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Antibiotika: Resistente Keime

  • SendeterminMontag, 23. Januar 2012, 21.00 - 21.45 Uhr.

Nachdem auf Hähnchenproben antibiotikaresistente Keime gefunden wurden, legte Verbraucherschutzministerin Aigner einen Gesetzesentwurf vor, wonach der Einsatz von Antibiotika begrenzt und stärker kontrolliert werden soll.

Durch die Gabe von Antibiotika entwickeln Keime im Körper der Tiere Resistenzen. Diese Keime, die Fachleuten und den Bezeichnungen MRSA und ESBL bekannt sind, siedeln auf der Haut oder im Darm der Tiere. Und genau solche Keime wurden nun in hoher Zahl auf Hähnchenfleisch aus deutschen Supermärkten entdeckt. Laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) war jedes zweite Hähnchen aus der Stichprobe belastet. Kritiker bemängeln, dass es sich bei der Untersuchung nur um eine Stichprobe handele, die nicht repräsentativ sei.

Im Auftrag von markt untersuchten Wissenschaftler der Freien Universität Berlin nun erneut 20 Hähnchen - frische und tiefgekühlte, aus konventioneller und biologischer Aufzucht. Dr. Christa Ewers fasst das Ergebnis zusammen: „Wir haben tatsächlich in 80 Prozent der Proben, die wir untersucht haben, multiresistente Keime identifizieren können. Das ist eine sehr besorgniserregende Zahl, auch vor dem Hintergrund, dass es sich natürlich nur um eine Stichprobenuntersuchung handelt.“ Die Forscher identifizierten neben dem Keimtyp MRSA noch andere resistente Keime, vor allem ESBL-Keime.

Auch beim Menschen entstehen bei hohem Antibiotikaeinsatz resistente Keimtypen wie MRSA und ESBL. Das führt im Krankenhaus zu Problemen. Lösen die Keime Infektionen aus, helfen Antibiotika nicht mehr. Das müssen in Deutschland jedes Jahr über einer halbe Million Patienten erfahren. Nach Schätzungen erliegen jedes Jahr etwa 40.000 Infektionsopfer den resistenten Keimen.

Hähnchen gespickt mit Spritzen
In 80 Prozent der Proben einer markt-Untersuchung wurden multiresistente Keime identifiziert.

Spektrum verschiebt sich

Bisher war der Keimtyp MRSA verantwortlich für etwa die Hälfte der Infektionen. Doch das Spektrum verschiebt sich: Infektionen mit ESBL-Keimen nehmen deutlich zu. Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Zunahme von ESBL beim Geflügel und beim Menschen?

In den Niederlanden starb eine Frau nach einer Infektion mit ESBL-Keimen. Eigentlich haben die Niederlande resistente Keime in ihren Kliniken schon lange im Griff. Doch seit 2005 ändert sich etwas: Auch dort treten immer mehr Infektionen mit ESBL-Keimen auf.

Niederländische Forscher starteten daher umfangreiche Untersuchungen - mit erschreckenden Ergebnissen, wie Prof. Dr. Jan Kluytmans berichtet: „90 Prozent des Hühnerfleischs war kontaminiert. Es war für uns total außerhalb von dem, was wir erwartet hatten. Wir hatten erwartet, etwas zu finden, aber nicht so unglaublich hoch.

Hühnerfleisch eine Ursache für ESBL bei Menschen

Die Forscher gingen aber noch einen entscheidenden Schritt weiter: Sie verglichen die ESBL-Keime aus dem Fleisch mit Stuhl- und Blutproben von betroffenen Patienten. Die Übereinstimmung war immens: 60 Prozent! Die Schlussfolgerung von Professor Kluytmans: „Wenn man das alles zusammennimmt, dann sagen wir, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass das Hühnerfleisch ein Brunnen, eine Ursache ist für das ESBL bei den Menschen – nicht für alle ESBL, aber ein substanzieller Teil von dem, was wir jetzt beim Menschen finden, wird vom Hühnerfleisch kommen.

Die niederländischen Forscher schätzen, dass mindestens zehn Prozent der Niederländer heute ESBL in sich tragen. Sieht es in Deutschland ähnlich aus, sind hierzulande acht Millionen Menschen Keimträger. Sie müssen davon nicht krank werden, aber sie könnten.

Autorin:

Melanie Jost

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Stand: 23.01.2012


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