26.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2011/1113/freeclimber.jsp

Sendung vom 13. November 2011

Eva Neunhoeffer aus Kirchentellinsfurt fragt: Wertung: 2.5 von 5 möglichen Sternen

Kann ein Profi-Kletterer eine mittelalterliche Burg erstürmen?

Die Idee kommt wahrscheinlich jedem Kletterer, wenn er eine Burg besichtigt: Wäre es feindlichen Rittern im Mittelalter möglich gewesen, im Schutze der Nacht, an den Außenwänden hochzuklettern und heimlich das Burgtor von innen zu öffnen? Für dieses Experiment trifft sich Kopfball-Reporter Adrian Pflug mit dem Essener Kletter-Experten Mike Schuh am Fuße der Burgruine Ehrenburg bei Brodenbach an der Mosel. Der Kletter-Profi prüft sofort die Beschaffenheit der Mauern und zeigt Adrian kleine Vorsprünge und Kanten, an denen er sich hochziehen kann. Zum Glück ist die Außenwand nicht verputzt. Sie besteht aber aus reinem Schiefergestein, das sehr weich ist und leicht abbrechen kann – gefährlich zum Klettern! Deshalb wird Mike Schuh natürlich fachmännisch gesichert. So kann er sich voll auf die enorme Kraft seiner Beine, Arme und vor allem seiner Finger konzentrieren.

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Mittelalterliches Outfit für modernen Freeclimber

Seine Kletterschuhe darf Mike Schuh jedoch nicht benutzen. Denn es gilt, den Versuch mit den Möglichkeiten des Mittelalters zu starten. So muss er auf die gute Haftreibung durch die profillosen Gummisohlen heutiger Kletterschuhe verzichten. Doch vor 800 Jahren wurde schon weiches Leder hergestellt und zu Schuhen verarbeitet. Mike Schuh hat sich bei einem Schuhmacher, der nach mittelalterlichen Vorlagen arbeitet, eng anliegende Lederschuhe anfertigen lassen. So hat er über seine Zehenspitzen immer guten Kontakt zum Fels und kann auch extrem schmale Kanten ausnutzen.
Nichtsdestoweniger legt Adrian noch zwei Schüppchen drauf: Belagerer im Mittelalter hätten – wenn überhaupt – nur im Schutz der Dunkelheit die Außenmauern erklimmen können. Deshalb verpasst er Mike Schuh eine dunkle Schweißerbrille. Nur nach viel Überredung willigt er ein: Fast blind ist er noch nie geklettert. Obendrein klemmt ihm Adrian ein langes Schwert an den Gürtel. Denn schließlich hätte er gegen die Verteidiger der Burg kämpfen müssen, wenn er zu Mittelalterzeiten wirklich beim Erstürmen diesen besonderen Weg über die Außenmauer genommen hätte.

Ritter als Profi-Kletterer: ein Himmelfahrtskommando

Die ersten Meter klettert Mike Schuh wie im Flug. Doch dann wird die Mauer immer bröseliger. Und es passiert genau das, was im Ernstfall wahrscheinlich seinen sofortigen Tod zur Folge gehabt hätte: ein kleiner Vorsprung, an dem er sich hochziehen wollte, bricht unvermittelt ab und fällt mit lautem Getöse in die Tiefe. Jetzt wäre er von den Wachen oben auf der Burgmauer sicherlich entdeckt worden. Sie hätten heißes Pech und Schwefel auf ihn gegossen, mit Bögen beschossen oder ihn mit langen Lanzen in den Tod gestoßen.
Doch Mike Schuh kann sich halten und setzt seinen Weg nach oben fort. Geschickt spielt er seine jahrelangen Kletter-Erfahrungen an Extremwänden aus. Oben in der Haupt-Burg angekommen, hat er den Beweis erbracht: Speziell trainierte Ritter hätten über die Außenmauern in eine Burg eindringen können. Doch wären sie auch bis zur Zugbrücke gelangt, um ihre Mannen von außen hereinzulassen? Den langen Weg von der Mauerkrone der Hauptburg zur Zugbrücke veranschaulicht der Experimental-Archäologe und Mittelalter-Kenner Harm Paulsen, der lange für das archäologische Landesmuseum Schleswig-Holstein gearbeitet hat. Seine Einschätzung, ob ein solcher Angriff hätte Erfolg haben können, sehen Sie im Film.

Film Buckle Up Productions: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Adrian Pflug

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