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markt-Scanner: Lärm

  • SendeterminMontag, 29. August 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Immer mehr Autos, immer mehr Bahnen, immer mehr Flugzeuge, immer mehr technische Geräte, die Krach machen. Im markt-Scanner gehen wir dem Lärm auf den Grund. Was macht er mit uns? Was können wir tun, um uns zu schützen?

60 Prozent der Deutschen leiden nach eigenen Angaben unter Lärm. Wir schauen uns die schlimmsten Lärmquellen an. Dafür sind wir in vier Städte gefahren: Unter welcher Art von Lärm leiden die Menschen am meisten? Und wie laut ist es wirklich?

Tag und Nacht fahren Tausende Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit über die Fleher Brücke bei Düsseldorf. Wir messen bis zu 88 Dezibel. Zum Vergleich: Eine Uhr tickt mit 20 Dezibel, ein Motorroller verursacht 70, eine Kettensäge 120 Dezibel. Für die Anwohner ist das schwer zu ertragen. Als sie hergezogen sind, war auf der Brücke noch nicht viel los. Und es gab das Versprechen, eine Schallschutzmauer zu bauen.

14 Millionen Deutsche haben bereits Hörschäden, vier Millionen einen Tinnitus. Lärm ist eben mehr als nur nervig. Martin Braubach von der Weltgesundheitsorganisation WHO verweist auf entsprechende Studien: „Studien in den letzten Jahren haben gezeigt, dass Lärm einen stärkeren Einfluss als erwartet auf das Herz-Kreislauf-System hat. Wir haben je nach Situation zum Beispiel an stark befahrenen Straßen eine Erhöhung des Herzinfarktrisikos durch Lärm von bis zu zehn bis 20 Prozent.“ Schon Dauerlärm von 65 Dezibel ist ein Risiko für das Herz-Kreislauf-System. Ab 85 Dezibel wird es für die Ohren gefährlich. Bei 130 Dezibel ist die Schmerzgrenze erreicht: Akute Hörschäden sind die Folge.

Lärmgeschädigt sind auch Anwohner einer Bahntrasse in Wesel. Als sie dort gebaut haben, fuhren nur wenige Züge und das auch nur tagsüber. Jetzt geht es die ganze Nacht durch, sagen die Anwohner. Ihr Haus sei inzwischen praktisch wertlos. So nah an der Bahntrasse kaufe es niemand. Die über 80 Dezibel, die wir messen, will keiner haben.

Für Lärm gibt es keine Grenz-, sondern nur Richtwerte: 64 Dezibel am Tag, 54 Dezibel in der Nacht. Aber schon das stresse den Körper, sagt die WHO und fordert Tageswerte von 50 und Nachtwerte von 40 Dezibel. An vielen Orten werden nicht einmal die weicheren Richtwerte eingehalten. Helfen würden da wohl nur gesetzliche Grenzwerte. Doch die gibt es nicht.

110 Dezibel, 70 Dezibel, 100 Dezibel - Deutschland hat weltweit das dichteste Flugverkehrsnetz. Im Minutentakt starten und landen Maschinen. Auch im ansonsten eher ruhigen Münsterland geht es auf und ab. Wer in der Einflugschneise wohnt, kennt das nur zu gut. Ein Anwohner berichtet: „Morgens ab vier Uhr, in der Zeit, in der Flugzeuge starten, denke ich sofort an Sachen, die an dem Tag anstehen. Dann bin ich zwei, drei Stunden wach, dann geht der Wecker und ich fühle mich wie gerädert.“

Der Brüsseler Platz in Köln ist eigentlich ein ruhiger Platz, eine kleine grüne Oase mitten in der Stadt, in der sich Nachbarn zum Plausch treffen - tagsüber. Doch abends und nachts ist der Platz in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem Partytreffpunkt geworden. Dann kommen bis zu tausend zumeist junge Menschen, die trinken, lachen, feiern - bis zum Morgengrauen. Schön für sie, hart für die Anwohner, wie einer von ihnen berichtet: „Ich schlafe nach vorne raus und habe dieses Jahr schon 20-mal die Polizei gerufen. Die können auch nichts machen.“ Die Anwohner haben immer wieder Stadt und Ordnungsamt eingeschaltet, um ihr Recht auf Nachtruhe durchzusetzen. Doch bisher ohne Erfolg.

Die Weseler klagen jetzt gegen die Bahn. Von Behörden und Politik fühlen sie sich seit 20 Jahren hingehalten. Im Münsterland haben die Anwohner erreicht, dass die Startbahn des Flughafens Münster-Osnabrück nicht verlängert wird. Für ein Nachtflugverbot kämpfen sie bisher vergeblich. Ähnlich erging es den Düsseldorfern mit der versprochenen Schallschutzmauer. Seit 20 Jahren wird darum nun schon gerungen. Im nächsten Jahr soll sie nun endlich kommen, zwei Meter hoch. So wurde es ihnen zumindest zuletzt versprochen.

Autorinnen:

Edith Dietrich/Katja Krebbers

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Stand: 29.08.2011


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