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Vitaminpillen: Nutzen und Risiken

  • SendeterminMontag, 09. Januar 2012, 21.00 - 21.45 Uhr.

Fast jeder hat sie im Küchenschrank: Vitaminpillen, Brausetabletten mit Mineralien und noch mehr. Neuere US-Studien warnen vor Krankheitsrisiken durch die sogenannten Nahrungsergänzungsmittel.

Vitamin-, Mineralpillen oder Brausetabletten sollen Gutes tun. Zwar ist der Körper bei den meisten dieser sogenannten Mikronährstoffe tatsächlich auf Zufuhr von außen angewiesen. Mangel ist in Industrieländern aber kaum zu befürchten – zumal schon viele Lebensmittel ohnehin mit Vitaminzusätzen aufgepeppt werden.

Dennoch greift ein Drittel aller Bundesbürger regelmäßig zu und kauft in der Drogerie, im Supermarkt oder beim Discounter – rund 1,3 Milliarden Euro geben die Bundesbürger pro Jahr dafür aus. Dass diese Produkte nicht dem Arzneimittelgesetz unterliegen, ist vielen oft nicht klar. Wer übers Internet bestellt, weiß nicht unbedingt, wo die Präparate produziert werden und welche Inhaltsstoffe sich letztlich darin befinden.

Umstrittene Studien

Nachdem sich seit Jahren in medizinischen Studien Zweifel am Nutzen einstellen, befeuern jetzt zwei neue US-Studien die Diskussion zwischen Anhängern und Gegnern.

In der sogenannten Iowa-Studie beobachtete ein internationales Forscherteam über 20 Jahre den Lebensstil und die Gesundheit von fast 40.000 Frauen über 60 Jahren. Sie analysierten den Konsum von verschiedenen Vitamin- und Mineralpräparaten und den Zusammenhang mit der Sterblichkeit der Teilnehmerinnen. Bei sieben von 15 Stoffen fanden sie Bedenkliches: Laut Studie lag dort die statistisch signifikante Sterblichkeit je nach Stoff um acht bis sogar 45 Prozent höher als normal.

Parallel dazu wurden im Fachmagazin „JAMA“ Ergebnisse einer zehnjährigen Studie unter 35.000 Männern über 50 Jahren veröffentlicht. Untersucht worden war, ob Vitamin-E-Zusätze das Risiko verringern können, an Prostatakrebs zu erkranken. Die Forscher fanden heraus, dass Vitaminpräparate eine Krebsentstehung sogar fördern – in der Studie hatten 17 Prozent ein erhöhtes Prostatakrebsrisiko.

Kritiker bemängeln das Studiendesign. So habe die Prostatakrebsstudie zwar eindeutige Vergleichsmöglichkeiten durch eine Placebo-Gruppe, doch Störeinflüsse seien nicht direkt zu erkennen. Die Iowa-Studie über die Frauen sei ungenau, man wisse zum Beispiel nichts über mögliche Vorerkrankungen der Teilnehmerinnen.

Ein Verdacht aber bleibt: Es gibt Risiken im Zusammenhang mit Nahrungsergänzung. Sie müssen weiter getestet werden. Bis zur nächsten Studie bleiben diese Ergebnisse damit Bausteine, die das vorhandene Wissen zu neuen Fragestellungen erweitern.

Vitaminpräparate und Orangenscheiben
Vitaminpillen unterliegen nicht dem Arzneimittelgesetz.

Sinnvoller Einsatz bei Risikogruppen

Unbestritten ist bei Anhängern wie Gegnern allerdings auch, dass es Risikogruppen gibt, für die Nahrungsergänzung sinnvoll sein kann: Folsäure für Schwangere, Mineralien für mangelernährte Senioren oder Vitamin D für Kleinkinder. Auch bei Krankheiten kann Nahrungsergänzung sinnvoll sein. Zur Sicherheit sollte immer ein Arzt konsultiert werden, der individuellen und fundierten Rat geben kann.

Für alle anderen bleibt: Man kann durch hochdosierte Nahrungsergänzung offensichtlich keine Prävention betreiben, wie es oft von der Werbung für einschlägige Präparate suggeriert wird. Statt Vitamine in Pillenform zu kaufen, kann man für das Geld auch gute und abwechslungsreiche Lebensmittel kaufen, betonen Ernährungswissenschaftler und Mediziner immer wieder.

Autorin:

Ines Karschöldgen

Stand: 09.01.2012


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