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Sendung vom 15. August 2011
Der ARAL-Check
Die Farbe Blau hat bei ARAL eine lange Tradition. Den Grund
erklärt uns ARAL-Marketingmanager Dirk Wansart: „Also
man muss wissen, dass Blau bei rund 45 Prozent der Bevölkerung
die Lieblingsfarbe ist. Blau ist auch die Farbe der
Verlässlichkeit, des Vertrauens. Und das sind natürlich
Markenwerte, die wir vor allen Dingen mit ARAL repräsentieren
wollen.“
Wir fragen Passanten, wie das Blau von ARAL auf sie wirkt. Die
meisten assoziieren die Farbe mit Himmel oder Meerwasser. Manche
verbinden sie ganz allgemein mit Natur. Wir fragen auch, was ARAL
uns Kunden mit der Farbe wohl sagen will. Dass der Konzern
umweltbewusst geführt werde, vermuten einige Passanten. Oder
dass ARAL irgendwie naturfreundlich sei. Unser dritter Check:
Benzinverbrauch ist nie umweltfreundlich. Dafür kann ARAL
nichts. Aber wie sieht es bei der Ölförderung aus?
Marketingmanager Detlef Brandenburg antwortet auf diese Frage
nicht, sondern verweist auf höhere Stellen: „ARAL
fördert kein Rohöl, das übernimmt die
Muttergesellschaft BP mit Sitz in London. Da kann ich Ihnen gerne
einen Ansprechpartner vermitteln.“
ARAL ist schon seit gut sieben Jahren eine hundertprozentige
Tochter von BP. Und BP hat sein Umweltimage im vergangenen Jahr
gründlich ruiniert: Beim Untergang der Bohrinsel
Deepwater-Horizon traten mehr als 700 Millionen Liter Rohöl
aus. Hunderte Kilometer Küste im Golf von Mexiko wurden mit
Öl verschmutzt. Wie konnte das passieren? BP spricht von einer
Kette unvorhergesehener Ereignisse - und Fehlern vor allem bei
beauftragten Subunternehmern. Eine Untersuchungskommission des
amerikanischen Präsidenten listet dagegen eine ganze Reihe von
Entscheidungen auf, mit denen BP das Risiko erhöhte, etwa
durch die „Wahl einer billigeren oder zeitsparenden
Alternative“. Sparsamkeit als Ursache der Umweltkatastrophe?
Das sei eine zu einfache Sichtweise, erklärt BP. So ein
Ereignis habe immer viele Ursachen. Ein Interview lehnt BP
ab.
Ergiebiger ist da schon, was einer der wenigen unabhängigen
Ölmarktexperten Deutschlands für uns herausgefunden hat.
Dr. Steffen Bukold hat
alle größeren Ölunfälle der vergangenen zehn
Jahre ausgewertet. Ein besonders häufiger Verursacher war nach
seiner Analyse BP: „Wenn Sie es vergleichen mit den anderen
westlichen Ölkonzernen, da war bestimmt die Sicherheitsbilanz
erheblich schlechter als zum Beispiel von Exxon Mobile oder Chevron. Wir haben die
Unglücke der letzten zehn Jahre statistisch erfasst:
Raffinerie- und Tankerunglücke, Pipelines und Plattformen. Und
da war es in der Tat so, dass das größte
Plattformunglück bei BP war, im Golf von Mexiko, und auch das
größte Raffinerieunglück.“
Tatsächlich: Fünf Jahre vor Deepwater Horizon gab es ein Unglück in der
Texas-City-Refinery von
BP. Das
Unternehmen hatte nach eigenen Angaben in die Anlage mehr
investiert als je zuvor. Doch der ehemalige Raffinerie-Vorarbeiter
Dave Senko berichtet: „Die Raffinerie war nicht in gutem
Zustand: verrottete Anlagenteile, verrostet, mit
abgeblättertem Korrosionsschutz. Überall Feuergefahr! Es
gab durchschnittlich jede Woche irgendwo ein Feuer. Jede Woche ein
Feuer! Das ist ein Warnsignal, dass etwas gefährlich
schiefläuft in der Anlage.“ Sein Vorwurf: Sparsamkeit!
2005 kam es dann zur schwersten Raffinerie-Explosion, die es jemals
in Amerika gegeben hat. Die Schreckensbilanz: 15 Todesopfer!
