Hauptnavigation

Samstag, 26.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von markt
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

markt

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Information > markt > Sendung vom 30. Mai 2011 > Internet: Spielboom


Internet: Spielboom

  • SendeterminMontag, 30. Mai 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Spiele im Internet erleben derzeit einen echten Boom. Jeder kann sie überall spielen. Der Zugang ist einfach und kostenlos. Doch Suchtexperten warnen vor den Gefahren exzessiven Spielens. So kann es etwa die Spieler eine Menge Geld kosten.

Am Tag fährt Dirk Hendorf Gabelstapler, in der Nacht befehligte er auf dem virtuellen Schlachtfeld in einem sogenannten Browsergame eine ganze Truppe. Oft hat er 18 Stunden durchgehend gespielt und dabei viel Geld ausgegeben: 5.000 Euro insgesamt.

Browsergames sind Spiele, die man sofort spielen kann: anmelden und los. Man benötigt keine Software und keine Spielkonsole. Wer will, kann das Spiel kostenlos spielen. Aber Dirk Hendorf machte das keinen Spaß. Er kaufte „Rohstoffe“ ein, um seinen Militärstützpunkt aufzubauen und dann so schnell wie möglich angreifen zu können. Für Beträge von 1,99 Euro bis 99 Euro können sich die Spieler eindecken und ihre Figuren ausstatten.

Dirk Hendorf ist jetzt in einer Therapie. Die Diagnose: „pathologischer Internetgebrauch“ - Onlinesucht. In der Fachklinik Münchwies im Saarland gibt es keine Computer. Hier sind Menschen, die süchtig sind nach Internetspielen. Die Browsergames, sagt Holger Feindel, Arzt für Psychosomatik, bergen ein sehr großes Gefährdungspotenzial. Mittlerweile ist jeder Zweite, der wegen Onlinesucht in der Fachklinik eine Therapie beginnt, ein Browsergame-Spieler.

Das Angebot der Browsergames wächst täglich. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Es sind nicht mehr allein die Ballerspiele für Jungs. Es gibt Bauernhofspiele für Hobbygärtner, Fantasyspiele oder sogar Spiele, in denen sich kleine Mädchen um ihr Pony kümmern können. Keine Zielgruppe wird ausgelassen. Der Boom der Browsergames ist messbar: Die Umsätze in Deutschland stiegen von 53 Millionen Euro im Jahr 2009 auf 73 Millionen Euro in 2010. Das ist ein Umsatzplus von 38 Prozent.

„Gute Zwangsschleife“

Regine Pfeiffer und Daniel Klinkhammer vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen beobachten die Entwicklung kritisch. Sie arbeiten derzeit an einer Studie über Browsergames. Regine Pfeiffer beobachtet eine eigene Dynamik: Erst macht es den Spielern Spaß, dann kommen sie in eine Phase von „Pech“, so das Ergebnis ihrer Studie. Dann kaufen Spieler „virtuelle Items“, also Fähigkeiten, die das Pech ihrer Figuren minimieren oder deren Stärke erhöhen. Und wenn dann die Spieler Geld ausgegeben haben, so die Wissenschaftlerin, dann soll es sich auch lohnen und sie investieren wieder.

Ist es Zufall, dass immer häufiger Spieler nicht vom Spielen lassen können? Oder gibt es eine Strategie, die Spieler bewusst animiert, immer mehr Geld auszugeben? Regine Pfeiffer ist bei ihrer Recherche auf ein Interview mit dem amerikanischen Brancheninvestor Tim Chang gestoßen. Er sagte 2009 im Rahmen einer Konferenz für virtuelle Güter: „Man muss erreichen, dass sie (die Spieler, d. R.) genervt sind, weil es so lange dauert, bis sie was erreichen. Das provoziert Impulskäufe von Gütern, die helfen, Zeit zu sparen. Das ist der Kern einer guten Zwangsschleife.“

Mittlerweile zahlen laut Bundesverband der digitalen Wirtschaft 36 Prozent der Spieler von Browsergames. Monatlich geben sie im Schnitt 28 Euro aus. Einer der nach eigenen Angaben weltweit größten Anbieter von Browsergames ist das deutsche Unternehmen Bigpoint. Die Firma gibt an, dass nur etwa zehn Prozent der eigenen Spieler zahlen. Auf unsere Frage, welches Ziel Bigpoint mit seinen Spielen verfolge, antwortet das Unternehmen: „Wie jedes freie wirtschaftliche Unternehmen will Bigpoint Gewinn machen und seinen Gewinn vermehren. Dieses Ziel wollen wir aber auf keinen Fall erreichen, indem wir Nutzer in die Abhängigkeit treiben.“ Außerdem arbeite Bigpoint mit psychologisch geschultem Personal zusammen, um in Fällen von exzessivem Spiel einzugreifen.

Dirk Hendorf wird noch einige Wochen in der Klinik bleiben. Das Ziel der Therapie ist es, seine Figur im Spiel zu löschen. Ob er es schafft, weiß er noch nicht. Zu sehr hat das Spiel sein Leben in den vergangenen Jahren bestimmt. Davon loszukommen ist ein langer Weg.

Autorin:

Ingrid Bertram

Stand: 30.05.2011


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.