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Sendung vom 15. August 2011
Der ARAL-Check
Die deutsche Marke ARAL ist inzwischen in britischer Hand. Das merkt man auch beim Betreten der Zentrale in Bochum. Innen ist statt ARAL-blau fast alles grün - BP-Grün. Der Pressesprecher empfängt uns zum Besuch einer umstrittenen Abteilung. Dort werden die Benzinpreise gemacht - nach rein wirtschaftlichen Zwängen, wie Detlef Brandenburg erklärt: „Das ist einmal der Rohölpreis, weil daraus werden ja schließlich speziell Super, Diesel und andere Produkte hergestellt. Es ist aber auch der Dollar-Euro-Wechselkurs, weil Rohöl und Rohölprodukte in Dollar gehandelt werden. Und drittens sind es dann die Angebots- und Nachfragebedingungen bei dem Produktpreis.“ Diese Erklärung für letztlich steigende Preise scheinen viele Kunden nicht wirklich zu glauben. Unser vierter Check daher:
Die Wut der Kunden landet immer wieder bei Leuten wie Tankwart
Ralf Schäfer, der in Rösrath bei Köln aufpasst, dass
niemand wegfährt ohne zu bezahlen, der kassiert und sich
zwischendurch noch um das Bistro und um die Preise kümmert.
Dabei hilft ihm das ARAL-Computersystem „ROSIplus“ und
die Tatsache, dass die benachbarte Tankstelle von Jet ihre Preise
im Internet veröffentlicht. „Wir überprüfen
jetzt die Preise mit den Konkurrenten. Und wenn der Preisabstand zu
groß ist, dann werde ich eine E-Mail an Bochum, an unsere
Zentrale, senden, die daraufhin reagieren wird und die Preise
anpassen.“ Diesel kostet in der Nachbarschaft gerade 1,389
Euro, drei Cent weniger als bei ARAL.
Im Preisbildungsraum der Bochumer Zentrale sitzen rund zwei Dutzend
Menschen hinter Computermonitoren. Wann immer ein ARAL-Tankwart
für eine Nachbartankstelle eine Preisänderung anzeigt,
erscheint sie dort auf dem Monitor. Nur ein kleiner Zettel aus dem
Kassensystem kündigt dem Tankwart dann die Preisänderung
an. 30 Minuten, nachdem man die Preissenkung bei der Konkurrenz
gemeldet hatte, geht auch der Preis bei ARAL in Rösrath
runter.
Martin Richter versucht, die Preisbildung der Ölkonzerne zu
durchschauen. Auf dem Server seines Internetportals Benzinpreis.de
gehen seit Jahren täglich Tausende Preismeldungen ein. Seine
Erfahrung: ARAL und Co. werden im Vorgehen immer gewiefter:
„Wir sehen natürlich, dass jede Tankstelle und jeder
Anbieter versucht, seinen Preis zu optimieren - mit verschiedenen
Methoden.“
Beispiel Köln: Über mehrere Wochen beobachten wir rund um
die Uhr die Preise von Superbenzin an acht ARAL-Tankstellen: ein
wildes Auf und Ab. Meistens geht abends der Preis hoch und im Laufe
des Tages wieder runter. Und noch etwas fällt auf:
örtliche Preisunterschiede. So gibt es zum Beispiel an einem
Samstag innerhalb weniger Kilometer einen Preisunterschied von
sechs Cent.
ARAL hat dafür eine einfache Erklärung: andere
Tankstellen, die in einzelnen Stadtteilen massiv die Preise
drücken. Es ist übrigens gesetzlich verboten, Benzin
unter Einstandspreis, also mit Verlust zu verkaufen. Der
Benzinverkauf wird also schon von Gesetzes wegen nicht zum
Zuschussgeschäft.
Trotzdem hebt ARAL oft montagabends die Preise drastisch an.
Entsprechend müsste auch der Gewinn pro Liter steigen. Doch
diese Rechnung ist ARAL laut Detlef Brandenburg zu einfach:
„Wir machen nur dann zehn Cent Gewinn, wenn ein Kunde kommt
und für diesen Preis tanken würde. Das findet in den
ersten Stunden kaum statt.“
Heißt das: Aral erhöht drastisch die Preise und nimmt
in Kauf, dass danach niemand mehr tankt, weil die Kunden zur
Konkurrenz flüchten? Was ARAL nicht sagt: Die Konkurrenz hat
jetzt auch die Chance zur Preiserhöhung - und nutzt sie auch.
Nach solch einer allgemeinen Preiserhöhungsrunde wären
dann alle Preise weit oben. So geht das inzwischen fast
wöchentlich. Das stellte das Bundeskartellamt kürzlich in
einer Studie zur „Beteiligung der Mineralölunternehmen
an Preiserhöhungsrunden“ fest, Zitat: „Die
Preiserhöhungsrunden beginnen regelmäßig mit einer
flächendeckenden Preiserhöhung entweder von ARAL oder
Shell.“
Dahinter steckt System, meint Experte Martin Richter von der Factsoft AG: „Das System
funktioniert so, dass versucht wird, den Preis dann hoch zu machen,
wenn viel getankt wird und niedrig zu machen, wenn wenig getankt
wird. Damit wird ein relativ hoher Gewinn oder eine relativ hohe
Optimierung des Gewinns erzielt.“ Aus seiner Sicht klappt das
sogar immer besser: Die Kosten der Konzerne, vor allem die
Rohölpreise, sind zwar gestiegen, noch stärker aber stieg
seinen Zahlen zufolge der in Raffinerien und Tankstellen anfallende
Erlös: von mal viereinhalb auf heute 16 Cent je Liter. ARAL
selbst nennt dazu keine Zahlen. Doch auch das Kartellamt stellt
fest: Die Konzerne kassieren mehr als bei einem funktionierenden
Wettbewerb.
Unser viertes Checkurteil: Die Preisbildung erfolgt
ausgesprochen raffiniert.
Michael Houben
Stand: 15.08.2011
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