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markt-Scanner: Daunen

  • SendeterminMontag, 21. November 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Daunenfüllungen lassen den Besitzer nicht in der Kälte stehen. Aber kann man Daunenprodukte mit ruhigem Gewissen kaufen? Unter welchen Bedingungen werden sie produziert?

Der Süden von Ungarn ist Gänseland. Viele der Tiere werden für den deutschen Markt aufgezogen. Dabei geht es nicht nur um Fleisch, sondern auch um die Federn und Daunen. Etwa 300.000 Gänse werden nach Berechnungen der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ in Ungarn immer noch lebend gerupft. Das geht nicht ohne Schmerzen, nicht ohne blutige Verletzungen oder gebrochene Flügel. Bis zu siebenmal muss manche Gans eine solche Tortur in ihrem Leben durchmachen. Dabei ist das in der EU verboten.

Markus Müller von der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“ kämpft seit Jahren dafür, dass diese Praxis endlich aufhört. „Auch dieses Jahr haben wir in Ungarn und Polen (…) Lebendrupf auf frischer Tat sozusagen festgestellt. Wir haben auch Anzeigen erstattet“, berichtet der Tierschützer. Aber viel Erfolg hatte die Tierschutzorganisation damit nicht: „Die Anzeigen wurden einfach eingestellt, mit der Begründung, es handele sich dabei um legalen Mauserrupf.“

Das ist die offene Hintertür für das Rupfen von lebenden Gänsen in der EU. Denn das darf stattfinden, wenn die Vögel ohnehin ihr Gefieder wechseln und die Federn locker sind. Sie dürfen dann vom Tier „gesammelt“ werden. Doch die zuständige EFSA, die europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, stellt in einer Studie fest: „16 Prozent (der Gänse; Anm. d. Red.) werden mit der Mauser nicht begonnen haben. Das heißt, ihre Federn sind immer noch unreif und werden also ausgerissen, nicht gesammelt.“

Der ungarische Züchterverband hält an der Federn- und Daunengewinnung von der lebenden Gans fest. Das will er uns nicht vor der Kamera sagen, schreibt aber: „Infolge des fast gleichen physiologischen Zustandes des Bestandes ist die Federreife fast gleich, so kann die Federgewinnung mit (…) minimaler Verletzung durchgeführt werden.“

Gänsedaunen
Der Kunde weiß in der Regel nicht, aus welcher Quelle die Daunen stammen.

Unklare Herkunft

Beim Verband der Deutschen Daunen- und Federnindustrie will man keine Ware aus Lebendrupf. Dr. Juliane Hedderich vom Verband verweist auf ein Rückverfolgbarkeitssystem: „Das heißt, dass die Daunen, die nach Europa, speziell nach Deutschland importiert werden, zurückverfolgt werden können bis zu dem Schlachthof, bei dem sie geschlachtet worden sind.“ Doch wie dieses System funktioniert, erfahren wir nicht.

markt hat aktuell fünf Stichproben in verschiedenen Bettwarengeschäften gemacht und nachgefragt, woher die dort angebotenen Daunen stammen. Nirgendwo konnte das Verkaufspersonal zur Herkunft der Daunen genauere Aussagen machen. Viermal wurde dennoch gesagt: kein Lebendrupf. Einmal wurde sogar erklärt, Daunen würden einfach bei den Tieren ausfallen.

Der Verband der Deutschen Daunen- und Federnindustrie hat markt auf Nachfrage zum Rückverfolgbarkeitssystem an den TÜV/DinCertco verwiesen. Dort wurde uns mitgeteilt: Das System sei voll im Einsatz, wenn bei allen Antragstellern die Inspektionen durchgeführt und diese auf Konformität bewertet wurden. Dies sei voraussichtlich erst 2012 der Fall.

markt hat auch gefragt: Wie erkennt der Verbraucher, dass er geprüfte Ware erwirbt? DinCertco antwortet, dass es künftig ein Prüfzeichen geben soll, das den Verbrauchern deutlich macht, dass die Ware Teil eines Rückverfolgbarkeitssystems ist. Nach diesem Prüfsiegel sollte der Verbraucher möglichst fragen, wenn er wissen möchte, woher die Daunen stammen.

Tierschützer Müller sieht aber noch eine andere Entwicklung mit Sorge: „Dieser Techniktransfer von Ungarn nach China ist die bedrohlichste Entwicklung der letzten Jahre. Offenbar haben einige findige Geschäftsleute aus Ungarn die gesamte Lebendrupf- und Stopflebertechnologie nach China verkauft.“

Und die chinesische Gesellschaft scheint mit Lebendrupf kein Problem zu haben. Wie man lebenden Gänsen die Federn ausreißt, zeigt das Fernsehen dort in unbekümmerten Reportagen.

Autorin:

Elke Brandstätter

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Stand: 21.11.2011


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