Bankgebühren: Zu Unrecht kassiert
- Montag, 15. Oktober 2012, 21.00 - 21.45 Uhr
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Viele Banken berechnen bei Kreditverträgen immer noch Bearbeitungsgebühren, obwohl viele Gerichte diese Praxis für unzulässig erklärt haben.
Da sich Nachwuchs ankündigte, benötigte Gérard
Roos im Januar 2008 dringend ein größeres Auto. Der
Händler bot ihm eine Finanzierung gleich mit an –
über die Santander Consumer Bank. Die berechnete jedoch neben
den vereinbarten Zinsen noch eine Bearbeitungsgebühr in
Höhe von 3,2 Prozent der Kreditsumme. Gérard Roos
sollte so satte 800 Euro mehr bezahlen. „Ich
habe zum damaligen Zeitpunkt, als ich den Vertrag unterschrieben
habe, erst auf den Zinssatz geschaut. Die Bearbeitungsgebühr
erschien mir da nebensächlich, weil die im Prinzip in jedem
Kreditvertrag, den es gibt, drinsteht und von allen Banken verlangt
wird.
“
Christoph Hutmacher finanzierte seinen Pkw über die VW-Bank. Auch sie kassierte eine Bearbeitungsgebühr – in seinem Fall gut 1.000 Euro.
Walther Müller ist promovierter Chemiker. Vor einem Jahr
benötigte er einen Kredit, um ein sehr seltenes Buch erwerben
zu können. Er zahlte 1.600 Euro zu viel. „Ich hatte erst einen sehr günstigen Zinssatz
angeboten bekommen von gut 4,5 Prozent. Und was dann herauskam,
waren 7,5 Prozent.
“
Reine Verschleierungstaktik?
Die Banken begründen die Bearbeitungsgebühren mit dem
Aufwand, den sie etwa „für die Prüfung
der Zahlungsfähigkeit des Kunden haben und für die
Vorbereitung des Vertragsabschlusses
“. Doch acht
Oberlandesgerichte haben diese Praxis für unzulässig
erklärt.
Doch nicht nur bei Kreditvergaben halten die Banken ihre Hände auf. Auch beim Abheben von Bargeld kassieren sie Gebühren: Wer kein Kunde ist, zahlt zwischen zwei und fünf Euro. Dabei kostet die Banken eine Transaktion gerade mal 60 Cent.
Auch in Immobilienkrediten sind Nebenkosten versteckt: Schätzkosten, Kontoführungsgebühren, Bereitstellungsentgelt. Da blickt kaum noch jemand durch.
Verbraucherschützer wie Markus Feck von der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen kritisieren die
Gebührenpolitik der Banken und halten ihnen eine
Verschleierungstaktik vor: „Wir sind gegen die
Entgelte, die den tatsächlichen Preis verschleiern. Und beim
Darlehen ist es nun mal der Zins, der das Entgelt für das
Darlehen darstellt. Und wenn es Nebenentgelte gibt, dann verliert
der Kunde den Überblick. Er kann wirklich nicht vergleichen
und aus diesem Grunde bekämpfen wir diese
Entgelte.
“
Mit Erfolg: Einen Posten nach dem anderen mussten die Banken streichen. Nun wackelt auch das Bearbeitungsentgelt. Für den Verbraucher heißt das: Wer zu viel gezahlt hat, kann jetzt versuchen, sein Geld zurückzufordern – bis zu zehn Jahre rückwirkend. Auf den Internetseiten der Verbraucherzentrale gibt es dafür einen Musterbrief (Link siehe unten).
Christoph Hutmacher und Dr. Walther Müller haben die Bearbeitungsgebühren zurückgefordert. Sowohl die VW-Bank wie auch die Targobank haben sie auch tatsächlich zurückgezahlt - plus Zinsen.
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Bankgebühren erschweren den Kunden Preis- und Zinsvergleiche.
Hartnäckige Verweigerung
Bei Gérard Roos ist es komplizierter: „Schlimm ist, dass die Gebühr erhoben wird. Noch
schlimmer ist, wie im Nachhinein auf die Forderung der Kunden
eingegangen wird, nämlich gar nicht.
“ Drei Briefe
hat er bereits an die Santander Consumer Bank geschickt, dreimal
hat sie ihn mit - seiner Ansicht nach - vorformulierten Briefen
abgefertigt.
Wir fragen bei der Bank nach und versuchen, eine Lösung
für den Familienvater zu finden. Doch es hilft nichts.
Schriftlich teilt uns die Bank mit: „Mit seiner
Unterschrift hat der Kunde dokumentiert, dass er mit den
Gesamtkosten einverstanden war. Demgemäß war er auch mit
der Bearbeitungsgebühr einverstanden.
“ Im Klartext:
Die Bank sperrt sich weiterhin gegen eine Erstattung, obwohl acht
Oberlandesgerichte die Gebühr für unzulässig
erklärt haben. Wie ist das möglich?
Verbraucherschützer Feck meint: „Es ist
nicht so offensichtlich, wie wir uns das alle wünschen, denn
die Banken werden immer auf das fehlende höchstrichterliche
Urteil ansprechen. Das bedeutet: Anspruch ja, Durchsetzung kann
etwas problematischer werden.
“
Aber Gérard Roos will sich das nicht gefallen lassen. Er hat einen Anwalt eingeschaltet. Der rechnet ihm sehr gute Chancen aus, die Bearbeitungsgebühr zurückzubekommen. Mehr als 200 Mandanten hat der Finanzfachanwalt Guido Lenné aus Leverkusen bisher in dieser Sache vertreten – und noch keinen einzigen Prozess verloren. Viele Banken zahlten sogar, noch bevor der juristische Weg eingeschlagen werden musste, so der Anwalt. Gérard Roos will, wenn nötig, bis vor den Bundesgerichthof ziehen. Seine Courage sollte anderen ein Beispiel sein - damit Banken solche Gebühren nicht weiter kassieren.
Autorin: Maria Kümpel
Stand: 15.10.2012
- Infos und Musterbrief zu Bearbeitungsgebühren Verbraucherzentrale NRW
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