ohne ihren langen Anhänger, dem sogenannten Auflieger, über die Straße fahren. Diese "Solo-Sattelschlepper" sind fast so hoch wie lang. Wenn sie stark bremsen, wirkt das so, als würden sie vorne überkippen.
Steffi hat mit Test-Ingenieur Mathias Lichter viele Versuche unternommen, den Kraftprotz vornüber kippen zu lassen: Vollbremsung aus 90 km/h, mit 80 Sachen in die Steilkurve, auf einem nassen Parcours das Fahrzeug schleudern lassen! Doch selbst unter diesen extremen Fahr-Manövern kippt der Lkw nicht vornüber. Als selbst bei einer Vollbremsung auf einer steilen Gefällstrecke nichts passiert, ist Steffi überzeugt: Die Solo-Sattelschlepper sehen zwar so aus, als ob sie leicht umkippen könnten – aber sie tun es nicht. Die spektakulären Bilder der Testreihe sehen Sie im Film.
Eine gängige Sattelzugmaschine hat über 360 KW (500 PS) und wiegt je nach Hersteller und Ausstattung bis zu acht Tonnen. Von diesem Gewicht entfallen etwa sieben Tonnen auf Chassis, Motor, Getriebe, Achsen und Reifen. Die hohe Fahrerkabine wiegt lediglich eine Tonne; das heißt: Zwar ragt das Fahrerhaus bis zu vier Meter hoch hinaus – aber der größte Teil des Gewichts befindet sich im unteren Bereich. Der Schwerpunkt des gesamten Fahrzeuges liegt also nah über der Straße.
Bei einem der Bremsversuche stellt Steffi allerdings fest, dass sich die komplette Fahrerkabine nach vorne neigt! Der Grund: Der Fahrer-Arbeitsplatz ist gut gefedert und vom darunterliegenden Chassis mehr oder weniger abgekoppelt. Bei einem Bremsmanöver hat man daher für einen Moment tatsächlich den Eindruck, der Lkw fiele vornüber. In der Realität neigt sich aber nur die Fahrerkabine. Die Lage des Sieben-Tonnen-Kraftpakets unterhalb der Kabine verändert sich nicht.
Erfahrene Trucker berichten Steffi, dass beim heftigen Bremsen zum Beispiel in einer Kurve auf nasser, unebener Straße so ein Solo-Sattelschlepper weniger gutmütig reagiert als in unserem Kopfball-Experimenten! Es tendiert dazu, leer früher auszubrechen, als beladen. Was beim Versuch auf trockener, abgesperrter Fahrbahn mit einem erfahrenen Test-Ingenieur hinterm Steuer kein Problem ist, könnte sich bei Regen zu einer gefährlichen Situation ausweiten! Trotzdem lautet der Wahlspruch der Trucker nicht "Fahr vorsichtig!", sondern "Halt die Stoßstange sauber!".
Text Axel Bach, Christoph Fleischer und Dirk Gion
Film buckle-up: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Steffi Terhörst
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