26.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2011/1030/eier.jsp

Sendung vom 30. Oktober 2011

Carmen Kreyenberg aus Waltrop fragt: Wertung: 3.0 von 5 möglichen Sternen

Bleiben gepikste Eier beim Kochen eher heil als ungepikste?

Deutschland ist geteilt – zumindest beim Eierkochen: Zwei Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber. Die eine Hälfte pikst die Eier vor dem Kochen an – die andere nicht. Das Argument der Eierpikser klingt auf den ersten Blick überzeugend: Wenn man die Eier nicht anpikst, dann dehnt sich die Luftblase im Ei beim Erwärmen aus und macht das Ei kaputt. Doch die kleinen Mengen, die jeder zu Hause kocht, lassen eine Einschätzung, ob das Piksen nützt, nicht zu: Ist das Eierpiksen einer der letzten ungeklärten Mythen? Mit dem größten Eier-Koch-Experiment der Welt ist Kopfball der Frage auf den Grund gegangen.
Grau ist alle Theorie. Daher wollten wir zuerst wissen: Wie werden in Deutschland überhaupt die Eier gekocht – und wie viele gehen dabei kaputt? Im Internet konnten alle Eierfreunde mitmachen und in eine Datenbank eintragen, ob ihre Eier beim Kochen kaputtgegangen sind oder nicht. Ein erster Blick auf die Daten zeigt: Tatsächlich wurde etwa die Hälfte der Eier vor dem Kochen angepikst. Und es gibt auch eine klare Tendenz für eine Kochmethode: Etwa die Hälfte der Eier wurde im siedenden Wasser gekocht. Ein Viertel der Eier wurde in kaltes Wasser gelegt und dann erhitzt – und die restlichen Eier wurden energiesparend im Eierkocher zubereitet.

Unsere Videos können Sie mit dem Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
http://www.adobe.com/go/getflashplayer_de

Eier kochen für die Wissenschaft

Während in ganz Deutschland Eier für Kopfball gekocht wurden, sind Kopfball-Reporterin Ulrike Brandt-Bohne und Physiker Theo Schmitz der Sache experimentell auf den Grund gegangen. Sie möchten wissen: Kann die Luftblase ein nicht angepikstes Ei wirklich zum Platzen bringen, wenn es erwärmt wird? Das Argument hört sich ja plausibel an. Jeder kennt den Effekt: Warme Luft dehnt sich aus. Wenn dazu aber kein Platz ist, wie zum Beispiel in einem Ei, dann muss automatisch der Druck steigen. Und tatsächlich können Ulrike und Theo beim Kochen beobachten, dass kleine Bläschen an der Einpiksstelle aufsteigen. Doch es könnte sich dabei auch um Wasserdampfblasen aus dem kochenden Wasser handeln. Ein Beleg für einen Druckanstieg ist das also nicht.
Deshalb legen die beiden Eier-Forscher jetzt ein rohes angepikstes Ei in heißes Paraffin-Öl statt in kochendes Wasser. Das Öl hat einen deutlich höheren Siedepunkt als Wasser und ermöglicht freie Sicht auf die Einpiksstelle. So können die beiden die kleinen Bläschen im Paraffin-Öl als Luftblasen aus dem Ei identifizieren. Dass beim Kochen der Druck in nicht angepiksten Eiern steigt, ist also bewiesen. (Achtung: Das Experiment bitte nicht nachmachen. Wenn das Ei im heißen Öl platzt, kann es zu einer gefährlichen Explosion kommen, wenn auf einen Schlag Wasser aus dem Ei verdampft und dadurch heißes Öl aus dem Topf geschleudert wird!)

