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Tiefkühlpackungen: Zu wenig drin

  • SendeterminMontag, 25. Juli 2011, 21.00 - 21.45 Uhr .

Ein Kilo Himbeeren? Von wegen! Ist das Eis bei Tiefkühlprodukten geschmolzen, bleibt oft weniger, als das „Abtropfgewicht“ verspricht. Für eine Familie kann das einige Hundert Euro im Jahr ausmachen.

Wie oft ist der Verbraucher der Dumme? Wir kauften 68 Produkte ein und ließen sie im Kölner Eichamt untersuchen. Das Ergebnis: In 43 Prozent der Packungen war weniger drin als angegeben. Friedhelm Braun vom Eichamt Köln ist überrascht: „Also das hätte ich von meiner Seite nicht erwartet.“ Er misst für uns das sogenannte Abtropfgewicht, also das, was übrig bleibt, wenn die Flüssigkeit abgelaufen ist.

In einer Dose mit Pilzen sind nicht 170 Gramm, sondern nur 159 Gramm. Friedhelm Braun zählt 17 Pilze und fragt: „Wo ist der 18.?“ Umgerechnet neun Cent kostet der fehlende Pilz. Für Pfirsiche haben wir acht Cent zu viel bezahlt, für ein Glas Zwiebeln drei Cent zu viel. Eine Dose Tomaten von Penny enthält statt 240 Gramm nur 210 Gramm. Mit so einer Abweichung darf die Dose nicht verkauft werden. Die Penny-Pressestelle spricht von einem „Einzelfall“ und schreibt: „Trotz modernster Technik ist es (…) nicht möglich, das angegebene Abtropfgewicht bei jeder einzelnen Dose oder jedem einzelnen Glas zu einhundert Prozent einzuhalten.“

Wasser statt Ware

Laut Vorschrift sei das in Ordnung, solange es im Durchschnitt passt, schreiben die Hersteller. Das stimmt. Aber stimmt es auch, wie manche Hersteller behaupten, dass manche Gläser aus technischen Gründen mit weniger Inhalt gefüllt werden? Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf mag das nicht glauben: „Wir haben derzeit so moderne Abfüllanlagen, dass es technisch überhaupt kein Problem ist, präzise abzufüllen. Wir denken, dass es ein Vorwand der Hersteller beziehungsweise Abfüller ist.“

Bei unserem nächsten Versuch geht es um Tiefkühlprodukte. Friedhelm Braun befreit Garnelen vorsichtig von ihrer Eisschicht. Nur sie werden gewogen. In einer Packung fehlen 14 Gramm. Das macht 18 Cent aus. In einer Lidl-Packung fehlen sogar 20 Gramm. Dafür wurden 25 Cent zu viel gezahlt. Das Eichamt schätzt, dass eine Familie im Jahr so rund 150 Euro für Wasser und Luft bezahlt.

Detlev Hoffmann, Eichdirektor beim Landeseichamt Nordrhein-Westfalen, erschrecken die vielen Abweichungen. Seine Erklärung: „In den vergangenen Jahren ist mehr und mehr Personal abgebaut worden, wie überall in der öffentlichen Verwaltung auch in der Eichverwaltung. Und die Aufgaben sind nicht weniger geworden. Dementsprechend können wir Dinge, die wir eigentlich tun müssten, nicht mehr alle schaffen.“

Eichämter haben aber einen gesetzlichen Auftrag. Sie müssen regelmäßig bei den Herstellern kontrollieren. Doch die Zahl der Kontrollen in Nordrhein-Westfalen ist nach Ansicht von Isabelle Mühleisen von der Verbraucherzentrale zu gering: „Im bundesweiten Vergleich ist Nordrhein-Westfalen unter den Schlusslichtern.“

Zuständig für die Kontrollen der Eichämter ist das Wirtschaftsministerium. Rüdiger Blase, Referatsleiter für Mess- und Eichwesen im Ministerium, antwortet auf unsere Frage, ob im Land genug überwacht wird: „Da gibt es eine ganz klare Antwort: Nein!“ Aber daran soll sich etwas ändern: „Wir streben an - ich denke mal über das nächste Jahr hinweg - circa 30 Personen in den Bereich der Eichverwaltung einzustellen. Und mit einer solchen Anzahl von Personen sollten wir in der Lage sein, unsere Aufgaben auch wieder umfänglich erfüllen zu können.“ Bis dahin muss der Verbraucher den Angaben der Hersteller wohl einfach vertrauen.

Autor:

Michael Lang

Stand: 25.07.2011


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