Sendung vom 20. Januar 2013
Maurice Bosman aus Born in den Niederlanden fragt:
Wenn man im Winter auf einem See ins Eis einbricht, heißt die wichtigste Überlebensstrategie: keine Panik! Doch das ist einfacher gesagt als getan. Für Kopfball-Reporter Adrian Pflug war diese Zuschauerfrage eine echte Herausforderung. Er ging dafür bis an seine Grenzen! Denn ein Einbruch ins Eis ist immer lebensgefährlich. Doch mit "kühlem Kopf" und richtigem Verhalten hat man gute Chancen, sich zu retten oder gerettet zu werden. Wichtigster Punkt: Man sollte nie allein auf einem See Schlittschuh laufen oder auf eine Eisfläche gehen! Die Dicke des Eises kann an verschiedenen Stellen des Sees unterschiedlich sein: Strömungen oder ein warmer Zufluss lassen die Eisdicke stark variieren. Ist sie geringer als zehn Zentimeter, darf man sie auf keinen Fall betreten!
Wenn es doch mal passieren sollte, besteht unmittelbare
Lebensgefahr. Denn direkt unterhalb des Eises liegt die
Wassertemperatur nur knapp über dem Gefrierpunkt. Die
Atemfrequenz nimmt enorm zu. Innerhalb weniger Minuten wird die
Blutversorgung der Extremitäten eingestellt, die Hände
werden taub und unbeweglich. Da heißt es: keine Panik! Jetzt
hat die höchsten Überlebens-Chancen derjenige, der sich
voll konzentriert und die richtige Rettungs-Technik anwendet!
Adrian probiert die Tipps der Rettungsexperten aus: Er versucht,
mit einem kräftigen Zug auf die Eisschicht aufzuschwimmen. Und
zwar in der Richtung, aus der er gekommen ist: Denn bis eben hat
ihn das Eis dort ja noch getragen. Doch der Eisrand bricht immer
wieder ab. Da er nicht weit vom Ufer entfernt ist, probiert er eine
zweite Methode. Er ist sein eigener Eisbrecher! Mit den Ellbogen
durchbricht er nach und nach die Eisfläche vor ihm, um sich so
einen Weg ans Ufer zu bahnen.
Ist das Loch recht klein, empfehlen die Experten, den
Oberkörper auf das Eis zu bewegen und dann hinten die
Füße auf die andere Seite des Lochs zu legen: So kann
man sich aus dem Wasser herausdrücken und dann aus dem
Gefahrenbereich wegrollen. Und weil auf diese Weise das Gewicht auf
eine größere Fläche verteilt ist, ist die
Wahrscheinlichkeit groß ist, dass das Eis nicht erneut
bricht.
Es gibt eine vierte Möglichkeit: Wer gut vorsorgt, hat zwei
handliche Eisnägel mit Holz- oder Plastikgriffen dabei. Mit
ihnen findet man auf dem glatten Eis guten Halt und kann sich
zurück auf die Eisfläche ziehen.
Adrians Versuche werden von Rettungstauchern der Freiwilligen Feuerwehr Bad Reichenhall überwacht. Solche Spezialisten sollten, wenn man einen Eiseinbruch beobachtet, als erstes gerufen werden. Als nächstes kann man der eingebrochenen Person einen Rettungsring oder Rettungsball mit langer Leine zuwerfen! Es kann aber auch eine Leiter, ein Brett oder eine breite Stange sein, die man an den Verunglückten heranbringt. Auf keinen Fall sollte man als Helfer direkt an den Eisrand gehen. Sind mehrere Retter an der Unfallstelle, kann der erste mit einer Leine gesichert werden, sich so dem Unfallopfer nähern und ihn aufs Eis ziehen.
Film Buckle Up Productions: Christoph Fleischer und Dirk Gion mit Adrian Pflug
Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.
© WDR 2013
Seite teilen