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Sendung vom 28. November 2011
Weihnachten: Schöne Bescherung!
Was soll man schenken? Vor 2011 Jahren war es noch leicht: Gold, Weihrauch, Myrrhe. Aber heute? Jedes Jahr werden massenhaft die unglaublichsten Produkte angeboten - und auch gekauft. markt hat sich umgeschaut.
Wir kaufen eine elektrische Säge für unter 20 Euro, vier Schraubendreher für weniger als 1,50 Euro, ein Mittel, das Rotweinflecken mit Dampf beseitigen soll, ein Duftwässerchen mit Pheromonen, die Frauen anlocken sollen und einen Saunagürtel zum Fettverbrennen und Körperformen für 67,90 Euro.
Als wir die Säge ausprobieren, bringen wir den Tisch zum Wackeln. Nur langsam arbeiten wir uns durch das Holz. Liegt es an der einfachen Bauart? Und der Schnitt: Müssen wir noch üben oder liegt es doch am Preis? Eine gute Stichsäge sei für unter 20 Euro nicht zu bekommen, meint TÜV-Ingenieur Volker Meuser. Schließlich bricht sogar das Sägeblatt.
Und zu den Schraubendrehern für 1,50 Euro meint Volker Meuser vom TÜV Rheinland: „Wir haben jetzt drei Schrauben festgedreht. Einmal kurz abgerutscht und schon haben Sie hier einen Splitter, der im Prinzip diesen Schraubendreher unbrauchbar macht. Das Problem ist eigentlich, wenn ich Produkte kaufe, deren Lebenserwartung nicht so hoch ist, produziere ich auch jede Menge Müll, teilweise Sondermüll.“
„Pheromone verbreiten knisternde Erotik und unwiderstehliche Anziehungskraft“, heißt es auf der Verpackung. Die duftneutrale Pheromon-Komposition sei zum großflächigen Auftragen auf Textilien und Haut geeignet. Wir probieren es aus. Was meint die Apothekerin Judith Rau? „Für mich riecht es unangenehm. In der Tierwelt funktioniert es. Bei uns Menschen kann es nicht funktionieren, weil dieses Organ, um diese Stoffe riechen zu können, zur Geburt nicht mehr vorhanden ist, es verkümmert also.“ Der Hersteller schreibt: „In der über 10-jährigen Zeitspanne in der Andro Vita sich auf dem Markt befindet, hatten wir unzählige positive Rückmeldungen.“
Der Hersteller des Saunagürtels behauptet, dass man ihn gezielt an Problemzonen anwenden kann und die Pfunde purzeln: „Durch die Wärme- und Dampffunktion des Gürtels wird der Stoffwechsel angeregt (…) Dies kann sehr wohl zur Reduzierung (…) von Fettgewebe führen.“ Der Sportmediziner Ingo Froböse kennt sich aus. „Geht nicht! Der Körper hat ein Gesamtsystem und holt es sich da ab, wo es am leichtesten ist. (…) Dementsprechend gezielt geht schon einmal gar nicht und leicht erst recht nicht.“
Aber warum fallen so viele Menschen auf diese Versprechen herein. Selbst Werbepsychologe Dr. Fabian Christandl vom Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Uni Köln hat eine solche Erfahrung gemacht: „Meine persönliche Schnäppchenerfahrung war ein MP3-Player, den ich für fünf Euro in China bestellt habe. Den habe ich nämlich nie bekommen, aber das Geld überwiesen.“ Aber hätte er das nicht wissen können? „Ja, selbstverständlich hätte ich das wissen können. Aber auch bei mir hat – wie bei allen anderen Schnäppchenjägern auch – für einen kurzen Moment alles ausgesetzt.“ Und er ergänzt: „Grundsätzlich macht es uns Spaß, Sachen zu kaufen. Und es macht uns vor allem Spaß, günstige Sachen zu kaufen. Es geht auch oft gar nicht darum, ob das Produkt wirklich gut ist oder so. Aber wenn wir das Gefühl haben, ein Schnäppchen gemacht zu haben, dann macht uns das glücklich.“
Also Augen auf beim Geschenkekauf! Wenn wir ein Schnäppchen entdecken, denken wir nicht, wir kaufen, damit wir uns fühlen wie auf Wolken.
Michael Lang
Stand: 28.11.2011
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