Siegel: Was steckt dahinter? (I)
- Montag, 30. Juli 2012, 21.00 - 21.45 Uhr
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Kleidung mit dem Öko-Tex-Label wurde zwar auf Schadstoffe untersucht, das gilt aber nicht für die gesamte Produktionskette.
Laut einer Studie der Fachhochschule Münster entscheiden sich zwei von drei Käufern im Zweifel für ein Produkt mit einem Siegel. Wir haben uns solche Siegel und Schriftzüge genauer angeschaut.
Aus dem undurchsichtigen Dschungel der Siegel haben wir die sieben Siegel herausgesucht, die unserer Meinung nach kein Mensch braucht. Heute geht es zunächst um die Plätze sieben bis fünf (Fortsetzung folgt).
„Geprüfte Spitzenqualität“
Auf Platz sieben rangiert das Label „Geprüfte Spitzenqualität
“. Wir finden
es auf Wurstwaren bei Edeka. Was wir bereits wissen: Prüfen
müssen Lebensmittelkontrolleure immer, sonst darf erst gar
nicht verkauft werden. Was sagt das Siegel also noch aus? Britta
Klein vom aid-infodienst ist skeptisch: „Es
unterscheidet sich damit nicht von einem anderen Produkt, sondern
der Grafiker, der die Werbung für das Produkt gemacht hat, hat
eben so ein Siegel konstruiert.
“
Edeka sagt, man würde durch die Fachabteilungen mehr prüfen als vorgeschrieben sei, zum Beispiel auf Geruch und Geschmack. Ob das Fleisch aber tatsächlich besser ist als anderes, zum Beispiel nicht aus Massentierhaltung stammt, sagt uns das Siegel nicht. Fakt ist: Die Hersteller dürfen es einfach verwenden. Beim Einkaufen helfen solche Siegel also wenig weiter.
„Öko-Tex Standard 100“
Das Etikett „Öko-Tex Standard
100
“ ist auf zahlreichen Kleidungsstücken zu finden.
Von uns befragte Verbraucher vermuten, dass es sich dabei um
Textilien ohne Schadstoffe handelt oder dass sie für
Allergiker geeignet sind oder gar auf dem gesamten Produktionsweg
keine Schadstoffe verwendet wurden. Aber das stimmt leider nicht
ganz: Die Kleidung wurde zwar im Labor auf Schadstoffe untersucht
und hält die gesetzlichen Vorgaben ein. Aber für die
gesamte Produktionskette gilt das nicht. „Es ist
eigentlich nur ein Label, das sagt, dass dieses Kleidungsstück
schadstoffgeprüft ist. Während der Produktion sind aber
eigentlich genauso viele Schadstoffe im Einsatz gewesen wie bei
anderen Kleidungsstücken auch. Das heißt, alle, die an
der Produktion beteiligt sind, sind oft extremen Gesundheitsrisiken
ausgesetzt
“, sagt Kirsten Clodius von der Christlichen
Initiative Romero.
Öko-Tex versteht die Kritik nicht, denn das Siegel sei eine „Produkt“-Zertifizierung. Da verstehen wir wohl unter „Öko“ etwas mehr.
„Marine Stewardship Council (MSC)“
Die Meere werden in vielen Bereichen überfischt, um unseren
Fischhunger zu stillen. Das Siegel verspricht nachhaltige
Fischerei. Damit können wir im Supermarkt also ohne schlechtes
Gewissen zugreifen. Am Geomar-Institut in Kiel sieht man das jedoch
anders. Hier hat man sich MSC-zertifizierte Bestände mal
genauer angeschaut. Etwa ein Drittel sei sehr wohl überfischt.
Betroffen ist zum Beispiel der Seelachs aus der Nordsee. „Der wurde 2008 zertifiziert, dann leider zwei Jahre lang
überfischt. Der Bestand ist geschrumpft. Inzwischen hat er
sich soweit verkleinert, dass er an der Grenze ist, wo der
Nachwuchs gefährdet sein könnte. Eigentlich hat er kein
Siegel verdient
“, meint Rainer Froese vom
Geomar-Institut.
MSC widerspricht: Man habe eine andere Definition für Überfischung. Schade! Wir hätten dem Siegel so gerne vertraut.
Fortsetzung folgt …
Autorin: Caroline Hoffmann
Stand: 30.07.2012
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