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Sendung vom 25. Juli 2011
Autowerkstatt: Unnötige Reparaturen
Ob Ölwechsel, Bremsscheibentausch oder Urlaubs-Check - mit Superpreisen werden die Kunden in die Werkstatt gelockt, doch dann sollen plötzlich noch ganz andere Dinge kaputt sein, die repariert werden müssen.
Eigentlich wollte Oliver S. nur einen neuen Zahnriemen für
seinen sechs Jahre alten Golf. Die Offerte im Internet klang
verlockend: 20 Prozent Rabatt auf Teile und Reparatur, halb so
teuer wie in der Vertragswerkstatt. Doch dann entdeckte die
Werkstatt angeblich einen weiteren Mangel:
Vibrationsgeräusche, das Massenschwungrad sei defekt. Weil es
ein elementarer Bestandteil der Kupplung sei, könne man das
nicht einzeln austauschen. Es müsse die komplette Kupplung
getauscht werden. Das könne 2.000 bis 2.500 Euro kosten.
Oliver S. ließ die Reparatur nicht machen. Er brachte den
Golf zu VW und
hoffte, dass die Vertragswerkstatt den Kupplungstausch auf Kulanz
erledigt. Kurze Zeit später erhielt er einen Anruf: Die
Kupplung würde fehlerfrei funktionieren und man könne
keinen Defekt finden. Hatte sich die freie Werkstatt nur geirrt?
Oliver S. ist überzeugt, dass ihm eine Reparatur angedreht
werden sollte, die gar nicht nötig war. Kein Einzelfall, wie
der Blick in einschlägige Internetforen vermuten lässt.
Verärgerte Autobesitzer klagen in Scharen, sie seien von
Werkstätten, allen voran den größeren Ketten,
über den Tisch gezogen worden. Viele Reparaturen seien
überflüssig und reine Geldmacherei.
Wir wollen das mit einem Testwagen, einem 14 Jahre alten Polo,
überprüfen. Beim ADAC in
Köln wird das Fahrzeug auf Herz und Nieren gecheckt. Für
sein Alter befindet es sich in einem guten Zustand, das gilt auch
für die Verschleißteile wie Bremsen oder
Stoßdämpfer: „Diese Teile sind im Moment absolut
in Ordnung“, sagt Jürgen Schell vom ADAC. Der
Schalldämpfer zeige etwas stärkere Korrosion, sei aber
noch dicht und stelle kein Sicherheitsrisiko dar. Mit dem
könne man also noch weiter fahren.
Wir fahren mit unserem Testfahrzeug zu freien Werkstätten und
geben einen Urlaubs-Check in Auftrag. Die Betriebe sollen
prüfen, ob alles in Ordnung ist. Bei einer Werkstatt wird uns
bereits bei der Annahme ein Zahnriementausch empfohlen, noch bevor
ein Mechaniker das Fahrzeug überhaupt gesehen hat. Laut
Hersteller sei das nach 90.000 Kilometern und dann alle 30.000
Kilometer nötig, egal ob er gut aussieht oder nicht, behauptet
die Werkstatt. Von VW erfahren wir jedoch: Für den
Polo sind Wechselintervalle nicht vorgeschrieben. Und auch im
Reparaturhandbuch steht, dass der Zahnriemen alle 30.000 Kilometer
geprüft, aber nicht getauscht werden muss. Wer das nicht
weiß, zahlt schnell unnötigerweise 500 Euro.
In einer anderen Werkstatt schaut der Mechaniker besonders auf
die Bremsen unseres Testfahrzeugs. Die Bremsscheiben seien vorne so
schlecht, dass wir damit nicht weiterfahren sollten. Erstaunlich,
denn auf dem Prüfstand des ADAC war die
Bremse des Polo nicht negativ aufgefallen. Jürgen Schell vom
ADAC hält einen Austausch nicht für nötig, obwohl
die Bremse ihrem Alter gemäß die ersten
Verschleißspuren zeigt. Die Verkehrssicherheit ist aber
gewährleistet und die Bremsleistung ist auch absolut in
Ordnung. Bremsscheiben und Beläge können durchaus noch
bis zur nächsten Inspektion oder bis zum nächsten
TÜV
drauf bleiben.
Probleme mit den Bremsen hatte auch Stefanie B. Weil ihr Auto
Geräusche machte, brachte sie ihren Opel Corsa in eine freie
Werkstatt: „Der Kollege da am Telefon teilte mir dann mit,
dass ich bei dem Auto vorne die Achsen machen lassen müsste
und die beiden Bremsen hinten. Hinten sei etwas herausgebrochen und
vorne alles verschlissen. Außerdem sei der Bremsschlauch
defekt und ein Bremszylinder arbeite nicht.“ 1.100 Euro
sollte die Reparatur kosten - für den alten Corsa fast ein
wirtschaftlicher Totalschaden. Stefanie B. sah das nicht ein. In
einer anderen Werkstatt war die komplette Bremsanlage ihres Corsa
erst neun Monate zuvor erneuert worden. Dorthin brachte sie das
Auto erneut. Doch der Meister fand keine Defekte.
Auspuff, Bremsen, Stoßdämpfer - vor allem wenn es um
die Sicherheit geht, lassen sich Autobesitzer schnell mal auch
unnötige Reparaturen aufdrängen. Schwarze Schafe der
Branche machen mit der Methode gute Geschäfte. Das gilt
für freie Betriebe genauso wie für
Vertragswerkstätten. Um unnötige Kosten zu vermeiden,
sollte man einen Reparaturauftrag immer nur schriftlich vereinbaren
und den Reparaturumfang exakt beschreiben. Pauschalaufträge
sind häufig ein Freibrief für den sinnlosen Teiletausch.
Und für größere und teure Reparaturen gilt: Auf
keinen Fall blind zustimmen! Jürgen Schell vom ADAC rät
im Zweifel zu einer zweiten Meinung von einer Prüforganisation
oder einem Gutachter. Das kostet meist um die 80 Euro, aber im
Zweifelsfall lohnt sich das.
Oliver S. hatte den angeblichen Kupplungsschaden zum Glück in
einer Vertragswerkstatt kontrollieren lassen. Dort war die Ursache
des vermeintlichen Geräusches schnell gefunden. Der
Plastikdeckel einer Ölflasche war hinter den Luftfilter
gefallen. Das hätte ihn fast 2.500 Euro gekostet.
Stand: 25.07.2011
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