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Zinsen: Bäckerei pumpt Kunden an

  • SendeterminMontag, 21. November 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Sieben Prozent Zinsen klingen verlockend. Möglich macht das eine Bäckereikette, die ihren Kunden neben Brötchen auch Anleihen anbietet. markt checkt, welche Risiken das birgt.

Der Wiener Feinbäcker ist mit 350 Filialen die drittgrößte Bäckereikette in Deutschland. 70 Millionen Brötchen werden jedes Jahr gebacken. Das reicht aber noch nicht, wie Verkaufsleiter Ulrich Toepper verkündet: „Wir wollen wachsen, wollen unser Unternehmen auf eine neue Basis stellen. Wir sind 120 Jahre im Geschäft und wollen auch die nächsten Jahre erfolgreich tätig sein.“

Das Geld dafür will er sich von seinen Kunden holen - mit Unternehmensanleihen. Die gibt es in einer Stückelung von mindestens 1.000 Euro. Fünf Jahre lang behält der Bäcker das Geld und arbeitet damit. Als Gegenleistung erhält der Anleger jedes Jahr 70 Euro Zinsen je Anleihe. Den Anlagebetrag muss der Bäcker 2016 zurückzahlen. Wer also 1.000 Euro investiert hat, bekommt nach fünf Jahren seinen Einsatz zurück plus 350 Euro Zinsen.

Jede Menge Risiken

Im Wertpapierprospekt zur Anleihe finden wir Unternehmenszahlen der vergangenen zwei Jahre. 2009 hat das Unternehmen einen Verlust von 8,4 Millionen Euro gemacht. 2010 gab es immerhin ein bescheidenes Plus von rund 450.000 Euro.

Wir zeigen die Unterlagen dem Finanzexperten Marco Cabras von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Er prüft Anleihe und Wertpapierprospekt. Sein Kommentar: „Da wimmelt es nur so von Risikobemerkungen. Also es gibt Garantierisiken, es gibt juristische Risiken. Es gibt allgemeine Marktrisiken. Man muss diesen Prospekt schon ganz genau lesen und findet jede Menge Risiken. Deswegen sollte man da vorsichtig sein.“

Im Wertpapierprospekt weist die Bäckerei auf den harten Konkurrenzdruck in der Branche hin. Risiko! Die Miete für die vielen Standorte werde sich in Zukunft erhöhen. Risiko! Wenn Ende 2013 Kredite fällig werden, erhöht sich der Finanzbedarf noch einmal um neun Millionen Euro. Risiko! Und für acht Jahre stehen noch Steuern und Sozialversicherungsbeiträge aus. Über die Höhe macht der Prospekt keine Angaben. Risiko!

Auslage in einer Feinbäckerei
Die Anleihe der Bäckereikette birgt zahlreiche Risiken.

Reine Vertrauenssache

„Sieben Prozent Verzinsung ist jetzt nicht der Wahnsinn, der mir klar machen würde, warum ich diese Anleihe unbedingt kaufen muss. Dafür bietet sie einfach zu große Nachteile“, urteilt Wertpapierspezialist Cabras. Die Bäckerei erfüllt kein einziges der Schutzkriterien, die die DSW empfiehlt: Die Anleihe ist nicht an einer Börse notiert. Man kann sie nicht weiterverkaufen, etwa wenn Zweifel an der Anlage aufkommen. Es liegen zu wenige Informationen zur aktuellen Geschäftslage vor. Die Anleihe ist nicht von unabhängigen Experten, also einer Ratingagentur, bewertet worden.

Dem potenziellen Anleger bleibt nur das Vertrauen. „Er ist darauf angewiesen, dass die knappen Informationen zutreffend sind und dass die Wachstumsprognose zutreffend ist“, gibt Marco Cabras zu bedenken.

Autorin:

Christin Gottler

Stand: 21.11.2011


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