Hauptnavigation

Samstag, 26.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von markt
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

markt

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Information > markt > Sendung vom 15. August 2011 > Der ARAL-Check


Der ARAL-Check

Teil 3: Umweltrisiko

  • SendeterminMontag, 15. August 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Die Farbe Blau hat bei ARAL eine lange Tradition. Den Grund erklärt uns ARAL-Marketingmanager Dirk Wansart: „Also man muss wissen, dass Blau bei rund 45 Prozent der Bevölkerung die Lieblingsfarbe ist. Blau ist auch die Farbe der Verlässlichkeit, des Vertrauens. Und das sind natürlich Markenwerte, die wir vor allen Dingen mit ARAL repräsentieren wollen.“

Wir fragen Passanten, wie das Blau von ARAL auf sie wirkt. Die meisten assoziieren die Farbe mit Himmel oder Meerwasser. Manche verbinden sie ganz allgemein mit Natur. Wir fragen auch, was ARAL uns Kunden mit der Farbe wohl sagen will. Dass der Konzern umweltbewusst geführt werde, vermuten einige Passanten. Oder dass ARAL irgendwie naturfreundlich sei. Unser dritter Check:

Ist das Umweltrisiko wirklich so gering?

Benzinverbrauch ist nie umweltfreundlich. Dafür kann ARAL nichts. Aber wie sieht es bei der Ölförderung aus? Marketingmanager Detlef Brandenburg antwortet auf diese Frage nicht, sondern verweist auf höhere Stellen: „ARAL fördert kein Rohöl, das übernimmt die Muttergesellschaft BP mit Sitz in London. Da kann ich Ihnen gerne einen Ansprechpartner vermitteln.“

ARAL ist schon seit gut sieben Jahren eine hundertprozentige Tochter von BP. Und BP hat sein Umweltimage im vergangenen Jahr gründlich ruiniert: Beim Untergang der Bohrinsel Deepwater-Horizon traten mehr als 700 Millionen Liter Rohöl aus. Hunderte Kilometer Küste im Golf von Mexiko wurden mit Öl verschmutzt. Wie konnte das passieren? BP spricht von einer Kette unvorhergesehener Ereignisse - und Fehlern vor allem bei beauftragten Subunternehmern. Eine Untersuchungskommission des amerikanischen Präsidenten listet dagegen eine ganze Reihe von Entscheidungen auf, mit denen BP das Risiko erhöhte, etwa durch die „Wahl einer billigeren oder zeitsparenden Alternative“. Sparsamkeit als Ursache der Umweltkatastrophe? Das sei eine zu einfache Sichtweise, erklärt BP. So ein Ereignis habe immer viele Ursachen. Ein Interview lehnt BP ab.

Ergiebiger ist da schon, was einer der wenigen unabhängigen Ölmarktexperten Deutschlands für uns herausgefunden hat. Dr. Steffen Bukold hat alle größeren Ölunfälle der vergangenen zehn Jahre ausgewertet. Ein besonders häufiger Verursacher war nach seiner Analyse BP: „Wenn Sie es vergleichen mit den anderen westlichen Ölkonzernen, da war bestimmt die Sicherheitsbilanz erheblich schlechter als zum Beispiel von Exxon Mobile oder Chevron. Wir haben die Unglücke der letzten zehn Jahre statistisch erfasst: Raffinerie- und Tankerunglücke, Pipelines und Plattformen. Und da war es in der Tat so, dass das größte Plattformunglück bei BP war, im Golf von Mexiko, und auch das größte Raffinerieunglück.“

Tatsächlich: Fünf Jahre vor Deepwater Horizon gab es ein Unglück in der Texas-City-Refinery von BP. Das Unternehmen hatte nach eigenen Angaben in die Anlage mehr investiert als je zuvor. Doch der ehemalige Raffinerie-Vorarbeiter Dave Senko berichtet: „Die Raffinerie war nicht in gutem Zustand: verrottete Anlagenteile, verrostet, mit abgeblättertem Korrosionsschutz. Überall Feuergefahr! Es gab durchschnittlich jede Woche irgendwo ein Feuer. Jede Woche ein Feuer! Das ist ein Warnsignal, dass etwas gefährlich schiefläuft in der Anlage.“ Sein Vorwurf: Sparsamkeit! 2005 kam es dann zur schwersten Raffinerie-Explosion, die es jemals in Amerika gegeben hat. Die Schreckensbilanz: 15 Todesopfer!

