Sendung vom 11. September 2011
Daria Zamarlik fragt:
In Klassenräumen, wo viele Kinder auf kleinem Raum lernen, entsteht schnell stickige Luft. Sie enthält im Gegensatz zu frischer Luft im Freien mehr Kohlenstoffdioxid und etwas weniger Sauerstoff. Sie entsteht vor allem dann, wenn sich viele Personen in einem geschlossenen Raum aufhalten. Denn man atmet sauerstoffreiche Luft ein und gibt sauerstoffarme aber kohlenstoffdioxidreiche Luft ab. Zusammen mit Juliana Wiechert von der Universität Bremen misst Kopfball-Reporterin Ulrike die Kohlenstoffdioxid-Konzentration und testet die Konzentrationsfähigkeit von Kölner Grundschülern. Zu Beginn der Schul-Stunde in der Kölner Grundschule lag die Kohlenstoffdioxid-Konzentration bei 0,04 Prozent. Bis zum Pausengong stieg sie aber auf über 0,3 Prozent an. Zusätzlich sammeln sich weitere Gase an: flüchtige organische Substanzen (sogenannte "VOCs" – vom englischen "volatile organic compounds"). Diese Gase entweichen nicht nur aus Möbeln, Baustoffen, Teppichen und Ähnlichem – sie werden auch von Schülern und Lehrer ausgedünstet.
Kein Wunder, dass sich die Schüler immer schlechter konzentrieren konnten, denn je mehr Kohlenstoffdioxid sie einatmen, desto weniger Sauerstoff transportiert der rote Blutfarbstoff Hämoglobin in ihr Gehirn. Und Sauerstoff wird in den Gehirnzellen dringend gebraucht, damit sie leistungsfähig sind. Für Juliana Wiechert war das Ergebnis keine Überraschung. Sie hatte bereits mit ihren Kollegen am Institut für Interdisziplinäre Schulforschung in einer Studie die Unterrichtsbedingungen an drei deutschen Schulen untersucht. Auch hier das Ergebnis: Die Schüler können sich bei stickiger Luft schlechter konzentrieren und sind zudem viel unruhiger und lauter.
Daher lautet die Empfehlung der Wissenschaftler: die Kohlenstoffdioxidkonzentration im Klassenraum nie über 0,15 Prozent ansteigen lassen. Der Chemiker Max von Pettenkofer legte bereits Ende des 19. Jahrhunderts den Kohlenstoffdioxid-Höchstwert für "hygienisch unbedenkliche Innenraumluft" auf 0,1 Prozent fest. Experten für Raumlufthygiene haben ebenfalls einigen VOCs gesundheitsschädliche Wirkungen nachgewiesen. Beste und einfache Gegenmaßnahme, um Kohlenstoffdioxid und VOCs gering zu halten: ausreichend lüften – und zwar sowohl vor jeder Unterrichtsstunde als auch einmal während der Stunde.
Film VisualBridges: Sandra Palm und Jessica Martin mit Ulrike Brandt-Bohne
Jan
schrieb am 14.09.2011, 11:52 Uhr
Hier sei noch einmal betont, dass sich der Sauerstoffanteil im Raum auch nach längerer Zeit kaum ändert! Er ist also nicht Ursache für eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit, wie man oft im Alltag behauptet. Auch der stark erhöhte Kohlendioxidgehalt hat wohl einen geringeren Einfluss auf die Aufmerksamkeit der Schülerinnen und Schüler als die im Text (aber nicht im Film) erwähnten VOCs. Ich empfehle diesbezüglich das pdf zur oben angegebenen Quarks & Co-Sendung.
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