Sendung vom 23. Oktober 2011
Georg Kreidl aus Ried im Zillertal in Österreich fragt:
Der Tiroler Musiker Georg Kreidl hat sich die Frage gestellt, ob die lautesten Instrumente auch gleichzeitig am weitesten zu hören sind. Kopfball-Reporter Burkhardt Weiß testet das in einem mehrere Kilometer langen und ruhigen Tal im Karwendelgebirge. Es treten gegeneinander an: Piccolo-Flöte, Klarinette, Trompete, Pauke, Baritonhorn und Alphorn – Instrumente mit unterschiedlicher Lautstärke und Frequenzbereichen. Gespielt werden sie von den Tiroler Musikern Georg Kreidl, Hans Wagner und Martin Moser, bekannt als die Brixlegger Alphornbläser. Ein Schallpegelmessgerät verrät, dass die Pauke mit 109,6 Dezibel fast doppelt so laut ist wie die Klarinette mit 101,1 Dezibel. Drei Faktoren beeinflussen maßgeblich die Reichweite eines Musikinstruments: Die Lautstärke, die Schallausbreitungsrichtung (also ob die Töne direkt in Richtung des Hörers gesendet werden) und der Frequenzbereich (also ob es ein hohes oder tiefes Instrument ist).
Naheliegend wäre, dass das lauteste Instrument auch am weitesten zu hören ist. Getestet wurde das allerdings noch nie, sagt der Physiker Dr. Michael Jäger. Kopfball hat das nun nachgeholt ... Der Test ist einfach: Michael Jäger und Burkhardt entfernen sich immer weiter von den Musikern – und horchen, ob sie die Instrumente noch hören können, wenn sie gespielt werden. Bei 800 Metern Entfernung scheiden Piccolo-Flöte und Klarinette aus. Bei 1500 Metern sind dann nur noch Baritonhorn und Alphorn zu hören. Das lauteste Instrument – die Pauke – ist also nicht am weitesten hörbar! Aus zwei Kilometern Entfernung hören Burkhardt und Michael Jäger dann schließlich nur noch das Baritonhorn.
Warum die tiefer klingenden Instrumente wie Baritonhorn und Alphorn weiter hörbar sind als höher klingenden, zeigt ein Test in einem Wellenkanal. Instrumente bringen Luft zum Schwingen – die Schallwellen, die sich durch die Luft ausbreiten. Diese Wellen sind vergleichbar mit Wellen im Wasser. Hohe Instrumente erzeugen kurze Wellen, tiefe Instrumente erzeugen lange Wellen. Der Vergleich dieser Wellen im Wellenkanal zeigt: Lange Wellen wandern weiter als kurze Wellen. Genauso wandern auch die langwelligen Töne der tiefen Instrumente weiter durch die Luft, als kurzwellige, hohe Töne. Das ist auch der Grund, warum man die wummernden Bässe zuerst hört, wenn man sich einem Open-Air-Konzert nähert.
Text Dirk Gilson
Film VisualBridges: Sophie Kolb und Dirk Gilson mit Burkhardt Weiß
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