Der Druck im Ei

Wie hoch der Druckanstieg ist, kann man leicht berechnen: Wenn man ein Ei von Kühlschranktemperatur auf 100 Grad Celsius erhitzt, steigt der Druck im Ei um etwa 0,3 bar an. Doch es kommt noch etwas ganz Entscheidendes hinzu: Es befindet sich ja nicht nur Luft im Ei, sondern auch Wasser – das Eiklar besteht immerhin zu 88 Prozent aus Wasser. Das heißt: Es steigt nicht nur der Luftdruck an, sondern auch der Wasserdampfdruck – und dieser Druckanstieg ist sogar höher als der, den die Luftblase verursacht. Bei 90 Grad Celsius – heißer wird das Eiklar beim Kochen in der Regel nicht – macht das einen zusätzlichen Druck von 0,7 bar aus. Luftdruck und Wasserdampfdruck zusammen erzeugen beim Kochen im Ei also einen Überdruck von ungefähr 1 bar.

Ein Ei im Weltraum

Platzt ein Ei im Weltraum? Im Weltraum gibt es keine Luft – und daher auch keinen Luftdruck. Welche Auswirkungen das auf ein rohes Ei hat, kann man auf der Erde testen: unter einer Vakuumglocke. Ulrike und Theo probieren das natürlich aus. Denn, wenn das Ei im Vakuum platzt, dann wäre klar: Eier halten einen Überdruck von 1 bar nicht aus. Was bedeutete: Der Druck beim Eierkochen könnte reichen, um das Ei zum Platzen zu bringen. Was auch bedeutete: Wenn man das Ei anpikst und die Luft entweichen kann, könnte das Ei heil bleiben.
Die Vakuumpumpe saugt die Luft aus der Vakuumglocke heraus. Je geringer der Druck unter der Vakuumglocke, desto gespannter sind Ulrike und Theo. Wenn das Ei platzt, gibt das sicherlich eine schöne Schweinerei. Doch: Es passiert nichts! Das rohe Ei bleibt heil – auch im Vakuum.

Eier im Härtetest

Jetzt möchte Ulrike es natürlich genau wissen: Wenn ein Ei im Vakuum schon nicht kaputtgeht, wie viel Druck hält ein Ei dann überhaupt aus? Theo hat dafür einige Eier ausgeblasen, mit einer Kanüle versehen und an beiden Enden wieder zugeklebt. Mit Druckluft blasen sie nun so lange Luft in die Eier, bis sie platzen. Das Ergebnis zeigt, wie unglaublich stabil Eier sind: Ein Ei ging bei 1,5 bar Überdruck kaputt, ein anderes bei 2,5 bar und eines erst bei 3 bar. Das ist mehr Druck als in einem Autoreifen! Ulrike und Theo sind überzeugt: Eier sind so stabil, dass das Anpiksen vor dem Kochen wohl nichts nützen wird.

Das Ergebnis – und die Sache mit der Statistik

Grafik: Das Ergebnis der Koch-Experimentes; Rechte: WDR-Fernsehen 2011

Angepikste Eier gingen zu 10% kaputt; nicht angepikste Eier zu 12%. Statistisch unterscheiden sich die Zahlen jedoch nicht. Eierpiksen nützt also nur den Eierpikser-Herstellern ...

Doch ganz sicher können die beiden noch nicht sein. Zwar lassen die Experimente darauf schließen, dass das Anpiksen nichts nützt. Doch wie es in den Eierkochtöpfen der Nation aussieht, das können erst die Zahlen aus der großen Kopfball-Eier-Studie zeigen. Die Kopfball-Zuschauer haben fleißig Eier gekocht und mitgeteilt, ob sie dabei kaputtgegangen oder heil geblieben sind.
Nachdem knapp 3000 Eier gekocht waren, waren genügend Daten für ein aussagekräftiges Ergebnis vorhanden: Waren die Eier angepikst, gingen im Schnitt zehn Prozent kaputt. Bei den nicht angepiksten Eiern waren es zwölf Prozent. Auf den ersten Blick spricht das für das Eier-Piksen. Doch der kleine Vorsprung von zwei Prozentpunkten für die angepiksten Eier ist gar keiner – das hat Professor Heinz Holling von der Universität Münster für uns berechnet. Statistisch gesehen unterscheiden sich die Zahlen also nicht.
Heinz Holling hat die Zahlen nach allen Regeln der statistischen Kunst ausgewertet. Aufgefallen ist zum Beispiel, dass im Eierkocher im Schnitt weniger Eier kaputtgingen als bei den anderen Kochmethoden (neun statt zwölf Prozent). Die angepiksten Eier gingen im Eierkocher sogar nur in acht Prozent der Fälle kaputt, während es von den nicht angepiksten elf Prozent waren. Doch in allen Fällen ist der Unterschied zu klein, als dass es nicht auch reiner Zufall sein könnte. Oder wie die Statistiker sagen: Die Werte unterscheiden sich nicht statistisch signifikant.
Das Eier-Piksen können Sie sich in Zukunft also sparen. Die gefärbten Eier aus der Ostereierfabrik werden übrigens vor dem Kochen ebenfalls nicht angepikst – und es kommt nur selten vor, dass Eier in den riesigen Eierkochmaschinen kaputtgehen.

