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Sendung vom 01. August 2011
Der IKEA-Check
Der „IKEA-Check“ ist der Start zu einer vierteiligen Staffel, in der das WDR Fernsehen an vier aufeinanderfolgenden Montagen populäre Konsummarken auf den Prüfstand stellt.
Familie Neiss hat zwei Kinder, eine IKEA-Küche, Regale von
IKEA und einen IKEA-Schlafzimmerschrank. Nebenan wohnt Musiker
Björn. Björn ist Individualist - und kauft bei IKEA. Bei
Studentin May Lin ist alles von IKEA.
Bei IKEA kaufen alle: Familien, Alleinstehende, Individualisten,
Angepasste, Junge, Alte. Wie macht IKEA das? IKEA-Pressesprecherin
Sabine Nold erklärt: „Wir gucken uns zum Beispiel
konkret an, wie Menschen leben. Das heißt, wir besuchen sie
zu Hause und entwickeln danach Produkte.“
4.00 Uhr morgens: Anlieferung in Köln-Ossendorf. Der Lkw ist voll mit dem
Bestsellerschrank „Pax“. Es gibt keine Anlieferung
während der Verkaufszeit. Die Regale sind immer voll. IKEA ist
gut organisiert.
Um 9.30 Uhr öffnet IKEA - aber nicht der Laden, sondern das
Restaurant. Viele kommen auch, wenn sie gar keine Möbel
brauchen. Zwei IKEA-Prinzipien gibt es gleich zum
Frühstück: Alles scheint billig und alle sollen sich
wohlfühlen.
10.00 Uhr: An einem durchschnittlichen Wochentag macht eine
IKEA-Filiale einen Umsatz von 220.000 Euro. An Spitzentagen ist es
mehr als doppelt so viel. Eine gute Stunde später sind die
ersten Kunden durch. Wir fragen einige von ihnen: „Wie viel
ist denn da jetzt zusammengekommen?“ „355 Euro.“
„Wollten Sie das alles haben?“ „70 Prozent davon.
So Kleinigkeiten nimmt man immer mit.“ Dazu sagt Sabine Nold:
„Es gehört auch ein bisschen zum Einkaufserlebnis bei
IKEA, dass ich einen konkreten Bedarf habe, einen Einkaufszettel
habe, aber mich auch gerne inspirieren lassen
möchte.“
Inspiration? Leider bekommt man die nicht immer umsonst. Was genau
macht IKEA eigentlich da mit uns? Unser erster Check also:
Wir beobachten das Studentenpaar Sally und Tim sowie Mutter und
Tochter Sesterhenn beim Einkaufen. Eine Minikamera zeigt uns ihre
Perspektive. Die Bilder zeigen wir anschließend Verkaufs- und
Marketingprofi Linda Reichelt. Sie war über zehn Jahre Chefin
einer IKEA-Filiale und meint auch heute noch, dass man von IKEA
eine Menge lernen kann: „IKEA macht etwas, was andere in der
Perfektion nicht machen.“
Wir wollen herausfinden, was das ist. Mutter und Tochter Sesterhenn
wollen Gartenmöbel kaufen. Doch zunächst weckt ein Sofa
ihr Interesse: „Ist es nicht schön? Da guck mal, wie
machen die das? Preis gesenkt.“ Das Sofa steht dort nicht
zufällig, wie Linda Reichelt bemerkt: „Also diese Szene
mit Mutter und Tochter gefällt mir unheimlich gut, weil man
sieht, wie stark die Kombiwirkung von Produkt und Preis ist - und
das direkt am Hauptweg.“
Mutter und Tochter Sesterhenn schauen sich nun auch die anderen
Sofas an. Warum? Am Anfang einer Abteilung gibt es die sogenannte
heiße Fläche: der Bestseller, das Lockangebot.
Zwischendurch finden sich immer wieder Schnäppchen,
auffällig gekennzeichnet und so gestellt, dass die Kunden auch
an allen anderen Sofas vorbei müssen. Am Ende wieder ein
Schnäppchen. Mutter und Tochter Sesterhenn machen den Weg mit
und fühlen sich nicht mal gedrängt: „Schön,
dass wir hier so durchbummeln.“
Und es bleibt nicht beim Bummeln: Sie kaufen zwar kein Schlafsofa,
aber Bettwäsche. „So wie IKEA Waren präsentiert,
werden Reize an bestimmten Stellen geschickt eingesetzt. Wenn ich
die Aufmerksamkeit des Kunden habe, dann ist die Wahrscheinlichkeit
dort auch sehr hoch, dass er zugreift“, erzählt
Marketingprofi Linda Reichelt.
Frauen wollen meist durch den ganzen Laden, Männer eher nicht.
Selbst wenn die Kunden den Hauptweg nicht verlassen, kommt am Ende
auf einer relativ kleinen Fläche leicht ein Kilometer
zusammen. Und auf jeder Etage gibt es jeweils nur zwei versteckte
Abkürzungen.
Inzwischen sind auch Sally und Tim losgezogen. Sie wollen ihre
erste gemeinsame Wohnung einrichten und brauchen noch Regale und
Stühle. Schließlich bleiben sie deutlich länger als
zwei Stunden und haben ordentlich eingekauft: „Auch wenn es
jedes Mal stresst, freut man sich trotzdem immer wieder
herzufahren. Ich weiß nicht warum, aber irgendwie macht es ja
Spaß.“
Auch Mutter und Tochter Sesterhenn sind nach anderthalb Stunden
IKEA bester Dinge. Sie haben zwar keinen Gartentisch gefunden, aber
Kleinkram für 111 Euro gekauft. Sally und Tim haben 100 Euro
mehr ausgegeben als geplant: insgesamt 248 Euro.
Sage und schreibe 40 Prozent seines Umsatzes macht IKEA mit solchen
Accessoires, die meist dem Geldbeutel nicht wehtun, aber das
Gefühl vermitteln: IKEA - hat sich wieder mal gelohnt.
Erstes Check-Urteil: Die Verführung ist
geschickt.
Stand: 01.08.2011
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