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Sendung vom 23. Januar 2012
Straßenlaternen: Teure Umstellung
Bis 2015 müssen Straßenlaternen mit stromsparender Technik betrieben werden. Doch die Umstellung verläuft nur schleppend. Den klammen Kommunen ist die neue Technik oft zu teuer.
Sobald es dunkel wird, wird in Gelsenkirchen viel Geld verbrannt. Über 10.000 Straßenlaternen aus den 60er-Jahren brennen dort noch mit Quecksilberdampf und verbrauchen Unmengen an Strom. Eine moderne Lampe verbraucht für etwa 20 Euro Strom im Jahr. Ein altes Modell kostet das Dreifache.
Von 2015 an verbietet die EU den Verkauf der alten Quecksilberlampen. Gelsenkirchen versucht bis 2015 einen Austausch schrittweise hinzubekommen. Schneller gehe es nicht, sagt man uns, es fehle das Geld.
Doch es gibt Förderprogramme: etwa einen 40-Prozent-Zuschuss vom Umweltministerium. Und für ganz arme Städte gibt es das sogenannte Contracting. Dabei werden die Lampen modernisiert, ohne dass die Kommunen eigenes Geld einsetzen müssen. Doch danach gehören ihnen die Straßenlaternen nicht mehr.
Tatsächlich haben zwei Drittel aller Städte ihre
Straßenbeleuchtung über langjährige Verträge
an Stadtwerke oder den Stromversorger RWE abgegeben. Und die haben
es offenbar nicht so schrecklich eilig, die Bürger mit
Stromsparlampen zu beglücken, wie Rüdiger Brechler von
der Energieagentur NRW erklärt: „Viele
Betreiber, Stadtwerke oder größere Betreiber bremsen
durchaus das Modernisierungsverfahren. (…) Wenn man Geld
für Stromlieferung bekommt, ist es logisch, dass man nicht das
Optimum tut, um diese Strommenge zu reduzieren.
“
Michael Rosen von RWE weist das entschieden zurück:
„Wir bemühen uns sehr, da sehr schnell zu
Ergebnissen zu kommen. Das mag dann an der einen oder anderen
Stelle nicht sofort klappen, dann bitten wir sehr um
Verständnis. Dennoch: Wir geben da sehr viel Gas, denn
Energieeffizienz ist auch für einen Energieversorger wie RWE
ein großes Thema.
“
Das hat man in Lohmar bei Köln ganz anders erlebt. Vor 20 Jahren hatte die Stadt ihre Laternen an RWE überschrieben. Damals hielt man das für eine gute Idee, weil RWE im Gegenzug günstige Wartung anbot. Von den hohen Strompreisen heute ahnte man da noch nichts. Als dann vor einigen Jahren die Energiekosten drastisch stiegen, hätte die Stadt gerne Sparlampen eingesetzt, doch davon habe RWE nichts wissen wollen, sagt Stadtrat Charly Göllner von den Grünen.
Nach kritischen Presseberichten hat der Konzern zwar
mittlerweile mit der Modernisierung begonnen, doch die
Maßnahme hat einen krassen Schönheitsfehler: Die neuen
Sparlampen muss die Stadt zwar selbst bezahlen, trotzdem gehen die
Lampen laut Vertrag in den Besitz von RWE über. Die Stadt will
das nicht akzeptieren. „Diese Regelung im
Straßenbeleuchtungsvertrag ist derart nachteilig für die
Stadt Lohmar, dass die aus meiner Sicht keinen Bestand haben
kann
“, meint Michael Hildebrand von der Stadt Lohmar.
Wie eisern der Konzern an solchen Verträgen festhält, zeigt sich in Rüthen im Sauerland. Auch hier kontrolliert RWE die Straßenbeleuchtung. In Rüthen sitzt aber auch die Firma BöSha. Sie stellt stromsparende LED-Laternen her, beliefert unter anderem auch RWE. Als der Beleuchtungsvertrag der Stadt Rüthen mit RWE auslief, hätte der Firmenchef seine Heimatstadt gerne mit seinen LED-Lampen beleuchtet und machte der Stadt ein günstiges Angebot.
Doch damit forderte er RWE heraus. Der Energieriese wollte den
lukrativen Vertrag natürlich behalten. Dokumente, die markt
vorliegen, zeigen zudem, mit welchen Methoden der Konzern versucht
hat, den günstigen Lieferanten auszubremsen. So erteilte RWE
die interne Anweisung: „Die Firma Bösha in
Rüthen [tritt] als Mitbewerber um
Betriebsführungsverträge Straßenbeleuchtung auf.
Ich bitte Sie daher, Produkte dieses Herstellers nicht mehr
einzusetzen und Bösha-Leuchten aus Musteranlagen etc. zu
entfernen.
“ Wir konfrontieren RWE
mit dem Fall. Die Antwort: Der Vorgang sei nicht
ungewöhnlich.
Am Ende einigte man sich in Rüthen auf einen Kompromiss:
Bösha darf zwar für RWE
einige Leuchten aufstellen, der Beleuchtungsvertrag bleibt aber
beim Konzern. So dauert es mit dem ganz großen Stromsparen in
Rüthen eben etwas länger. Das ist auch Bürgermeister
Peter Weiken klar: „RWE verkauft eben Strom.
Wenn Sie Strom verkaufen würden, hätten Sie auch kein
Interesse, dass ihre Kunden stromsparende Produkte verwenden. Das
ist eine Selbstverständlichkeit.
“
Vier Milliarden Kilowattstunden Energie verbrauchen die Straßenlaternen in Deutschland im Jahr – so viel, wie ein kleines Atomkraftwerk erzeugt. Doch wenn es Stromanbieter mit der Modernisierung eher gemütlich angehen lassen, wird es vielerorts auch weiter heißen: Wenn‘s dunkel wird, wird’s teuer.
Matthias Fuchs
Stand: 23.01.2012
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