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Sendung vom 19. September 2011
Hotels: Die Macht der Bewerter
Allein auf die bunten Hotelbildchen im Reisekatalog verlässt sich kaum noch jemand. Viel angesagter sind Gästeurteile auf Hotelbewertungsportalen. Doch wie zuverlässig sind die Bewertungen?
Auch wir wollen ein Hotel bewerten. Freundlich soll das Urteil
ausfallen, denn wir wollen dem Haus nicht schaden. Aber wir waren
noch nie dort, es ist also alles frei erfunden. Schaffen es unsere
Bewertungen trotzdem ins Netz? Wie durchlässig sind die
Portale?
Das A&O-Hostel in Köln gehört zu einer Kette und
bietet einfache Unterkünfte für junge Leute. Besitzer
Oliver Winter hält nichts von den Bewertungsportalen. Viel zu
oft müsse er sich mit falschen Behauptungen rumschlagen, sagt
er. „Das passiert zum Beispiel, wenn wir den Jugendlichen den
Alkohol konfiszieren. In dem Moment sind die jungen Leute sauer,
verärgert und geben ganz schnell mit ihren Mobilgeräten
Bewertungen ab. Teilweise sind die online, bevor wir den Alkohol weggeschlossen
haben.“ Er fühle sich hilflos, sagt er, denn die Macht
der Portale sei groß. Wer gut bewertet wird, steht im Ranking ganz oben und wird
häufiger gebucht. Das Hotel mit den meisten Punkten oder
Sonnen verkauft sich besser.
Ortswechsel: Das Luxushotel Kameha Grand in Bonn ist eine andere
Kategorie, hat aber das gleiche Problem. Einerseits bringen viele
Sonnen und Punkte neue Gäste, andererseits liest
Geschäftsführer Carsten Rath auch ungerechtfertigte
Bewertungen. Sein Kommentar zu Bewertungsportalen:
„Grundsätzlich gilt, dass Feedback wichtig ist, und grundsätzlich gilt,
dass wir jedes Feedback
ernst nehmen. Es gab eine gute Welt vor den Bewertungsportalen, ich
glaube, es wird eine gute Welt nach den Bewertungsportalen geben,
und zwischendrin machen die Bewertungsportale, was sie
wollen.“
Auch viele Gäste wissen mittlerweile, wie wichtig es für
ein Hotel ist, im Ranking
ganz vorne zu stehen, hat Hotelexperte Carsten Hennig beobachtet:
„Gäste kommen zur Rezeption und sagen: ‚Entweder
ich bekomme jetzt hier ein Upgrade oder eine Preisminderung, sonst verfasse
ich einen bösen Beitrag im Internet.‘ Das grenzt an
Erpressung oder geht schon darüber hinaus.“
Erpressung? Da wird es haarig! Schließlich glauben laut einer
aktuellen Studie 95 Prozent der Befragten den Hotelbewertungen im
Netz. Und 59 Prozent wählen ihre Unterkunft anhand der
Beurteilungen der anderen.
Negative Bewertungen gibt es nicht nur von Gästen, auch
professionelle Schreiber sind am Werk. Wir treffen einen, der gegen
Bezahlung Hotels gut bewertet und deren Konkurrenz herunterstuft -
massenhaft: „Ich denke, es werden 15.000 gewesen sein. Das
war mein Broterwerb. Ich habe nichts anderes gemacht, ich bin
keiner anderen Tätigkeit nachgegangen, als Hotels zu bewerten.
Es ist tatsächlich so gewesen, dass ich Hotels aufgerufen
habe, habe mir dort die Bewertungen durchgelesen und festgestellt,
dass von 80 Bewertungen 80 von mir waren.“
Falsche Behauptungen online
zu stellen, sei kein Problem, sagt er. Selbst die nobelsten
Häuser konnte er abwerten: „Ich kann Ihnen in Hamburg
ein sehr großes Hotel zeigen. Wenn ich da drei Aufnahmen
mache, sind Sie der Meinung, Sie wollen da nie
hinfahren.“
Kann das nur ein professioneller Auftragsschreiber oder kann das
jeder? Wir schauen in der Zwischenzeit, was unsere erfundenen
Hotelbewertungen machen. Haben die Portale sie eingestellt? Sie
haben! Bei allen drei großen Portalen sind unsere frei
erfundenen Beurteilungen durchgegangen. Bei trivago bekommen wir
sogar ein Foto verpasst, das so gar nichts mit der realen Person zu
tun hat. Wir fragen bei den Portalen nach und bekommen von allen
die Antwort, unsere Bewertungen hätten schließlich den
Eindruck des Hotels nicht verfälscht.
So einfach will Oliver Winter sich nicht abspeisen lassen. Die
Portale müssten jede Bewertung vorher prüfen. Er hat
wegen falscher Behauptungen gegen Holidaycheck geklagt. „Das ging auch bis zu
Banalitäten: Gummibärchen hätten unter dem Bett
gelegen und so weiter. Das konnte nicht glaubhaft gemacht werden.
Da haben die Richter zu Recht gesagt, Holidaycheck ist klar Wettbewerber, Holidaycheck hat dafür zu
sorgen, dass so ein Unsinn nicht verbreitet wird.“
Übrigens: Wer eine falsche Beurteilung in einem
Bewertungsportal einstellt, kann wegen Verleumdung verurteilt
werden.
Für den nächsten Urlaub sollte man sich wohl ein bisschen
Skepsis gegenüber den Hotelbewertungsportalen bewahren - und
vielleicht einfach mal gute Freunde fragen.
Edith Dietrich, Beatrix von Kalben
Stand: 19.09.2011
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