Kopfball
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Sendung vom 09. Dezember 2012

André Johann fragt: Wertung: 3.5 von 5 möglichen Sternen

Ist es für die Feuerwehr gefährlich, ein brennendes Haus mit Photovoltaik-Anlage zu löschen?

Solarzellen produzieren Strom. Doch was im Alltag nützlich ist, kann im Brandfall gefährlich werden. Das Problem: Die Photovoltaik-Module lassen sich nicht einfach abschalten. Beschädigt ein Feuer die schützende Isolierung der Kabel, droht bei Kontakt ein tödlicher Stromschlag.

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1000 Volt und kein Schalter

Solange es hell ist, produziert eine Photovoltaik-Anlage Strom. Von den Modulen fließt er durch die Kabel auf dem Dach bis zum Wechselrichter, der oft im Keller untergebracht ist. Hier wird der Gleichstrom der Photovoltaik-Anlage in netzverträglichen Wechselstrom umwandelt – und erst ab hier lässt sich der Strom im Notfall auch abschalten. Die Anlage auf dem Dach und die Kabel zum Wechselrichter führen dann aber weiterhin Strom – mit einer Spannung von bis zu 1000 Volt. Bei Kontakt drohen Verbrennungen, Muskelkrämpfe, Herzkammerflimmern und im schlimmsten Fall der Tod. Normalerweise sind die Kabel und Module gut nach außen isoliert. Bei einem Brand kann sich das aber ändern. Besonders für die Feuerwehr gilt hier äußerste Vorsicht! Denn nicht nur ein direkter Kontakt kann tödlich enden – der Strom kann sich theoretisch auch über das Löschwasser auf den Menschen übertragen. Wie gut gewöhnliches Leitungswasser Strom auch über mehrere Meter leiten kann, sehen Sie im Film.

Löschen aus sicherem Abstand

Zum Glück sind die Feuerwehrfrauen und -männer für den Umgang mit elektrischem Strom gewappnet: Neben isolierender Schutzkleidung helfen festgeschriebene Abstandsregeln beim Löschen von elektrischen Anlagen. Der Strom kann einen Wasserstrahl nämlich nur wenige Meter "hochklettern" und schwächt dabei immer mehr ab. Hintergrund: Der Löschstrahl besteht aus vielen einzelnen Wassertropfen, die untereinander keinen Kontakt haben – wie das aussieht, zeigt der Film.
Selbst bei einem vollen Strahl reichen daher fünf Meter Abstand zu einer brennenden Photovoltaik-Anlage, damit kein lebensgefährlicher Strom über den Strahl fließen kann. Beim sogenannten Sprühstrahl sind die Wassertröpfchen noch stärker verteilt. Löscht der Brandbekämpfer hiermit, kann er sich der Anlage sogar auf einen Meter nähern, ohne sich zu gefährden.

Vorbeugen hilft der Feuerwehr

Wer also Solarstrom-Module auf dem Dach hat, muss keine Angst haben, dass die Feuerwehr deswegen bei einem Brand nicht eingreift. Oft haben die Rettungskräfte sowieso keine Gelegenheit, ein Haus vor dem Löscheinsatz stromlos zu schalten. Die Gefahr durch elektrischen Strom ist für die Feuerwehr also allgegenwärtig. Trotzdem gibt es einige sinnvolle vorbeugende Maßnahmen, die der Feuerwehr im Ernstfall nützen können. Oft hilft schon ein gut sichtbar angebrachter Hinweis auf eine vorhandene Photovoltaik-Anlage am Hauseingang – besonders bei Anlagen, die vom Boden aus nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Bei größeren Anlagen kann zudem ein Notschalter direkt hinter den Modulen eingebaut werden, der zumindest die Gleichstrom-Leitungen zum Wechselrichter spannungsfrei schalten kann. In den meisten Fällen reicht es aber schon, die Kabel der Anlage möglichst nicht versteckt im Haus, sondern außen an der Fassade entlangzuführen.

Film Max Ostendorf mit Adrian Pflug

Deine Meinung

Kommentare

Einträge: 2

krueuw
schrieb am 14.05.2013, 12:29 Uhr
Ich kann es mir nicht verkneifen: Für Redakteure sind elektrischer Strom und elektrische Spannung immer wieder das Gleiche. Es wäre ein Beitrag zur Bildung wenn dieser Unfug überwunden werden könnte. Also: Spannung in Volt liegt an und Strom mit einer Stromstärke in A fließt! Gefährlich ist ab einer gewissen Grenze nur der durch den Menschen fließende Strom - dies erfordert aber auch eine bestimmte Spannungshöhe. :-)

Großmann
schrieb am 19.12.2012, 10:51 Uhr
Endlich mal ein sachkundiger Beitrag zu dem Thema!



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