Sendung vom 25. September 2011
Sergej Medvedev fragt:
Die einen machen es leidenschaftlich und mehrfach täglich – andere versuchen es zwar – können es aber nicht: mit den Fingern knacken. Doch schadet die Angewohnheit den Gelenken? Die Vermutung: Wenn Fingerknacken schädlich ist, könnte sich der Knorpel abnutzen – also eine Arthrose entstehen.
Die Suche beginnt im Internet. Steffi fördert einige wissenschaftliche Untersuchungen zutage, doch eine aktuelle aus Deutschland ist nicht dabei. Die Schwierigkeit: Das Phänomen lässt sich schwer untersuchen. Auch die Frage, woher das Geräusch stammt, ist nicht eindeutig bewiesen. 1971 hatte eine Forschergruppe aus England dazu experimentiert. Deren Theorie: Beim Knackvorgang werden die Fingerknochen jäh auseinandergezogen. Dabei wird auch die zähe Gelenkschmiere an den Gelenkflächen auseinanderbewegt. Durch den vergrößerten Raum entsteht ein Unterdruck und es bilden sich Gasbläschen, die vorher in der Flüssigkeit gelöst waren. Wenn sie zerplatzen, soll es dieser Theorie nach zum Knackgeräusch kommen. Die Theorie der Engländer wurde zwar häufig von anderen Wissenschaftlern und vielen Journalisten zitiert – und die Gasbläschen ließen sich auch tatsächlich nachweisen – aber dass sie für das laute Knackgeräusch verantwortlich sein könnten, ist fraglich.
Kopfball-Reporterin Steffi stößt auf eine weitere Schwierigkeit: Das Fingerknacken ist kein klinisches Problem und damit der Grund dafür, dass sich Ärzte mit dem Thema in der Regel nicht wissenschaftlich beschäftigen. Nur in einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 1990 finden Forscher bei 74 langjährigen Fingerknackern immerhin zwei Indizien, die auf Schäden durch das Fingerknacken schließen könnten: Die Probanden damals zeigten vermehrt geschwollene Hände und konnten etwas weniger fest zupacken als nichtknackende Vergleichspersonen.
Trifft das auch für Sergej Medvedev zu? Steffi will das herausfinden und startet zusätzlich einen Aufruf. Sie findet zehn weitere Personen, die seit mehr als fünf Jahren mit den Fingern knacken und lädt sie zum "Kopfball-Fingerknack-Test" in eine orthopädische Spezialklinik nach München ein. Dort schaut Dr. Christian Massing, Facharzt für Orthopädie und Handchirurgie, allen mit Winkelmesser und Handkraftmessgerät auf die Finger. Röntgenbilder und Scans im Magnetresonanztomographen runden die Untersuchung ab.
Ein Ergebnis der orthopädischen Untersuchung: Beim Beweglichkeitstest schneiden die Fingerknacker außerordentlich gut ab. Acht von zehn können ihre Finger stärker überstrecken als normalerweise üblich. Am Ende kann Fragesteller Sergej beruhigt nach Hause gehen: Die Ärzte konnten keine Veränderungen in seinen Händen feststellen. Das genaue Ergebnis des Kopfball-Tests und ein großes Knack-Konzert der Kopfball-Probanden sehen und hören Sie im Film!
Film Bilderfest: Anke Rau mit Steffi Terhörst
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