Strompreise: Höhenflug geht weiter
- Montag, 26. November 2012, 21.00 - 21.45 Uhr
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Die jüngste Erhöhung der Strompreise ärgert viele Verbraucher. Doch welche Sparmöglichkeiten bleiben ihnen und welche Risiken lauern beim Anbieterwechsel?
Auch Karin Schoenen ist sauer. Sie bekam
von ihrem Energieversorger im Herbst gleich doppelt Post: zuerst
die aktuelle Jahresabrechnung mit einer Nachzahlung in Höhe
von 1.139 Euro, dann auch noch die Ankündigung einer
Preiserhöhung. Ab 1. Januar 2013 soll die Kilowattstunde
Ökostrom 25,99 Cent kosten. Für Karin Schoenen bedeutet
das satte 16 Prozent oder rund 150 Euro mehr im nächsten Jahr.
„Dadurch, dass die Gaspreise gestiegen sind, die
Spritpreise und jetzt auch noch die Strompreise dermaßen
steigen, ist es wirklich unheimlich schwierig, das alles zu
stemmen
“, klagt sie.
Verbraucherschützer haben schon mehr
als 1.000 Schreiben an verschiedene Stromanbieter gesammelt.
Verbraucher beklagen darin Preiserhöhungen von meist zehn bis
zwölf Prozent. Manche Versorger verlangen sogar bis zu 20
Prozent mehr und begründen dies gern mit der Energiewende und
dem Gesetz für Erneuerbare Energien. Ganz schön happig,
meinen Verbraucherschützer wie Udo Sieverding von der
Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: „Es
sind ja noch keine Netze gebaut worden, offshore ist ja auch noch
nicht viel passiert, Speicher auch nicht. Aber unheimlich viele
Industriebetriebe und Lobbyverbände haben beim
Bundeswirtschaftsminister angeklopft und schon mal vorsorglich
Befreiungen für mögliche Strompreissteigerungen
ausgehandelt. Da sind auch abenteuerliche Sachen dabei, die selbst
von den Verbänden vorher gar nicht gefordert waren, die jetzt
quasi als Geschenk verteilt werden. Und jetzt wundert man sich
darüber, dass den Verbraucher die Lust an der Energiewende
vergeht oder insgesamt die Akzeptanz verloren geht. Und das ist
natürlich ein hausgemachtes Problem der
Bundesregierung.
“
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Manche Versorger haben Preiserhöhungen von bis zu 20 Prozent angekündigt.
Sparen ja, aber wo?
Über 400 Millionen Euro kostet allein die Netzentgeltbefreiung der Industrie. Im kommenden Jahr sind dafür sogar 800 Millionen Euro geplant. Ein großzügiges Geschenk der Politik, sagen Kritiker, von dem auch zahlreiche Firmen in Nordrhein-Westfalen profitieren, mitfinanziert von Privathaushalten wie dem von Karin Schoenen und ihren drei Töchtern. Sie versuchen schon, überall im Haushalt Strom zu sparen, zum Beispiel in der Küche beim Kochen.
Im April 2011 waren wir schon einmal bei ihnen (Link s. u.). Damals besuchten wir sie gemeinsam mit einem Energieberater. Die größten Stromfresser waren eine Steckerleiste mit einem Elektroklavier im Stand-by-Betrieb, ein alter Kühlschrank, eine zu hoch eingestellte Heizungsumwälzpumpe und eine Warmwasserzirkulationspumpe im 24 Stunden Dauerbetrieb. Doch alle Sparversuche nutzen wenig, wenn die Versorger immer weiter die Preise erhöhen. Karin Schoenen denkt über einen Anbieterwechsel nach.
Mit einem der vielen Vergleichsportale im
Internet geht das ganz schnell. Sie helfen, die Strompreise der
verschiedenen Anbieter zu vergleichen. Doch auch die Betreiber der
Portale wollen Geld verdienen - über Werbung oder Provisionen
für Vertragsabschlüsse. Deshalb ist nicht alles, was nach
einem Schnäppchen aussieht, auch ein Gewinn für den
Verbraucher. Trotzdem: Die Angst vor einem Wechsel ist oft
unbegründet, wenn man einige Dinge beachtet, meint Udo
Sieverding von der Verbraucherzentrale: „Von
Vorauskasse raten wir von ab. Paketpreise sind auch mit Vorsicht zu
genießen. Aber wenn man alle Voreinstellungen raushat, sich
dann die Anbieter anguckt und dann vielleicht auf die Suche geht,
ob da nicht nur Kunstnamen oder Discounter vorne sind, sondern auch
die ersten Stadtwerke auftauchen, die sich einen munteren
Wettbewerb liefern, dann kann eigentlich nicht viel schief
gehen.
“
Preise werden nicht sinken
Viel lässt sich auf die Schnelle
nicht mehr einsparen bei Familie Schoenen. Energieberater Dirk
Mobers von der Energieagentur NRW rät zum Wechsel, denn:
„Wir haben hier nur noch kleine
Einsparpotenziale gefunden, die in der Regel mit einer neuen
Investition oder Nutzungseinschränkungen verbunden
sind.
“ Das würde für die Töchter zum
Beispiel bedeuten, den Fön sparsamer zu benutzen. Das ist aber
nur schwer durchzusetzen. Ansonsten helfen nur noch modernere,
energieeffiziente Haushaltsgeräte.
In einem Punkt sind sich die Experten einig: Verbraucher können nicht mehr mit sinkenden Strompreisen rechnen. Aber wie gerecht werden die Kosten verteilt? Denn der größte Energiefresser sind nicht die Privathaushalte, es ist die Industrie. Und die bezieht den Strom meist noch zum Schnäppchenpreis.
Autoren: Silvia Andler, Sven Baumhauer
Stand: 26.11.2012
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