26.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Kopfball
URL: http://www.wdr.de/tv/kopfball/sendungsbeitraege/2012/0101/spinnenseide.jsp

Sendung vom 01. Januar 2012

Arnold Streit aus Mönchengladbach fragt: Wertung: 3.5 von 5 möglichen Sternen

Kann ein Faden aus Spinnenseide einen Menschen tragen?

Spinnenseide gehört zu dem stabilsten, was die Natur zu bieten hat: Sie ist bis zu fünfmal reißfester als Stahl – zumindest theoretisch! Denn dieser Wert stammt vor allem aus wissenschaftlichen Berechnungen. Tests, die diese Ergebnisse in größerem Maßstab bestätigen, gab es bisher nicht. Genau das will Kopfball ändern und wagt ein weltweit einmaliges Experiment. Nie zuvor hing ein Mensch an einem Faden aus Spinnenseide. Unterstützung bekommt Kopfball von Wissenschaftlern der Universität Oxford und etwa 100 achtbeinigen Helfern. Sollte das Experiment gelingen, wäre das ein Weltrekord für Kopfball und die Wissenschaftler.

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Spinnen melken

Bild: Spinnenfaden mit angehängten Gewichten; Rechte: WDR-Fernsehen 2012

Burkhardt testet, wie viel Gramm ein einzelner Spinnenfaden trägt.

Eigentlich klingt die Geschichte ganz einfach: Wer einen Menschen an ein Seil aus Spinnenfäden hängen will, muss wissen, wie viel ein einzelner Faden tragen kann und wie schwer der Mensch ist, der an ihm hängen soll. Letzteres ist schnell geklärt: Der Mensch heißt Burkhardt, ist Kopfball-Reporter und wiegt mit Klamotten rund 83 Kilogramm. Das mit dem Faden ist schon komplizierter. Dafür muss nämlich erstmal eine Spinne "gemolken" werden: Burkhardt wagt sich dran und zieht mit einer Pinzette vorsichtig einen Faden aus der sogenannten Spinnwarze. Für die Spinne ist das kein Problem, ein paar Zentimeter Faden kann sie entbehren. Zum Glück hat Burkhardt gute Augen und eine sehr ruhige Hand – der Spinnenfaden ist nur etwa 0,005 Millimeter dick, 20 Mal dünner als ein menschliches Haar. Burkhardt testet mehrfach, wie viel Gewicht ein einzelner Faden tragen kann: Im Schnitt waren das 3,15 Gramm. Aber lässt sich die Reißfestigkeit eines einzelnen Faden auf Tausende Fäden übertragen? Rein rechnerisch bräuchte man für Burkhardt, der 83000 Gramm wiegt, 26349 dieser Fäden. Aber in der Praxis hat das bisher noch niemand getestet.

Weltweit erste Spinnen-Melk-Maschine

Bild: aufgewickelte gelbe Spinnenfäden; Rechte: WDR-Fernsehen 2012

Das Ergebnis von drei Wochen Akkord-Spinnerei: der dickste Seidenfaden der Welt.

Und außerdem: Wie kommt man eigentlich an so viele Fäden, wo es schon eine ziemliche Herausforderung war, einen einzigen zu ergattern? Bei dieser Aufgabe bekommt Kopfball Unterstützung von Björn Greving. Er ist Spinnenexperte am Zoologischen Institut der Universität Oxford und Herr über rund 100 aus Australien stammende Seidenspinnen. Deren Fäden gelten als besonders stabil, was sie bei den Wissenschaftlern sehr beliebt macht. Die Oxforder untersuchen die Eigenschaften der Spinnenseide und wie man sie für den Menschen nutzbar machen kann. Björn Greving baut mit Burkhardt aus einer Handvoll Labor-Utensilien die weltweit erste Spinnen-Melk-Maschine. Mit ihr können sie zehn Spinnen gleichzeitig melken! Gut drei Wochen dauert die Ernte und alle 100 Spinnen helfen mit. Die Melkmaschine ist so konstruiert, dass der Faden verdrillt wird – das verleiht dem Seil eine zusätzliche Stabilität. Am Ende hält Burkhardt tatsächlich ein etwa zehn Zentimeter langes Seil aus Spinnenseide in den Händen, das theoretisch sein Gewicht tragen müsste.