Eve Rowe, die bei der
Explosion beide Eltern verlor, erhielt wenig später Post von
BP. Der Konzern
bot ihr 25.000 Dollar. Sie sagt: „BP wollte eine
außergerichtliche Schadenersatzeinigung. Ich dachte, ihr seid
wahnsinnig! Wollt ihr damit davonkommen? Ich sagte, das kotzt mich
an! Das war kein Unfall, da wurden Profite über die Sicherheit
der Leute gesetzt. Es ging um kleine Reparaturen oder um eine
Sicherheitsfackel. Die hätte die Explosion verhindert. Das
haben sie nicht getan.“ Auch ihr Vorwurf lautet:
Sparsamkeit!
Auch Mitarbeiter forderten schriftlich Investitionen. Noch heute
betont BP, kein Verantwortlicher habe jemals solche Forderungen
ignoriert. Doch der technische Direktor der Raffinerie antwortete
laut einem vorliegenden Dokument, die Kapitaldecke sei dünn,
man solle die Gelder sparen.
Wir betrachten noch einen BP-Unfall: Die Prudhoe Bay ist eines der größten
arktischen Ölfördergebiete. Auch dort klagen Arbeiter, BP
habe bei der Sicherheit gespart, in diesem Fall bei den Pipelines. Normalerweise
würden regelmäßig sogenannte Molche durch die Rohre
geschickt, um sie von innen zu prüfen. Normalerweise! Doch
Kristjan Dye, der für
BP in der Prudhoe Bay
arbeitet, sagt: „Schon vor Jahren wollte BP die Molch-Teams
komplett abschaffen. Sie wollten die nicht mehr.“ 2006 brach
eine Pipeline wegen
unentdeckter Korrosion. Sie war nach Aussagen von Arbeitern
jahrelang nicht mehr mit Molchen geprüft worden.
Hunderttausende Liter Rohöl flossen in die arktischen
Böden. Der von BP engagierte Sicherheitsinspekteur Marty
Anderson ist zu Verschwiegenheit verpflichtet. Doch er kann einen
internen Untersuchungsbericht kommentieren, der an die
Öffentlichkeit gelangte. Dort heißt es, es habe schwere
Bedenken gegeben, ungenügend qualifiziertes Personal und einen
„Zusammenbruch der Qualitätsüberwachung“.
Marty Anderson erinnert
sich: „Ich hatte Bedenken, weil ich kein Anwalt bin, der
weiß, was legal ist und was illegal. Aber ich kann sagen,
dass ich mich sehr unwohl gefühlt habe in der Situation, die
BP dort geschaffen hatte.“
BP
erklärt, man habe danach die Sicherheit verbessert. Doch
vorher musste offenbar erst ein Unglück passieren - wie bei
Deepwater Horizon. Der
Untersuchungsbericht zu Deepwater
Horizon nennt noch ein zweites Problem: „Spezielle
Sicherheitsrisiken durch harte Umweltbedingungen und abgelegene
Orte.“
Ist es Zufall, dass der Unfall in der Tiefsee gerade BP traf? Und
welche Rolle spielt der Konzern in der Arktis, wo eisige
Temperaturen das Risiko erhöhen - auch weil auslaufendes
Öl viel langsamer abgebaut wird. Wie groß ist die Rolle
von BP bei solchen Risikoförderungen?
Unser Experte Dr.
Steffen Bukold hat es ausgerechnet: „BP ist in den letzten
Jahren sehr stark gewachsen und ist natürlich dort gewachsen,
wo noch die größten Möglichkeiten zur Expansion
vorhanden sind. Und das war eben besonders in der Tiefsee, im Golf
von Mexiko und schon etwas länger im arktischen Bereich, in
Alaska.“ Sein Ergebnis: Der Anteil von BP an der weltweiten
Ölförderung ist mit 2,9 Prozent eher klein. Im
Tiefseebereich ist der BP-Anteil mit sieben Prozent jedoch mehr als
doppelt so groß. Und in der ökologisch sensiblen Arktis
betreibt BP sogar 20 Prozent der Ölförderung. Sein Fazit:
„Insofern kann man schon sagen: Ein großer Teil des
Öls von BP kommt aus ziemlich riskanten
Fördergebieten.“
Gefährlich sparsam und mit Vorliebe für riskante
Fördergebiete - so präsentiert sich uns die
Muttergesellschaft BP, die für ARAL die Ölförderung
übernimmt.
Unser drittes Checkurteil: Das Umweltrisiko ist bis heute
relativ groß.
Stand: 15.08.2011
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