Hauptnavigation

Samstag, 26.05.2012

Suche im Redaktionsangebot von markt
  • Tipps zur vergrößerten Ansicht.
  • Kontakt zur Redaktion.
  • Alle WDR Sendungen von A bis Z.
  • Inhaltsverzeichnis WDR.de.
  • Hilfe.
  • Multimedia.

markt

Navigation


Zurück: April 2012 Sendeplan für Mai 2012 Weiter: Juni 2012
Mo Di Mi Do Fr Sa So
01 02 03 04 05 06
07 08 09 10 11 12 13
14 15 16 17 18 19 20
21 22 23 24 25 26 27
28 29 30 31

Sie befinden sich hier: > WDR.de > WDR Fernsehen > Information > markt > Sendung vom 06. Februar 2012 > Lkw-Unfälle: Wackelkandidaten


Lkw-Unfälle: Wackelkandidaten

  • SendeterminMontag, 06. Februar 2012, 21.00 - 21.45 Uhr.

Schwere Lkw-Unfälle gehören zur täglichen Bilanz in den Verkehrsmeldungen. Häufig ist schlecht gesicherte Fracht eines der größten Probleme. markt fragt, was dagegen unternommen wird.

Auf der A2 in Richtung Oberhausen ist ein Lkw umgekippt. Wir begleiten die Experten für Ladungssicherheit von der Autobahnpolizei Dortmund. Sie suchen nach der Unfallursache. Zeugen sahen, wie der Lkw auf einmal anfing zu schwanken. Für Wolfgang Jaspers von der Autobahnpolizei ein deutliches Indiz: „Das wird wahrscheinlich mit der Ladung zu tun haben, nämlich dass sich die Bigpacks auf der Ladefläche bewegt haben und dadurch das Fahrzeug nicht mehr vernünftig lenkbar gemacht haben. Das heißt, der Schwerpunkt verändert sich. Das Fahrzeug kippt dann ab einem bestimmten Punkt um.“ Nach Angaben der Versicherer sind 40 Prozent der Lkw-Ladungen schlecht gesichert.

Kommt die Ladung ins Rutschen, bedeutet das nicht selten Lebensgefahr für die Autofahrer hinter und neben dem Lkw. Und es kann jeden treffen, so wie Norbert Lembke. Weit vor ihm verlor ein Lkw eine Planke. Mehrere Autofahrer hatten Glück und konnten darüber hinweg fahren. Dann wurde die Planke hochgeschleudert und traf frontal den Wagen von Norbert Lembke. Nur wenige Zentimeter trennten ihn vom Tod.

In Finnentrop verunglückte im vergangenen Juli Sebastian Schulte tödlich. Er war erst 300 Meter gefahren. Seine trauernden Eltern wissen, dass ihr Sohn keine Chance hatte. Probleme mit ungesicherten Lkw-Ladungen auf der Straße waren lange bekannt. Doch erst nach dem Unglück hat sich das geändert, wie Vater Friedhelm berichtet: „Vorher waren 80 Prozent mindestens – das würde ich sogar beeiden vor jedem Gericht – nicht gesichert. Danach, schon zwei Tage später, waren alle Ladungen doppelt gesichert, sogar mit Ketten, was man früher überhaupt nicht kannte.

umgestürzter Lkw
Laut Versicherer sind 40 Prozent der Lkw-Ladungen schlecht gesichert.

Fahrer beladen oft selbst

Willy Schnieders, Vorsitzender der Kraftfahrergewerkschaft, bemängelt, dass die Fahrer in Sachen Ladungssicherung fast alle schlecht ausgebildet seien: „Die Lkw-Fahrer laden zu 80 Prozent ihre Fahrzeuge selbst, genauso wie sie ihre Fahrzeuge selbst entladen. Und wenn er kein guter Staplerfahrer oder Verlader ist, dann dauert das etwas länger. Aber er hat auch den Termin, dass er am anderen Morgen um eine gewisse Zeit irgendwo sein muss. Und da wird die Ladung nicht oder nur unzureichend gesichert.“ Der Fehler liege im System, meint der Gewerkschafter: schlecht ausgebildete Fahrer mit zu wenig Zeit.

Beim Thema Zeit stimmen die Spediteure im Bundesverband für Güterkraftverkehr zu: „Dass Lkw-Fahrer immer wieder für vertraglich nicht vereinbarte Ladetätigkeiten - vor allem bei Handelsunternehmen – herangezogen werden, ist ein nicht hinnehmbarer Tatbestand.“ Ein Ausbildungsproblem sehen die Spediteure aber nicht.

Gutachterstreit

Sind vielleicht auch manche Vorschriften für die Ladungssicherheit zu lasch? Uwe-Peter Schieder hat für den Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft die bestehenden Richtlinien nachrechnen lassen: „Im Extremfall hält die Ladung nicht, wenn sie genau, haargenau, nach der Richtlinie gesichert ist. Die Ladung muss sich erst einmal bewegen und diese Dynamik ist nicht berücksichtigt. Dann kann es dazu kommen, dass die Ladung auch mal nicht hält.

Die Berechnungen der Versicherungswirtschaft und die Aussage, dass 40 Prozent der Ladungen schlecht gesichert seien, werden von den Spediteuren angezweifelt. Der Bundesverband für Güterkraftverkehr spricht von zehn Prozent schlecht gesicherter Ladung und beschwichtigt: „Längst nicht in jedem Falle liegt dabei auch automatisch eine konkrete Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer vor.“

Der Gutachterstreit zwischen Spediteuren und Versicherern beeindruckt die Polizisten von der Dortmunder Autobahnpolizei nicht. Wolfgang Jaspers meint: „Wenn die Physik nicht da wäre, würde nichts passieren. Und vor allen Dingen: Die Physik hat Kraft ohne Ende und die wirkt postwendend und nicht erst, wenn man ein Gutachten missachtet.

Autor:

Michael Lang

Stand: 06.02.2012


  • Seite empfehlen.

Der WDR ist nicht für die Inhalte fremder Seiten verantwortlich, die über einen Link erreicht werden.