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PKV: Kostenfalle im Alter

  • SendeterminMontag, 14. November 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Eine private Krankenversicherung kann im Alter sehr teuer werden. markt gibt Tipps für die Jungen, worauf sie beim Wechsel achten müssen, und Tipps für Ruheständler, wie sie ihre Kosten senken können.

„Es war ein ziemlicher Schock“, sagt Peter von Wrangell, Pensionär in Düsseldorf. Ende vergangenen Jahres bekam der 80-Jährige Post von seiner privaten Krankenversicherung (PKV), der Barmenia. Es ging um den Beitrag, den er jährlich überweisen muss. „Der lag um mehr als 600 Euro höher als im Jahr zuvor. Das waren 15 Prozent Erhöhung.“ Fortan sollte er 4.754 Euro im Jahr bezahlen - zusätzlich zu den 1.400 Euro, die der Pensionär jährlich aus eigener Tasche als „Selbstbehalt“ aufzubringen hat.

Die Barmenia residiert in einem Neubau in Wuppertal. Das Unternehmen verteidigt den Gebührenanstieg. In einem Brief an Peter von Wrangell verweist der Versicherer auf höhere Kosten beim Arzt, für Medikamente, im Krankenhaus. Und erinnert an die stetig steigende Lebenserwartung. „Gerade im Alter wird (...) häufiger eine (...) intensive medizinische Versorgung benötigt“, heißt es in dem Schreiben vom 13. Januar 2011.

Der Verband der Privaten Krankenversicherungen beteuert: Die Beiträge werden so kalkuliert, „dass bereits heute eine systematische Vorsorge für das Alter gebildet wird“. Diese Rückstellungen dienten dazu, die im Alter ansteigenden Gesundheitskosten zu finanzieren. Seit Januar 2009 sind zudem Neuversicherte gezwungen, als weitere Altersrücklage einen Zuschlag von zehn Prozent des Beitrags zu zahlen. Und warum kommt es bei Altversicherten dennoch immer wieder zu drastischen Erhöhungen? Es treten „häufig Entwicklungen ein“, so der PKV-Verband, die „von heute vorliegenden Statistiken über Gesundheitskosten“ nicht erfasst werden.

markt liegen weitere Fälle von Privatversicherten vor, die sich über drastische Beitragssteigerungen beschweren. Ein Rentner aus Wuppertal berichtet von einer Erhöhung um 36 Prozent - allein von 2010 auf 2011.

Mann liegt im Krankenhausbett und telefoniert
Eine Entscheidung für die private Krankenversicherung hat weitreichende Folgen.

Tipps für PKV-Kunden

Was können ältere PKV-Kunden tun, um ihre Beiträge zu senken?

  • Selbstbehalt erhöhen
    Sie mindern Ihre monatlichen Zahlungen, wenn Sie gleichzeitig Ihren Eigenanteil, den Selbstbehalt, erhöhen. Aber aufpassen: Sie tragen das hohe Risiko, viel selbst zahlen zu müssen, wenn Sie mal richtig krank werden. Höhere Behandlungskosten drohen vor allem im Alter.
  • Basis-Tarif wählen
    Seit Januar 2009 müssen per Gesetz die privaten Krankenversicherungen einen Basistarif anbieten, der in etwa die gleichen Leistungen hat wie eine gesetzliche. Der Beitrag beträgt derzeit bis zu 575 Euro im Monat, allerdings ist dann kein Eigenanteil zu zahlen. Das ist auch nicht billig, kann aber wesentlich günstiger sein als der bisherige Privattarif.
  • Tarif nach § 204 wechseln
    Den Paragrafen 204 im Versicherungsvertragsgesetz kennt kaum ein Kunde. Aber der räumt jedem, egal wie alt er ist, prinzipiell die Möglichkeit ein, innerhalb seiner privaten Krankenversicherung in einen anderen, günstigeren Tarif zu wechseln. Das hört sich erst mal leicht an. Aber Ihre Versicherung wird Ihnen so einen Wechsel vielleicht nicht leicht machen. Denn Sie können eine Menge Geld sparen, das der Versicherer gerne hätte. Bleiben Sie hartnäckig und erkundigen Sie sich genau bei Experten.

Tipps für Wechselwillige

Was sollten gut verdienende Jüngere beachten, die von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private (PKV) wechseln können?

  • Wie sieht Ihre Familienplanung aus?
    Jung, ledig, erfolgreich, hohes Einkommen: Das sind die Lieblingskunden der privaten Krankenversicherungen. In der Tat können die Jungen mit der privaten Krankenversicherung im Vergleich zur freiwilligen Krankenversicherung bei einer gesetzlichen Krankenversicherung bei den Beiträgen sparen. Zudem bietet die PKV oftmals höhere Leistungen: Einzelzimmer und Chefarztbehandlung im Krankenhaus, kürzere Wartezeiten beim niedergelassenen Arzt, zusätzliche Therapieangebote. Aber aufpassen: Wer nicht wirklich ausschließen kann, dass er mal heiratet und Kinder bekommt, sollte sich den Wechsel in die PKV gründlich überlegen. Ein nicht berufstätiger Ehepartner und Kinder müssen später in der PKV extra versichert werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die Familie kostenfrei mitversichert.
  • Ist das Einkommen langfristig sicher?
    Ähnliches gilt für die Entwicklung des eigenen Einkommens. Fragen Sie sich so ehrlich wie möglich: Bleibt mein Einkommen über lange Zeit sicher? Habe ich gute Aussichten, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter steigt? Bekomme ich eine gute Altersversorgung hin? Andernfalls kann die private Krankenversicherung vor allem im Ruhestand zu einer Kostenfalle werden.
  • Im Prinzip kein Zurück mehr in die gesetzliche!
    Einmal in der privaten Krankenversicherung, gibt es kaum ein Zurück in die gesetzliche. Nur wenn Sie noch nicht 55 Jahre alt sind und wenn Ihr jährlicher Bruttoverdienst als Arbeitnehmer unter 49.500 Euro („Jahresarbeitsentgeltgrenze“) fällt, können Sie wieder zurück. Selbst wer Arbeitslosengeld 1 bezieht, kommt nicht automatisch in die GKV zurück. Sind Sie privat versichert und erhalten Arbeitslosengeld 2 („Hartz IV“), ist die Rückkehr in die gesetzliche Krankenversicherung seit 2009 generell versperrt. Ab 55 ist in der Regel für alle Feierabend: Egal, wie viel Sie verdienen, Sie bleiben in der privaten Krankenversicherung - auch als Rentner.
Autor:

Matthias Holland-Letz

Stand: 14.11.2011


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