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Sendung vom 16. Januar 2012
markt-Scanner: Optiker
Seit die Krankenkassen fast nichts mehr zur Brille beisteuern, sparen sich viele den Weg zum Augenarzt und gehen für den Sehtest zum Optiker. Wie zuverlässig sind solche Untersuchungen?
Drei Ketten wollen wir checken: Die Branchenriesen Apollo und Fielmann, sowie die kleinere Optikerkette Krass. Dafür muss Optikerin Michaela Brozek zunächst zum Augenarzt. Dr. Stephan Kaut ermittelt die Referenzwerte für unseren Test. Liegen die Optiker daneben, ist die Brille unbrauchbar.
Unsere erste Station: eine Apollo-Filiale in Karlsruhe. Wir treten als normale Kunden auf und drehen mit versteckter Kamera. Der Optiker setzt Michaela zunächst an den sogenannten Autorefraktor. Dieses Gerät misst die Sehschärfe vollautomatisch, aber nur grob. Das dient eigentlich nur zur Orientierung. Auf die exakte Messung aber verzichtet der Optiker hier und macht uns lieber seine Gestelle schmackhaft: Bei jedem Gestell, das über 100 Euro liegt, gebe es 50 Euro Rabatt, wirbt er. Wir reagieren überrascht und wollen wissen, ob der Vortest für die korrekte Brillenstärke ausreicht? Man räumt ein, dass man bei eiligen Kunden schon mal mit 90 Prozent zufrieden sei. Das ist erstaunlich, zumal die Gefahr besteht, dass ohne subjektiven Test die Brillenstärke nicht stimmt.
Ist das in Apollo-Filialen etwa üblich? Wir fragen bei der
Zentrale nach und die argumentiert: „Grundsätzlich möchten wir betonen, dass
gemäß den auf unseren Unternehmensstandards basierenden
hohen Qualitätsansprüchen (...) es nicht ausreichend ist,
allein mittels Autorefraktion eine Brillenglasbestimmung
vorzunehmen.
“ In der Filiale aber bekommen wir den
genauen Test erst auf Nachdruck. Knapp 18 Euro müssen wir
dafür hinblättern. Das sei bei Apollo so üblich,
wenn man nichts kauft, heißt es. Doch der Test war nicht
fehlerfrei: Der ausgewählte Lesezusatz war zu stark. Bei
Apollo in Mannheim bekommen wir den Augentest kostenlos. Auch hier
ist das Ergebnis nicht befriedigend, die Gläser wären
für Michaela am Ende erneut zu stark, wodurch sich die
Eingewöhnungsphase und Verträglichkeit für den
Brillenträger erschwert.
Sind wir bei der Optikerkette Krass besser dran? Den Sehtest kann man dort wie auch bei den übrigen Anbietern online machen. Das ist allerdings eine Spielerei, die den Test im Laden nicht ersetzen kann. Die Optikerin in Karlsruhe nimmt sich zwar viel Zeit, misst aber mehrmals falsch, weil sie mit Michaelas Augen Probleme hat. Schließlich kapituliert sie sogar und verweist an den Augenarzt. Immerhin dreht uns die Angestellte auf Basis dieser Fehlmessung keine Brille an. Als Optikerin weiß Michaela, was die Fehlmessung für sie bedeutet hätte: Eine falsche Brille würde Schwindelgefühle hervorrufen, die Brille wird dann nicht getragen. In Mannheim kommt der Krass-Optiker mit der Messtechnik zwar besser klar. Aber auch hier wären die Gläser wieder zu stark. Ärgerlich: Weil wir keine Brille kaufen, rückt der Verkäufer die Augenwerte nicht heraus.
Dritter Kandidat: der Branchenprimus Fielmann. In der Karlsruher Filiale ist viel los, wir müssen eine halbe Stunde warten, bis wir dran sind. Bald erfahren wir auch warum: Die Augenärzte schickten ihre Patienten inzwischen für den Sehtest zum Optiker, heißt es. Sie würden das kaum noch selbst machen oder 20 Euro für die Messung verlangen. Bei Fielmann sei die Messung kostenlos, so der Verkäufer.
Der Test ist nicht nur gratis, sondern auch kompetent: In keiner anderen Filiale nimmt man sich so viel Zeit. Die Optikerin vor Ort stellt die richtigen Fragen und sichert sich mit der Messbrille mehrfach ab. Auch Fielmann in Mannheim überzeugt. Dort ist eine Mitarbeiterin sogar ausschließlich für Sehtests zuständig. Sie ist auch die einzige, die nach Michaelas körperlichem Zustand fragt: nach Medikamenten und Erkrankungen wie Blutdruck, Diabetes oder Schilddrüsenfunktion. Die können die Sehstärke nämlich ein wenig schwanken lassen. Das Ergebnis überzeugt uns auch hier und Michaela findet es gut, dass man ihr im Anschluss keine Gestelle aufdrängen will.
Fielmann überzeugt als einzige Kette. Die Optiker waren kompetent, der Sehtest zuverlässig. Apollo schneidet schlechter ab. Die Messungen waren teilweise ungenau und der Service kostete in einer Filiale auch noch Geld. Schlusslicht Krass: Fehlmessungen und dann enthält man uns einmal auch noch die Ergebnisse der Augenwerte vor. Wir präsentieren die Resultate Augenarzt Stefan Kaut. Er kritisiert, dass Brillengläser bei Optikern häufig zu stark ausfallen. Das sei ein echter Mangel. Für Brillenkäufer heißt das: Beim Sehtest sollte man Optikern nicht blind vertrauen und im Zweifel eine zweite Meinung einholen, bevor man mit der neuen Brille den Durchblick verliert.
Thorsten Link
Stand: 16.01.2012
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