Film Axel Bach mit Ulrike Brandt-Bohne

Deine Meinung

Kommentare

Einträge: 6

An Unplausibel
schrieb am 21.12.2011, 17:13 Uhr
Die von dir monierten fehlenden Informationen stehen doch größtenteils im Internet-Text! Und außerdem: Die Frage lautete: Nützt das Eier-Piksen - und nicht: Warum gehen Eier beim Kochen kaputt. Die Frage ist also meines Erachtens völlig plausibel beantwortet. Gruß Peter

Unplausibel
schrieb am 03.12.2011, 10:55 Uhr
Hier wurde jetzt also bewiesen, dass Eier den Überdruck von 1 bar aushalten und nicht platzen. Aber Eier platzen eben offensichtlich *doch* beim Kochen. Was ist also der Grund? Das wurde hier nicht geklärt, und daher finde ich das alles nicht sehr befriedigend. Und die statistische Auswertung ist ohne genauere Rahmenbedingungen absolut wertlos (wurden die Eier ins siedende Wasser geworfen oder ins kalte? Waren sie vorher im Kühlschrank aufbewahrt? Wurde ein Eierkocher benutzt?). Dass Eier aus der Ostereierfabrik nicht angepiekst werden ist auch nicht aussagekräftig, weil dort im Zweifelsfall unter komplett anderen, wesentlich kontrollierteren Bedingungen gekocht wird.

discopogo unserding
schrieb am 06.11.2011, 13:14 Uhr
alles ganz einfach. durch das loch im ei dringt beim kochen wasser unter die dünne innenhaut des ei`s. dadurch lässt es sich nachher einfacher pellen...ohne loch haftet das häutchen fest am eiweiss, und kann einem ganz schön die freude am frühstücksei verderben.ergo folgt daraus, wer sein ei köpft und löffelt, muss auch nicht lochen.wer`s auf`s brot legt, schon.

jay
schrieb am 02.11.2011, 12:57 Uhr
Ich denke es hat mit dem Temperaturschock zu tun, wenn man kalte Eier in kochendes Wasser tut. Das oben erwähnte Viertel, die die Eier in kaltes Wasser legen und dann erwärmen, wird den geringsten Bruch haben. Das wurde aber wohl nicht empirisch getestet.

Jürgen Brand
schrieb am 30.10.2011, 23:48 Uhr
Könnte das Platzen der Eierschale mit der Längenausdehnung von Stoffen bei Erwärmung zusammenhängen?

matthias
schrieb am 30.10.2011, 11:47 Uhr
meine Mutter sagt, dass das Piksen eine andere Funktion hat, nämlich den Unterschied bezüglich der Kochzeit zwischen den Eiern (durch unterschiedliche Größe oder Beschaffenheit) auszugleichen, d.h. durch das Piksen erreicht man, dass alle gleichzeitig gekochten Eier die selbe (z.B. weiche) Konsistenz haben.



Kopfball - weitere Informationen zur Sendung


Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.

© WDR 2012

Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW