Sendung vom 08. Mai 2011
Klaus Kunkel fragt:
Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön. Allerdings nicht für jeden! Denn auf hoher See wird so manchem Passagier schon mal gerne speiübel. Selbst alte Seebären sind nicht vor ihr sicher: der Seekrankheit. Doch wie kommt es zu Schwindel, Blässe und Übelkeit auf hoher See?
Eine zentrale Rolle spielt das Gleichgewichtsorgan (auch Vestibular-Apparat genannt). Es befindet hinter dem Trommelfell im Innenohr. Das Organ besteht aus zwei Kammern mit drei darüber geschwungenen Bogengängen. Sie sind mit einer zähen Flüssigkeit gefüllt. Innerhalb der Kammern und Bogengänge sind feine Sinneshärchen angeordnet, die bei Bewegung durch die Flüssigkeit verbogen werden. Das Gehirn wertet die Bewegung der Härchen aus und bestimmt so die Position des Körpers. Meldet nun das Gleichgewichtsorgan Bewegung und das Auge hingegen nicht, reagiert der Körper auf diesen Informationskonflikt und die See- oder Reisekrankheit kann ausbrechen.
Wer als Beifahrer während einer Autofahrt länger liest,
stellt ähnliche Symptome fest: Ihm wird schlecht. Während
das Auge statische Informationen registriert – nämlich
die Buchstaben im Buch –, meldet der Vestibularappart bei
jedem Lenkmanöver Bewegung. Der Informationskonflikt
führt dann zu den gleichen Symptomen wie auf See.
Abhilfe ist bei See- oder Reisekrankheit nicht leicht zu schaffen.
Zwar gibt es entsprechende Medikamente. Doch diese hemmen die
gesamte Wahrnehmung und haben Nebenwirkungen. Am besten hilft in
den meisten Fällen Gewöhnung. Je länger also die
Schiffsreise andauert, desto größer ist die Chance zu
genesen. Für viele akut Betroffene ist das allerdings nur ein
schwacher Trost.
Selbst die gestandene Seefahrerlegende Admiral Lord Nelson bekannte in einem Brief an seine Geliebte, dass er regelmäßig an der Seekrankheit leide. Dennoch besiegte er in der Seeschlacht von Trafalgar die französische Flotte Napoleons. Ablenkung scheint also auch ein wirkungsvolles Mittel gegen die Reisekrankheit zu sein.
Text Niels Waibel und Daniel Wallimann
Film Maakii/Visual Bridges: Tobias Schlößer und Niels Waibel mit Isabel Hecker und Ulrike Brandt-Bohne
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