Der erste Mensch, der an einem Faden aus Spinnenseide hängt

Bild: gelbliches Spinnenseidenseil in einer Halterung; Rechte: WDR-Fernsehen 2012

Unter Last dehnt sich der Spinnenfaden deutlich.

Wie es in der Praxis aussieht, testet Burkhardt in Deutschland. Im Kölner Stadionbad wagt das Kopfball-Team den einzigartigen Versuch. Um dem Faden nicht gleich die komplette Belastung zuzumuten, bekommt Burkhardt Unterstützung von Isabel. Sie ist deutlich leichter als Burkhardt und soll als erste vom Fünf-Meter-Turm aus mit dem Faden aus dem Wasser gezogen werden. Der Wasserstart ist von Vorteil: So steigert sich die Zugkraft auf den Faden viel langsamer.

Bild: Isabel hängt an einem Spinnenseil über einem
Schwimmbecken; Rechte: WDR-Fernsehen 2012

Der Spinnenfaden trägt das Gewicht von Isabel.

Burkhardt kurbelt an der Seilwinde und so geht’s für Isabel Zentimeter für Zentimeter aus dem Wasser. Eine Zugwaage zeigt an, wie viel Kilogramm Gewicht an dem Spinnenseil hängen. Mit jedem Kilogramm mehr dehnt es sich deutlich aus. Und schon bei 50 Kilogramm ist das Seil so dünn, dass man ihm kaum zutraut, noch mehr Gewicht halten zu können. Aber dann hallt Isabels Stimme durch das Stadionbad: "Ich bin aus dem Wasser." Mit Seilkonstruktion und Isabel im nassen Neoprenanzug hält der Faden 70,4 Kilogramm. Damit ist die Frage von Arnold Streit beantwortet – und der Faden hat seine Stärke im Praxistest bewiesen. Schon jetzt steht fest: Kein anderes Material ist gleichzeitig so stabil, leicht und dünn!
Aber das Team will mehr. Schließlich war die Fadenstärke für Burkhardts Gewicht ausgerechnet. Ob das Spinnenseidenseil tatsächlich auch Schwergewicht Burkhardt tragen kann und bei welcher Belastung er schließlich reißt, sehen Sie im Film!

Schusssichere Weste aus Spinnenseide

Bild: Eine australische Seidenspinne; Rechte: WDR-Fernsehen 2012

Wann wird es den Forscher gelingen, die einzigartigen Eigenschaften von Spinnenseide nutzbar zu machen?

Weltweit versuchen Forscher die einzigartigen Eigenschaften von Spinnenseide – leicht, dehnbar und extrem stabil – auch für den Menschen nutzbar zu machen. Die theoretischen Anwendungen reichen von "Nähgarn" für die Mikrochirurgie bis hin zu superleichten schusssicheren Westen aus Spinnenseide. Die Sache hat allerdings einen Haken: Die industrielle Gewinnung der Seide funktioniert nicht, weil die Haltung von Spinnen sehr kompliziert und aufwendig ist: Spinnen sind Kannibalen und können daher nicht zu mehreren auf engem Raum gehalten werden. Auch die Spinnen-Melk-Maschine der Oxforder wird daran nichts ändern. Sie lieferte zwar genug Seide für das Kopfball-Experiment, aber für einen industriellen Einsatz reicht das noch lange nicht.

Text Dirk Gilson

Film VisualBridges: Dirk Gilson und Wolfgang Meschede mit Burkhardt Weiß und Isabel Hecker

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Deine Meinung

Kommentare

Einträge: 9

ralle
schrieb am 07.03.2012, 11:07 Uhr
Also ich habe tierische Angst vor Spinnen. Das Spinnenseide das stabilste Material ist, ist ja schon etliche Jahre bekannt. Wenn man bedenkt wieviele der widerlichen Krabbler auf dem Planeten sind und wie schnell diese sich vermehren, finde ich es nicht schlimm wenn man solche Experimente macht. Ich hoffe nur dass diejenigen hier unter den Nörglern sich auch die gleichen Gedanken machen wenn sie im Supermarkt einkaufen oder bei MC Donalds essen gehen. Ich hoffe das die Forschung in der Richtung weiter geht und wir die Synthetik abschaffen dadurch. Man bedenke alleine die Umweltverschmutzung der Herstellung von Syntetischen Stoffen. Ich denke auch mal, selbst wenn man sowas in Massen herstellen würde, wäre ein Aussterben der Spinnen niemals gegeben!!!! Für mich ein Absolutes Plus für diese Forschung und ich hoffe es wird in diesem Bereich mehr geforscht.

