Unitymedia: Zweifelhafte Methoden (II)

  • Montag, 29. Oktober 2012, 21.00 - 21.45 Uhr

Firmengebäude der Unitymedia

Unitymedia: Zweifelhafte Methoden (II)

(06:22)

Montag, 29. Oktober 2012, 21.00 - 21.45 Uhr

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Im März berichteten wir über Unitymedia, deren Verkäufer auf Provisionsbasis zum Teil zweifelhafte Methoden angewandt hatten. markt hakt nach.



Falschinformation

Bereits im März hatte markt über Probleme mit Unitymedia berichtet (Link siehe unten). Zuschauer hatten uns informiert, dass Verkäufer offenbar mit üblen Tricks versucht hatten, Neukunden zu gewinnen. Ein Verkäufer habe zum Beispiel behauptet, man müsse sofort einen Digitalvertrag mit Unitymedia abschließen, weil das analoge Kabel bald abgeschaltet werde. Doch das war falsch: Die Abschaltung betraf nur das Satellitenfernsehen.

Ein Insider schilderte markt damals das System Unitymedia. Er berichtete von Verkäufern, die auf Provisionsbasis arbeiten und manchmal zweifelhafte Methoden anwenden. Das werde vom Unternehmen sogar toleriert. Unitymedia wies die Vorwürfe seinerzeit zurück. Von problematischen Mitarbeitern habe man sich getrennt.



Firmengebäude der Unitymedia

Josef Kreitz aus Stolberg bei Aachen lebt eigentlich eher bescheiden: ein Haus, ein Auto und auch nur eine Ehefrau. Nur beim Telefonanschluss gönnt er sich was, allerdings unfreiwillig: Bei 1&1 zahle ich im Monat 30 Euro und bei Unitymedia 20 Euro. Sie können sich vorstellen, dass ich nicht gerade begeistert bin, das jetzt doppelt zahlen zu müssen.

Im April klingelte ein Verkäufer im Auftrag des Kabelgiganten Unitymedia bei Familie Kreitz. Er wollte einen sogenannten 2play-Vertrag verkaufen, der Internet und Telefonanschluss beinhaltet. Allerdings hatte Familie Kreitz schon Telefon und Internet bei der Firma 1&1. Und der Vertrag lief noch neun Monate. Josef Kreitz erinnert sich: „Da sagte er: ‚Sie haben ja bei uns bis zu zwölf Monate frei. Das heißt, es kann keine Überschneidung geben. Wir kündigen auch den Vertrag für Sie bei Ihrem jetzigen Anbieter. Das ist kein Problem‘.“ Der Verkäufer vermerkte sogar in dem Vertrag „Bis 12 frei“. Josef Kreitz war überzeugt und unterschrieb.

Doch schon bald gab es eine böse Überraschung: Unitymedia buchte trotzdem Gebühren ab. Auf telefonische Nachfrage bei Unitymedia sei ihm mitgeteilt worden, dass es für das gekaufte Produkte gar keine Freimonate gebe, sagt Josef Kreitz.

Bei bestimmten 2play- und 3play-Verträgen gibt es tatsächlich Freimonate, nicht jedoch bei dem günstigen Paket, das Josef Kreitz verkauft wurde. Und obwohl auf dem Vertrag „Bis 12 frei“ steht, stellt sich Unitymedia stur: Das stehe im Feld für interne Vermerke und sei nicht Vertragsbestandteil. Gegenüber markt will man sich zu dem Fall nicht äußern.



Internetflatrate ohne Computer

Wir fahren nach Dortmund zu Barbara Jabsen. Auch sie leistet sich einen doppelten Anschluss: bei der Telekom und bei Unitymedia. Auch hier zog die Masche mit den Freimonaten. Der Außendienstmitarbeiter verkaufte ihr einen 3play-Vertrag mit Virenschutz und Internetflatrate. Dabei hat Barbara Jabsen gar keinen Computer. Sie rief bei Unitymedia an und änderte ihre Bestellung auf einen reinen Telefonvertrag. Dass es dafür aber keine Freimonate gibt, habe man ihr nicht gesagt, erinnert sie sich.

Auch bei Barbara Jabsens Nachbarin Wanda Tietze steigt der Blutdruck beim Gedanken an Unitymedia. Auch sie fühlte sich zum Abschluss gedrängt, obwohl sie noch eineinhalb Jahre an die Telekom gebunden war. Sie konnte jedoch noch rechtzeitig innerhalb der Widerrufsfrist kündigen.

Unitymedia räumt auf Nachfrage von markt ein: „Die Mediaberaterin hat in diesem Fall einen Fehler gemacht.“ Im Fall von Barbara Jabsen zeigte man sich kulant und hat sie mittlerweile aus dem Vertrag entlassen.

Das Grundproblem jedoch bleibt: Der Vertrieb über freie Verkäufer, die auf Provisionsbasis auf Kundenfang gehen und offenbar bereit sind, zuweilen problematische Verkaufspraktiken anzuwenden. Unitymedia teilt uns aber mit, am Direktvertrieb über freie Verkäufer nichts ändern zu wollen.



Autor: Matthias Fuchs


Stand: 29.10.2012