Identitätsmissbrauch: Daten im Müll
- Montag, 03. Dezember 2012, 21.00 - 21.45 Uhr
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markt hat in einer Stichprobe 20 Papiertonnen durchwühlt und jede Menge persönliche Daten gefunden - nicht geschreddert und für Kriminelle leicht nutzbar.
Martin Wundram ist Datenschutzexperte und IT-Forensiker.
Täglich sucht er nach digitalen Spuren, die Menschen auf
Computern hinterlassen. Die üblichen Hindernisse muss er bei
unserer besonderen Stichprobe nicht überwinden: „Das Schöne ist: keine Firewall, kein Passwort, kein
Virenscanner - einfach aufmachen und loslegen.
“
Mülltonnen sind wahre Goldgruben für Datendiebe.
Von der Stadt Bonn haben wir die offizielle Lizenz zum
Wühlen. Wir müssen nicht lange suchen, bis wir
Kontoauszüge mit Namen, Bankverbindung und Kontostand finden.
Martin Wundram meint: „Das ist ein guter
Startpunkt für Warenbetrug: einfach auf den Namen dieser
Person Waren bestellen.
“
Doch damit nicht genug: Wir finden einen Vollstreckungsbescheid, einen Lebenslauf, eine Lohnsteuerbescheinigung. Ist das nur Zufall oder ist unser Altpapier wirklich ein Datenparadies für Schnüffler und Kriminelle?
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Was können Kriminelle mit den Angaben auf einem Kontoauszug alles anfangen?
Über 300 persönliche Dokumente
Auch die Stadtwerke Hürth gaben uns die Genehmigung zum Schnüffeln, denn am Abfuhrtag, wenn die Tonnen am Straßenrand stehen, gehört der Müll schließlich ihnen.
Wir sammeln 20 Säcke Altpapier und sortieren den Inhalt. Was wir nicht benötigen, kommt zurück in die Papiertonne, alles andere heften wir ab. Und das ist eine ganze Menge: Versicherungsscheine, eine noch gültige EC-Karte, weitere Kontoauszüge, das Anschreiben einer Bank, auf dem mal eine Kreditkarte aufgeklebt war, Kopien eines Personalausweises. Am Ende haben wir über 300 persönliche und vertrauliche Dokumente - die meisten davon im Originalzustand.
Von einigen Menschen weiß Martin Wundram jetzt
womöglich mehr, als ihre besten Freunde: „Von dieser Person kenne ich Namen, Anschrift,
Geburtsdatum. Ich weiß, mit wem sie zusammenwohnt und was sie
ihrem Partner zu Weihnachten schenken will.
“
Patientendaten im Altpapier
Wie fahrlässig viele mit ihren persönlichen Daten umgehen zeigt auch eine Studie der Universität Freiburg: In 1.135 privaten Mülltonnen fanden die Wissenschaftler 540 Kontoauszüge, 519 Kreditkartenbelege, 210 Unterschriften und sogar 40 PINs und TANs.
Bei unserer Stichprobe fanden wir auch Unterlagen aus einer
Arztpraxis, darunter Rezepte und Medikamentenpläne mit
konkreten Patientenangaben. Das sind streng vertrauliche Dokumente,
die so nie hätten entsorgt werden dürfen. Wir wollen mit
einem Verantwortlichen in der Arztpraxis sprechen, doch vor die
Kamera will niemand. In einer schriftlichen Stellungnahme
heißt es, ihnen sei „das Auffinden von
vertraulichen Patientenunterlagen im Papiermüll völlig
unerklärlich
“. Intern wolle die Praxis
überprüfen, wie es dazu kommen konnte.
Vertrauliche Daten gehören grundsätzlich zuerst in den Schredder und erst dann in die Altpapiertonne.
Autor: Fabian Nast
Stand: 03.12.2012
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