26.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2011/0410/wind-explorer.jsp

Sendung vom 10. April 2011

Stefan Uttendorfer aus Essen fragt: Wertung: 3.0 von 5 möglichen Sternen

Kann man ein Auto nur mit Wind antreiben?

Es ist das weltweit erste langstreckentaugliche Wind-Automobil, das Kopfball-Reporter Adrian Pflug und Dirk Gion bei Aachen mit Windenergie aufladen. Sein Name: Wind Explorer. Im Februar 2011 hat es bei einer Weltrekordfahrt den australischen Kontinent durchquert: rund 4800 Kilometer von West nach Ost in nur 18 Tagen. Das Prinzip dahinter ist so genial wie einfach: Der Wind Explorer ist ein extrem leichtes Elektroauto. In seinem Inneren befindet sich neben dem Elektromotor und den Batterien auch eine mobile Windkraftanlage. Das heißt: Macht der Wind Explorer Pause, ziehen seine Fahrer die Windkraftanlage aus dem Auto und bauen sie auf. Das sieben Meter hohe Windrad lädt die Akkus innerhalb von zehn Stunden wieder auf.

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Spritztour von der holländischen Grenze nach Köln

Adrian und Dirk machen für Kopfball eine kleine Spritztour von 100 Kilometern über Land: von der holländischen Grenze bis nach Köln. Ihr Ziel: Sie möchten vergleichen, wie viel Kraftstoff sie gegenüber einem herkömmlichen kleinen Pkw mit Verbrennungsmotor einsparen. Ganz nebenbei erfahren sie, dass sie mit dem Wind Explorer viel Spaß haben: Sie sind mobil, können Gas geben und verpesten trotzdem nicht die Umwelt.

Leichtbau und Lithium-Ionen-Technik

Damit das möglich ist, war eine Menge Konstrukteursleistung gefragt: ein zweisitziger Roadster mit Kohlefaser-Leichtbautechnik wie in der Formel 1 und modernste Lithium-Ionen-Akkus vereint mit Leichtlaufreifen und einer sehr aerodynamischen Form. Das Gefährt wiegt weniger als 200 Kilogramm. Die mitgeführte mobile Windkraft-Anlage, die die Akkus wieder auflädt, leistet maximal 1000 Watt. Angetrieben wird er von einem sehr effizienten 2000-Watt-Nabenmotor (2000 Watt entsprechen etwa 2,7 PS). Damit schafft er durchschnittlich 40 bis 60 km/h. Alle Komponenten zusammen sorgen für einen überragend sparsamen Verbrauch. Als Vergleich: Für unsere 100 Kilometer-Fahrstrecke benötigt er nur etwa die Hälfte des Stroms, den man für eine normale Waschmaschinen-Füllung inklusive Trocknerleistung verbraucht. Der Pkw, der zum Vergleich dieselbe Strecke gefahren ist, muss in Köln 4,8 Liter nachtanken.

Wind Explorer auf Pionierfahrt in Australien: 7,40 Euro für 4800 Kilometer

Für Australien hatten sich Dirk und sein Kopilot Stefan Simmerer viel vorgenommen. Für die 4800 Kilometer von Albany im äußersten Südwesten entlang der Südküste bis nach Sydney am Pazifischen Ozean waren sie 18 Tage unterwegs – zeitweise bei Temperaturen von über 50 Grad Celsius! Die ersten 1000 Kilometer nutzten sie dazu, die Windkraftanlage und die Akkus aufeinander abzustimmen. Denn bisher gab es weltweit keinerlei Erfahrungen mit der Kombination dieser beiden Technologien bei mobiler Anwendung. Für diese ersten Kilometer mussten die beiden daher den Strom aus dem australischen Netz ziehen. Dann konnten sich die beiden immer mehr auf den selbst erzeugten Windstrom verlassen und mussten nur bei Windstille das eine oder andere Mal Strom aus der Steckdose ziehen. Zwischendurch trieben sie das Fahrzeug auch mit großen Lenkdrachen ("Kites") voran.
Fazit: Mehr als die Hälfte der Pionierfahrt legte der Wind Explorer allein mit dem eigenen Windstrom zurück. Und für die gesamte Kontinental-Durchquerung verbrauchten sie aus dem australischen Netz nur Strom für umgerechnet 7,40 Euro.

Film Buckle Up Productions: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Adrian Pflug

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Kommentare

Einträge: 5

Jaykay
schrieb am 18.04.2011, 13:31 Uhr
Die Perpetuum-Spaßfrage: Warum nutzt man nicht den Fahrtwind, um das Auto schon während der Fahrt wieder aufzuladen? Aber mal im Ernst: Eine gesunde Mischung aus Solarkraft, Windkraft und Bremsenergierückgewinnung würde das Energiekonzept eines solchen Autos noch mehr in Richtung Alltagstauglichkeit verbessern. Falls der "Saft" dennoch nicht reicht, dann sollten sich Induktionsladeschleifen in der Fahrbahn befinden, um die Reichweite noch mehr zu vergrößern. Und wenn die großen Reifenhersteller auch endlich die für diese Sparte tauglichen Reifen anbieten (und Bohle / Schwalbe das Monopol entrissen haben), dann gibt's auch weniger Plattfüße.

Björn
schrieb am 12.04.2011, 13:55 Uhr
An die Vormeckerer: Richtig, erst einmal ein E-Auto, das mit Wind aufgeladen wird. Im Beitrag aber auch Bilder aus Australien, wo das Auto zusätzlich mit einem Segel - dem eines Strandseglers nicht unähnlich - beschleunigt wird.

Kopfball
schrieb am 10.04.2011, 20:16 Uhr
Hallo Gerd, der Wind Explorer ist als 4rädiges Elektro- Kleinkraft-Versuchsfahrzeug zugelassen bis zu einem Gewicht von 350 kg und 45KM/h Geschwindigkeit. Alle dafür notwendigen Vorschriften sind einzuhalten - und davon gibt?s ne ganze Menge, vom Durchmesser des Rücklichts über den bauart-zugelassenen Rückspiegel bis zu zertifizierten Reifen. Auch für den Wind Explorer war es nicht einfach, diese Zulassung zu erhalten.

Gerd
schrieb am 10.04.2011, 20:16 Uhr
Wieso hat ein solches Auto eine Straßenzulassung bekommen. Ich wollte eine E-Auto für 4000$ aus China importieren. Hier hatte der TÜV jede Menge Kritikpunkte, so dass eine Zulassung aussichtslos war. Erhält man eine leichtere Zulassung, wenn es als Spaßmobil oder als Experiment zugelassen wirdl?

Nico
schrieb am 10.04.2011, 12:56 Uhr
Jap genau das dachte ich mir auch. Ist ja schön, wenn ihr PR für das Team und das E-Auto macht, die freuen sich sicherlich auch darüber. ABER dann beantwortet doch bitte kurz zuerst die Frage des Jungen und DANN könnt ihr als ALTERNATIVE noch auf den E-Wagen eingehen.



Kopfball - weitere Informationen zur Sendung


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