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Energie: Sanieren und kassieren?

  • SendeterminMontag, 21. November 2011, 21.00 - 21.45 Uhr.

Noch immer ist der CO2-Ausstoß viel zu hoch. Geht es nach der EU, muss jeder Staat seine Gebäude energetisch sanieren - auch im kommunalen Wohnungsbau. Da wird die Miete richtig teuer, kündigt die Wohnungswirtschaft an.

Die EU will kommunale Wohnungsunternehmen mit einer neuen Energieeffizienz-Richtlinie zwingen, drei Prozent ihrer Wohnungen energiesparend zu modernisieren. Das ist mehr als doppelt so viel wie heute schon. Dagegen wehrt sich ihr Verband. „Wir haben momentan eine Sanierungsquote in Deutschland, die liegt ungefähr bei ein bis eineinhalb Prozent. Und eine dreiprozentige Sanierungsquote würde bedeuten, dass die öffentliche Hand massiv höhere Fördermittel bereitstellen müsste. Aus eigenen Mitteln können die Unternehmen diese Sanierungsquote nicht erbringen“, klagt Ingeborg Esser vom Bundesverband deutscher Wohnungsunternehmen.

Die derzeitige Sanierungsquote sei viel zu niedrig, meint die EU. Sie will deshalb höhere Investitionen erzwingen. Und genau das will der Verband der Wohnungswirtschaft verhindern. Sein zugkräftigstes Argument: Für die Sanierung müssten mindestens zwei Euro pro Quadratmeter und Monat aufgeschlagen werden. Das sei für viele Mieter unbezahlbar, meint Ingeborg Esser: „Wir sehen also eine deutliche Gefahr, dass gerade die Niedrigeinkommensbezieher im Zusammenhang mit energetischen Modernisierungen sehr stark belastet werden und dass sie dieses im Zweifel nicht tragen können.“

Wann zahlt sich eine Wärmedämmung aus?

Zwei Berechnungen, zwei Ergebnisse

Nach Berechnungen des Verbandes der Wohnungswirtschaft erhöht eine Klimasanierung die Kaltmiete um 2,17 Euro pro Quadratmeter und Monat, bringt aber nur 37 Cent Heizkostenersparnis. Unterm Strich würde die Warmmiete danach um 1,80 Euro steigen. So wird Klimaschutz für Mieter richtig teuer. Gerechnet haben die Wohnungsgesellschaften allerdings nur mit Zahlen von einem einzigen Beispiel in Dortmund.

Zu ganz anderen Ergebnissen kommt Christian Stolte von der halbstaatlichen Deutschen Energie-Agentur. Er stützt sich dabei auf Zahlen von insgesamt 350 Gebäudesanierungen: „Es hat sich ganz deutlich gezeigt, dass sich diese Mehrinvestition in vielen Fällen rechnet und dass sie sich eben auch warmmietenneutral rechnet. Warmmietenneutral heißt, dass die Warmmiete, also Nettokaltmiete plus Heizkosten, so ist, wie früher auch, nur dass der Anteil der Nettokaltmiete höher ist und der Anteil der Heizkosten natürlich geringer.“

Das lässt Bundesbauminister Peter Ramsauer kalt. Ganz im Sinne der Lobby will er den Sanierungszwang der EU-Richtlinie auf öffentliche Nichtwohngebäude beschränken. Schriftlich teilt er uns dazu mit: „Die Einbeziehung von Wohngebäuden in öffentlichem Eigentum lehnen wir strikt ab.“

Also keine Sanierungspflicht für den kommunalen Wohnungsbau. Das ist schlecht für den Klimaschutz. Und das ist schlecht für die Mieter. Denn, das zeigen Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur, teure Heizenergie ist für sie Kostentreiber Nummer Eins: In den vergangenen 15 Jahren sind die Kaltmieten um gerade mal 22 Prozent gestiegen. Die Energiekosten sind dagegen regelrecht explodiert: insgesamt um sage und schreibe 120 Prozent.

Autoren:

H – C Schultze, Gregor Witt

Stand: 21.11.2011


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