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Der IKEA-Check

Teil 3: Holzherkunft

  • SendeterminMontag, 01. August 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Zurück nach Schweden und zur Frage, wie IKEA die Herkunft des Holzes kontrolliert. Das ist der Job von Anders Hildemann, dem obersten Waldexperten von IKEA. „Jeder Schritt der Produktionskette muss dokumentieren, woher der Tisch kommt. Und alle unsere Zulieferer müssen wissen, aus welcher Provinz das Holz kam. Wir haben Prüfungen dieser Zulieferkette, dass die Information, die wir von Ihnen bekommen, korrekt ist“, sagt er.

IKEA nennt als Beispiel die Wälder Masurens. Polen ist ein wichtiger Standort für IKEA. Fast das gesamte Holz, das IKEA aus Polen bezieht, ist mit dem Umweltsiegel FSC zertifiziert. Das heißt, dass die Herkunft praktisch jedes einzelnen Baumes nachvollziehbar ist. Das klingt gut. Aber in Wielbark, drei Autostunden nördlich von Warschau, werden nur fünf Möbelstücke hergestellt. Was ist mit dem großen Rest? Und was ist mit Jokkmokk (siehe Teil 2)?

Tatsächlich beträgt der Anteil des zertifizierten Holzes mit Umweltsiegel bei IKEA nur 24 Prozent. Wie und wo die anderen 76 Prozent abgeholzt werden, weiß wohl nur IKEA. Auch einzelne Möbel können aus Holz mit und ohne Siegel bestehen. Das Holz von „Jokkmokk“ zum Beispiel hat deshalb das Siegel FSC Mix.

Wie der Mix der Holzsorten genau aussieht, ist unklar. Klar ist nur: Das Mix-Siegel erlaubt auch einen sehr kleinen zertifizierten Holzanteil. Forstexperte Professor Andreas Schulte erklärt dazu: „Dieses Zertifikat sagt nur aus, dass ein kleinerer Anteil aus dieser nachhaltigen Waldbewirtschaftung kommt, ein größerer Teil aus gesicherten Quellen, wobei keine Aussage gemacht wird , wie diese Quellen kontrolliert werden.“

Professor Schulte schaut sich den Tisch genauer an und meint: „Man sieht, dass die Jahrringe bei der Kiefer sehr groß und weit sind. Dies ist ein Indiz dafür, dass diese Kiefer sehr langsam wächst. Das deutet auf eine Herkunft hin, die eher in kälteren Regionen zu suchen ist.“ Der Hinweis „Made in China“ macht die Sache noch merkwürdiger. Woher stammt also das Holz?

Wir wollen es genau wissen und geben eine Holzprobe von „Jokkmokk“ in die Isotopenprüfung. Dort nehmen Wissenschaftler quasi einen Fingerabdruck des Wasserstoffgehaltes im Holz. Unser Verdacht: Das Holz für „Jokkmokk“ kommt aus den Wäldern Russlands. Was viele nicht wissen: Es ist eine durch Raubbau besonders gefährdete Waldregion. Und tatsächlich bezieht IKEA von dort große Mengen Holz - ob von weit im Osten an Chinas Grenze oder aus dem Westen Russlands in Karelien.

Die sogenannten borealen Regionen sind der größte zusammenhängende Naturwald der Welt und extrem wichtig für das Weltklima. Doch das russische Forstgesetz erlaubt dort größte Kahlschlagflächen. Darüber hinaus ist illegaler Holzeinschlag an der Tagesordnung. Wissenschaftler warnen vor dramatischen Umweltfolgen.

Aber was ist nun das Ergebnis der Isotopenprüfung? Dr. Markus Boner vom TÜV Rheinland hat keine gute Nachricht: „Wir haben das anhand des Wasserstoffgehaltes untersucht: Es kommt aus borealen Regionen und aus Sibirien.“

Unser Verdacht hat sich also bestätigt. Wir befragen nochmals den IKEA-Waldbeauftragten Anders Hildemann. Im Interview sprach er von Nachhaltigkeit und Transparenz. In einer E-Mail antwortet er jetzt: „In Bezug auf ‚Jokkmokk‘ können wir die Zulieferer unserer Zulieferer nicht preisgeben, da dies sensible Wirtschaftsdaten sind.“

Fest steht: IKEA bewegt sich auf dünnem Eis. In seinem Nachhaltigkeitsbericht schreibt IKEA: „Um unsere niedrigen Preise anbieten zu können, müssen wir weltweit Holz einkaufen. Das bedeutet auch, dass wir Holz aus Regionen beziehen, in denen illegal gefällt wird und andere nicht nachhaltige Forstwirtschaftspraktiken herrschen.“ Und Anders Hildemann ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es, erschwingliche Möbel für die Menschen herzustellen. Und um sie erschwinglich zu machen, müssen wir die Kosten niedrig halten.“

Forstexperte Professor Andreas Schulte meint dazu: „99 Euro für einen massiven Kieferntisch mit vier Stühlen ist nur schwer in Einklang zu bringen mit nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Das muss der Verbraucher verstehen, wenn er den Tisch kauft.“

Unser Check-Urteil: Die Holzherkunft ist oft undurchschaubar.

Fortsetzung:

Stand: 01.08.2011


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