Eine private Krankenversicherung kann im Alter sehr
teuer werden. markt gibt Tipps für die Jungen, worauf sie beim
Wechsel achten müssen, und Tipps für Ruheständler,
wie sie ihre Kosten senken können.
„Es war ein ziemlicher Schock“, sagt Peter von
Wrangell, Pensionär in Düsseldorf. Ende vergangenen
Jahres bekam der 80-Jährige Post von seiner privaten
Krankenversicherung (PKV), der Barmenia. Es ging um den Beitrag,
den er jährlich überweisen muss. „Der lag um mehr
als 600 Euro höher als im Jahr zuvor. Das waren
15 Prozent Erhöhung.“ Fortan sollte er 4.754 Euro
im Jahr bezahlen - zusätzlich zu den 1.400 Euro, die der
Pensionär jährlich aus eigener Tasche als
„Selbstbehalt“ aufzubringen hat.
Die Barmenia residiert in einem Neubau in Wuppertal. Das
Unternehmen verteidigt den Gebührenanstieg. In einem Brief an
Peter von Wrangell verweist der Versicherer auf höhere Kosten
beim Arzt, für Medikamente, im Krankenhaus. Und erinnert an
die stetig steigende Lebenserwartung. „Gerade im Alter wird
(...) häufiger eine (...) intensive medizinische Versorgung
benötigt“, heißt es in dem Schreiben vom
13. Januar 2011.
Der Verband der Privaten Krankenversicherungen beteuert: Die
Beiträge werden so kalkuliert, „dass bereits heute eine
systematische Vorsorge für das Alter gebildet wird“.
Diese Rückstellungen dienten dazu, die im Alter ansteigenden
Gesundheitskosten zu finanzieren. Seit Januar 2009 sind zudem
Neuversicherte gezwungen, als weitere Altersrücklage einen
Zuschlag von zehn Prozent des Beitrags zu zahlen. Und warum kommt
es bei Altversicherten dennoch immer wieder zu drastischen
Erhöhungen? Es treten „häufig Entwicklungen
ein“, so der PKV-Verband,
die „von heute vorliegenden Statistiken über
Gesundheitskosten“ nicht erfasst werden.
markt liegen weitere Fälle von
Privatversicherten vor, die sich über drastische
Beitragssteigerungen beschweren. Ein Rentner aus Wuppertal
berichtet von einer Erhöhung um 36 Prozent - allein von
2010 auf 2011.
Tipps für PKV-Kunden
Was können ältere PKV-Kunden tun, um ihre
Beiträge zu senken?
- Selbstbehalt erhöhen
Sie mindern Ihre monatlichen Zahlungen, wenn Sie gleichzeitig Ihren
Eigenanteil, den Selbstbehalt, erhöhen. Aber aufpassen: Sie
tragen das hohe Risiko, viel selbst zahlen zu müssen, wenn Sie
mal richtig krank werden. Höhere Behandlungskosten drohen vor
allem im Alter.
- Basis-Tarif wählen
Seit Januar 2009 müssen per Gesetz die privaten
Krankenversicherungen einen Basistarif anbieten, der in etwa die
gleichen Leistungen hat wie eine gesetzliche. Der Beitrag
beträgt derzeit bis zu 575 Euro im Monat, allerdings ist
dann kein Eigenanteil zu zahlen. Das ist auch nicht billig, kann
aber wesentlich günstiger sein als der bisherige
Privattarif.
- Tarif nach § 204 wechseln
Den Paragrafen 204 im Versicherungsvertragsgesetz kennt kaum ein
Kunde. Aber der räumt jedem, egal wie alt er ist, prinzipiell
die Möglichkeit ein, innerhalb seiner privaten
Krankenversicherung in einen anderen, günstigeren Tarif zu
wechseln. Das hört sich erst mal leicht an. Aber Ihre
Versicherung wird Ihnen so einen Wechsel vielleicht nicht leicht
machen. Denn Sie können eine Menge Geld sparen, das der
Versicherer gerne hätte. Bleiben Sie hartnäckig und
erkundigen Sie sich genau bei Experten.
Tipps für Wechselwillige
Was sollten gut verdienende Jüngere beachten, die von der
gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die private (PKV)
wechseln können?
- Wie sieht Ihre Familienplanung aus?
Jung, ledig, erfolgreich, hohes Einkommen: Das sind die
Lieblingskunden der privaten Krankenversicherungen. In der Tat
können die Jungen mit der privaten Krankenversicherung im
Vergleich zur freiwilligen Krankenversicherung bei einer
gesetzlichen Krankenversicherung bei den Beiträgen sparen.
Zudem bietet die PKV oftmals höhere Leistungen: Einzelzimmer
und Chefarztbehandlung im Krankenhaus, kürzere Wartezeiten
beim niedergelassenen Arzt, zusätzliche Therapieangebote. Aber
aufpassen: Wer nicht wirklich ausschließen kann, dass er mal
heiratet und Kinder bekommt, sollte sich den Wechsel in die PKV
gründlich überlegen. Ein nicht berufstätiger
Ehepartner und Kinder müssen später in der PKV extra
versichert werden. In der gesetzlichen Krankenversicherung ist die
Familie kostenfrei mitversichert.
- Ist das Einkommen langfristig sicher?
Ähnliches gilt für die Entwicklung des eigenen
Einkommens. Fragen Sie sich so ehrlich wie möglich: Bleibt
mein Einkommen über lange Zeit sicher? Habe ich gute
Aussichten, dass es in den nächsten Jahren und Jahrzehnten
weiter steigt? Bekomme ich eine gute Altersversorgung hin?
Andernfalls kann die private Krankenversicherung vor allem im
Ruhestand zu einer Kostenfalle werden.
- Im Prinzip kein Zurück mehr in die
gesetzliche!
Einmal in der privaten Krankenversicherung, gibt es kaum ein
Zurück in die gesetzliche. Nur wenn Sie noch nicht
55 Jahre alt sind und wenn Ihr jährlicher Bruttoverdienst
als Arbeitnehmer unter 49.500 Euro
(„Jahresarbeitsentgeltgrenze“) fällt, können
Sie wieder zurück. Selbst wer Arbeitslosengeld 1 bezieht,
kommt nicht automatisch in die GKV zurück. Sind Sie privat
versichert und erhalten Arbeitslosengeld 2
(„Hartz IV“), ist die Rückkehr in die
gesetzliche Krankenversicherung seit 2009 generell versperrt. Ab 55
ist in der Regel für alle Feierabend: Egal, wie viel Sie
verdienen, Sie bleiben in der privaten Krankenversicherung - auch
als Rentner.
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