Eve Rowe, die bei der Explosion beide Eltern verlor, erhielt wenig später Post von BP. Der Konzern bot ihr 25.000 Dollar. Sie sagt: „BP wollte eine außergerichtliche Schadenersatzeinigung. Ich dachte, ihr seid wahnsinnig! Wollt ihr damit davonkommen? Ich sagte, das kotzt mich an! Das war kein Unfall, da wurden Profite über die Sicherheit der Leute gesetzt. Es ging um kleine Reparaturen oder um eine Sicherheitsfackel. Die hätte die Explosion verhindert. Das haben sie nicht getan.“ Auch ihr Vorwurf lautet: Sparsamkeit!

Auch Mitarbeiter forderten schriftlich Investitionen. Noch heute betont BP, kein Verantwortlicher habe jemals solche Forderungen ignoriert. Doch der technische Direktor der Raffinerie antwortete laut einem vorliegenden Dokument, die Kapitaldecke sei dünn, man solle die Gelder sparen.

Wir betrachten noch einen BP-Unfall: Die Prudhoe Bay ist eines der größten arktischen Ölfördergebiete. Auch dort klagen Arbeiter, BP habe bei der Sicherheit gespart, in diesem Fall bei den Pipelines. Normalerweise würden regelmäßig sogenannte Molche durch die Rohre geschickt, um sie von innen zu prüfen. Normalerweise! Doch Kristjan Dye, der für BP in der Prudhoe Bay arbeitet, sagt: „Schon vor Jahren wollte BP die Molch-Teams komplett abschaffen. Sie wollten die nicht mehr.“ 2006 brach eine Pipeline wegen unentdeckter Korrosion. Sie war nach Aussagen von Arbeitern jahrelang nicht mehr mit Molchen geprüft worden. Hunderttausende Liter Rohöl flossen in die arktischen Böden. Der von BP engagierte Sicherheitsinspekteur Marty Anderson ist zu Verschwiegenheit verpflichtet. Doch er kann einen internen Untersuchungsbericht kommentieren, der an die Öffentlichkeit gelangte. Dort heißt es, es habe schwere Bedenken gegeben, ungenügend qualifiziertes Personal und einen „Zusammenbruch der Qualitätsüberwachung“. Marty Anderson erinnert sich: „Ich hatte Bedenken, weil ich kein Anwalt bin, der weiß, was legal ist und was illegal. Aber ich kann sagen, dass ich mich sehr unwohl gefühlt habe in der Situation, die BP dort geschaffen hatte.“

BP erklärt, man habe danach die Sicherheit verbessert. Doch vorher musste offenbar erst ein Unglück passieren - wie bei Deepwater Horizon. Der Untersuchungsbericht zu Deepwater Horizon nennt noch ein zweites Problem: „Spezielle Sicherheitsrisiken durch harte Umweltbedingungen und abgelegene Orte.“

Ist es Zufall, dass der Unfall in der Tiefsee gerade BP traf? Und welche Rolle spielt der Konzern in der Arktis, wo eisige Temperaturen das Risiko erhöhen - auch weil auslaufendes Öl viel langsamer abgebaut wird. Wie groß ist die Rolle von BP bei solchen Risikoförderungen?
Unser Experte Dr. Steffen Bukold hat es ausgerechnet: „BP ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen und ist natürlich dort gewachsen, wo noch die größten Möglichkeiten zur Expansion vorhanden sind. Und das war eben besonders in der Tiefsee, im Golf von Mexiko und schon etwas länger im arktischen Bereich, in Alaska.“ Sein Ergebnis: Der Anteil von BP an der weltweiten Ölförderung ist mit 2,9 Prozent eher klein. Im Tiefseebereich ist der BP-Anteil mit sieben Prozent jedoch mehr als doppelt so groß. Und in der ökologisch sensiblen Arktis betreibt BP sogar 20 Prozent der Ölförderung. Sein Fazit: „Insofern kann man schon sagen: Ein großer Teil des Öls von BP kommt aus ziemlich riskanten Fördergebieten.“

Gefährlich sparsam und mit Vorliebe für riskante Fördergebiete - so präsentiert sich uns die Muttergesellschaft BP, die für ARAL die Ölförderung übernimmt.

Unser drittes Checkurteil: Das Umweltrisiko ist bis heute relativ groß.

Stand: 15.08.2011


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.