Christian
schrieb am 28.01.2012, 21:39 Uhr
Echt interessant, wie meistens : ) Ihr habt aber nicht gemessen, wie viel der Seidenstrang gewogen hat, oder? Das wäre auch sehr interessant gewesen! Viele Grüße, Chistian

Hallo
schrieb am 08.01.2012, 02:21 Uhr
Ehm, aber sonst gehts noch oder? Könnt ihr die Spinnen nicht in Ruhe lassen?? Hat schon was perverses? Was soll das bringen? Mit guter Technologie kann man viel bessere Stoffe synthetisieren.

Kopball
schrieb am 04.01.2012, 19:27 Uhr
Hallo liebe Zuschauer, Wiederholungen sind ja nicht untypisch im Fernsehen. Kopfball wählt in der Regel die Sendungen oder Beiträge aus, die besonders gut beim Zuschauer angekommen sind. Die meisten Zuschauer (anders als Willibald und Sven, danke für die Treue) schauen Kopfball nicht regelmäßig und dadurch haben die dann auch die Gelegenheit, besonders schöne Stücke zu sehen. Die Wiederholungsrate bei Kopfball liegt unter 10%. Und für 2012 bereiten wir derzeit wieder viele neue spannende Fragen auf.

willibald
schrieb am 04.01.2012, 19:27 Uhr
Doch, es ist auch noch anderen aufgefallen, dass es sich um eine Wiederholung handelte. Kopfball besteht inzwischen leider recht häufig nur noch aus zusammengeschnittenen Konserven...

Rolf
schrieb am 04.01.2012, 14:38 Uhr
Stimmt, der Film ist ne Wiederholung, kleiner Hinweis wäre gut gewesen. Aber spektakulär ist es trotzdem - ich habs mir gerne noch mal angeschaut!

Sven
schrieb am 04.01.2012, 11:26 Uhr
Fällt denn eigentlich niemand außer mir auf, dass trotz der vollmundigen Behauptung "Nie zuvor hing ein Mensch an einem Faden aus Spinnenseide." etc. *exakt der gleiche Beitrag* bei Kopfball schon einmal am 12.12.2010 lief? Im Text wurden nur winzige Kleinigkeiten geändert, ein Hinweis, dass dies nur eine Wiederholung ist und dieser Weltrekord schon seit über einem Jahr besteht, findet sich nirgends!

Paul
schrieb am 02.01.2012, 10:51 Uhr
Wenn ich es richtig verstehe, dann kommt dabei keine Spinne zu schaden. M. E. trägt das Experiment vielmehr dazu bei, Spinnenhassern zu zeigen, zu welchen faszinierenden Höchstleistungen die gruseligen und scheinbar unnützen Krabbeltiere fähig sind. Ich find's extrem beeindruckend - und mein Repekt gegenüber Spinnen ist deutlich gestiegen!.

Spinnefeind
schrieb am 01.01.2012, 11:20 Uhr
Also, ich finde Spinnen an sich gruselig, aber Spinnen festzubinden und im Kreis zu drehen, damit man ihnen 3 Wochen lang ihren Faden "melken" kann, finde ich irgendwie auch nicht gut!



Kopfball - weitere Informationen zur Sendung

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    Sendung vom:

    Fernseher-Icon So, 01.01.2012
    11:00 Uhr - 11:30 Uhr
    im Ersten

    • Kann ein Faden aus Spinnenseide einen Menschen tragen?
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    null; Rechte: WDR Fernsehen 2012

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  • Kopfball Street Science

    Kopfball-Reporter Burkhardt Weiß war unterwegs und hat die
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