Krankenkassen: Begrenzte Vorbeugung
- Montag, 22. Oktober 2012, 21.00 - 21.45 Uhr
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Krankenkassen werben gerne mit Präventionsangeboten. Doch wer sie in Anspruch nimmt, bleibt schnell wieder auf den Kosten sitzen, denn die Kassen zahlen keine Wiederholungskurse.
Vor drei Jahren hat Peggy Kühn die Aquagymnastik für
sich entdeckt und trainiert seitdem konsequent und
regelmäßig. Einmal pro Woche ist Peggy Kühn im
Schwimmbad. „Ich hatte ziemliche
Rückenprobleme, und ich muss sagen, das macht viel aus. Vor
allem ist es gelenkschonend, im Wasser zu trainieren, das tut echt
gut. Also ich fühle mich hinterher entspannter und wohler und
möchte das auch nicht mehr missen.
“
Auch Peggy Kühns Orthopäde rät ihr, auf jeden
Fall dabeizubleiben: Die Rückenschmerzen sind weg und ihre
Krankenkasse spart die Kosten für den Arztbesuch. Deshalb
werden solche Kurse auch als Präventionsmaßnahmen
anerkannt – und von den Krankenkassen fleißig beworben.
Sie wollen Versicherte, die regelmäßig etwas für
sich tun. Dafür beteiligen sie sich an den Kosten. Sie weisen
aber auch darauf hin, dass Prävention nur auf Dauer Sinn macht
und schreiben zum Beispiel: „Nachhaltige Wirkung
entfalten diese Maßnahmen nur dann, wenn die Versicherten die
erlernten gesundheitsfördernden Verhaltensweisen
regelmäßig und dauerhaft in ihren Lebensalltag
integrieren.
“
Das klingt prima, wäre da nicht die Sache mit dem Brief,
den Peggy Kühn bekam und dessen Inhalt sie zunächst nicht
verstand: „Die Kosten für zertifizierte
Präventionskurse werden grundsätzlich zu 100 Prozent
übernommen. (…) Im Folgejahr stehen Ihnen wieder zwei
Gesundheitskurse offen, diese müssen sich allerdings
inhaltlich von den Vorherigen unterscheiden.
“
„Wiederholung ist auszuschließen“
Was heißt das? Peggy Kühn hat sich schlau gemacht und
erfahren, „dass es nicht mehr die Kurse sind,
die ich weitermachen möchte.
“ Ihre Krankenkasse
schlägt stattdessen vor, andere Präventionskurse zu
besuchen: Entspannung, Ernährung oder Umgang mit Suchtmitteln.
Das würde sie bezahlen, aber nicht die Fortsetzung der
Aquagymnastik.
Eine erste Erklärung liefert der Spitzenverband der
gesetzlichen Krankenversicherung. Dort hatte man vor zwei Jahren
beschlossen: „Die Wiederholung gleicher
Maßnahmen im Folgejahr ist
auszuschließen.
“
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Die Fortsetzung eines Präventionskurses wird von den Krankenkassen nicht bezahlt.
Präventionskurse als Marketinginstrumente
Professor Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln
ist Präventionsexperte. Was hält er davon, dass die
Krankenkassen Präventionsmaßnahmen erst
unterstützen und dann doch wieder nicht? „Letztendlich schafft man in zehn bis zwölf Stunden
keinen Zugang zu einer Aktivität oder Lebensstiländerung
- das ist ja das, was man erreichen möchte. Dementsprechend
ist es ein Systemfehler. Wir brauchen mindestens ein Jahr oder
länger, diese Kurse anzubieten.
“
Eine Stunde Aquagymnastik kostet 11,50 Euro. Die zahlt Peggy Kühn jetzt selbst. Sie profitiert davon und ihre Krankenkasse auch. Doch die zahlt nichts und räumt am Ende ein: Eigentlich sei das Geld auch gar nicht da.
Auch der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen gibt auf Nachfrage zu, das Ganze sei eine Kostenbremse: „Es ist (...) intendiert, dass Versicherte (...) das für sich als wirksam Erlebte selbständig und auf eigene Kosten weiter betreiben.“
Präventionsexperte Froböse wirft den Krankenkassen
Halbherzigkeit vor: „Das ist nicht ehrlich.
(…) Erst wenn man krank ist, partizipiert man an diesem
System. Dementsprechend ist das, was ich erlebe, sowohl von der
Politik als auch von den umsetzenden Krankenkassen sehr halbherzig.
Man nutzt das fast nur als Marketingtool, und das ist
gefährlich.
“
Autorin: Birgit Thater
Stand: 22.10.2012
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