Sendung vom 05. Februar 2012
Felix Buchdrucker fragt:
Tauben bevölkern städtische Fußgängerzonen und öffentliche Plätze und sind dort auf der Jagd nach liegengebliebenen Essensresten. Wenn sie nicht gerade picken, fallen sie durch eine sonderbare Körperbewegung auf: Tauben nicken während des Laufens ständig mit ihrem Kopf. Aber warum?
Kopfball-Reporterin Ulrike Brandt-Bohne hört sich auf der Straße um. Die meisten Passanten glauben, dass Tauben durch das Kopfnicken ihr Gleichgewicht beim Laufen besser halten können. Hält man aber eine Taube in der Hand und geht mit ihr einige Schritte, dann nickt sie ebenfalls unentwegt mit ihrem Kopf. Und das, obwohl sie durch die Hände im Gleichgewicht gehalten wird. Mit einem überraschenden Experiment überprüft Ulrike das mit einer Forschungstaube bei den Biopsychologen der Ruhr-Universität Bochum. Im Film sehen Sie, was dabei passiert.
In Wahrheit handelt es sich bei der sonderbaren Kopfbewegung gar nicht um ein Nicken. Denn dann müsste sich der Kopf der Tauben ständig vor- und zurückbewegen. Dass das nicht der Fall ist, sieht Ulrike, als sie eine Taube mit einer Zeitlupenkamera aufnimmt: Man sieht deutlich, dass der Kopf nach vorne schnellt, um dann zu verharren, während die Taube den Rest ihres Körpers nachzieht. Der Eindruck, dass sich der Kopf der Taube auch zurückbewegt, wird von unserem Gehirn konstruiert; es ist eine optische Täuschung.
Die seitlich am Kopf gelegenen Augen bieten der Taube zwar einen enormen Blickwinkel von 300 Grad. Sie sind aber relativ unbeweglich und können bewegten Objekten in der Umgebung nicht gut folgen: Das Bild auf der Netzhaut des Tauben-Auges wäre daher ständig unscharf. Deshalb behilft sich die Taube mit einem Trick: Bewegt sie während des Laufens ihren Kopf nach vorne, sieht sie zwar in diesem Moment alles verschwommen. Aber beim Verharren des Kopfes danach, entsteht ein scharfes Bild auf der Netzhaut. So kann die Taube Fressfeinde und Nahrung deutlich erkennen – zumindest solange, bis sie den Kopf wieder nach vorne reckt und erneut einen kurzen Moment unscharf sieht. Wie deutlich der Effekt ist, zeigt Ulrike im Film – mit einer Kamera auf ihrem Kopf simuliert sie die sonderbaren Kopfbewegungen der Tauben beim Laufen.
Müssten Tauben dann nicht auch beim Fliegen ständig nicken? Das sei kein Problem, sagt der Biopsychologie Onur Güntürkün: Die Distanz zu den Gegenständen ist beim Fliegen sehr weit, so dass sie sich für den Betrachter nur sehr langsam bewegen. Diesen Effekt kennt man vom Zugfahren: Aus dem Zug schauend erscheinen Sträucher nahe am Gleis sehr schnell, ein Haus im Ort, an dem wir vorbeifahren, aber langsam.
Doch nicht jeder Vogel nickt: Enten, Schwänen und Gänse machen es nicht – und auch Greifvögel bleiben ruhig. Daher sind nicht alle Biologen der Meinung, dass das Nicken unbedingt mit besserem Sehen einhergeht.
Film Sebastian Rams mit Ulrike Brandt-Bohne
Ernst Oellers
schrieb am 09.02.2012, 12:38 Uhr
Ich habe die Vermutung, dass das "Nicken" der Tauben mit dem räumlichen Sehen zu tun hat. Die Augen der Tauben sind seitlich am Kopf so angeordnet, dass sie eine Rundumsicht haben, aber die Möglichkeit, die Umgebung dreidimensional zu sehen, besteht nicht. Durch das Nicken könnte das dadurch ausgeglichen werden, dass die Bilder vor und nach dem Nickvorgang verglichen und ausgewertet werden. Bei uns Menschen funktioniert das auch, wie man z.B. bei Wikipedia unter dem Stichwort Stereoskopie an dem Wackelbild mit den Mädchen im Garten sehen kann. Die Erklärung mit der Bewegungsunschärfe halte ich für abwegig. Wer einmal Tauben in einer Bahnhofshalle beobachtet hat, wird zustimmen.
Brigitte Stucken
schrieb am 08.02.2012, 18:36 Uhr
Tauben nicken tatsächlich beim Gehen mit dem Kopf - beim Fliegen jedoch nicht. Wie können sie dann aber zielgenau im Gewirr von Zweigen im Baum landen?
Vor Jahren habe ich mal ein Buch von H.v.Ditfurth gelesen mit dem Titel "Der Geist fiel nicht vom Himmel". Dort wird erklärt, dass der Sehvorgang sehr komplex ist und nicht nur wie eine Kamera funktioniert...
Vögel machen ruckartige Bewegungen mit dem Kopf, weil ihr "Sehapparat" Bewegungen zum Gehirn weiterleitet; beim "Starren" ermüden die Sehzellen sehr schnell und die Sehnerven leiten deshalb kein Bild zum Gehirn weiter - es sei denn, die Umgebung bewegt sich. Grund: Vermeidung von Reizüberflutung!
Somit sieht das Vogelauge beim Fliegen m. E. sehr gut.
Habe ich da etwas falsch verstanden?Ist diese Erklärung mittlerweile nicht mehr gültig, weil die Wissenschaft neue Erkenntnisse gewonnen hat??
Vielleicht kann das Kopfballteam auch dieses Problem anschaulich erklären.
fliegende Tauben
schrieb am 05.02.2012, 11:50 Uhr
Wenn das soo wichtig ist, nicken dann Tauben auch beim Fliegen? Das wäre ja sehr anstrengend und vor allem blitzschnell zu veranstalten für das Tier...^^
Diese Frage fehlte an Professor Onur.
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