Parfums: Risiken und Nebenwirkungen

  • Montag, 10. Dezember 2012, 21.00 - 21.45 Uhr

Parfumflacons

Parfums: Risiken und Nebenwirkungen

(08:01)

Montag, 10. Dezember 2012, 21.00 - 21.45 Uhr

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In jeweils drei beliebten Damen- und Herrendüften fand markt riskante Inhaltsstoffe. Welche Risiken kaufen wir möglicherweise mit den Parfums ein?



Glaubt man den Herstellern, ist Parfum der Stoff, aus dem Träume gemacht werden. Jetzt, zur Weihnachtszeit, boomt das Geschäft: Allein im Dezember 2011 machten die deutschen Parfümerien und Drogerien fast 1,5 Milliarden Euro Umsatz mit Parfüm, Kosmetika und Co.

Pina und Claudia kann man mit Parfum allerdings keine Freude mehr machen. Ihre Haut reagiert auf manche Inhaltsstoffe allergisch. Zwölf Prozent aller Kontaktallergiker sind Duftstoffallergiker. Ein Spritzer reicht oft, um allergisch zu reagieren. Europaweit sind von weit über 1.000 Duftstoffen 26 als allergieauslösend bekannt. Die Hersteller müssen sie auf den Verpackungen angeben.

Interessant sind aber nicht nur die Duftaromen, sondern auch die Stoffe, die dafür sorgen, dass der Duft hält. Der Hautarzt Wieland Dietrich von der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Dermatologen kennt sich damit bestens aus: „Die Dauerhaftigkeit von Parfums wird besonders durch diese polyzyklischen Moschusverbindungen auch beeinflusst oder bewirkt, weil die als fettlösliche Stoffe dann in die Haut eindringen und sozusagen dafür sorgen, dass die leicht flüchtigen und anderen Duftstoffe länger in der Haut bleiben. Diese polyzyklischen Moschusverbindungen sind in der Diskussion. Es gibt zumindest eindeutige Hinweise dafür, dass diese Verbindungen in der Umwelt, im Abwasser, dann auch im Bereich der Wasserlebewesen sich anreichern. Die können sich auch im Fettgewebe anreichern, sie gelangen in die Muttermilch, wobei bisher beim Menschen keine eindeutig toxische Wirkung nachgewiesen ist, wohl aber bei Wasserorganismen.



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Eine Stichprobe

Im vergangenen Jahr zur Weihnachtszeit testete Ökotest 25 Parfums unter anderem auf allergene Duftstoffe und polyzyklische Moschusverbindungen. Das Ergebnis: Vier Produkte wurden mit „mangelhaft“ und 15 mit „ungenügend“ bewertet.

Und wie sieht es in diesem Jahr aus? Die bestverkauften Damendüfte bei einer großen Parfümeriekette sind:

  • La vie est belle von Lancome,
  • La Nuit pour Femme von Boss,
  • Alien von Thierry Mugler.

Und die bestverkauften Herrendüfte sind:

  • Allure Homme Sport von Chanel,
  • Le Male von Jean Paul Gaultier,
  • One Million von Paco Rabanne.


Die Laboruntersuchung

Ohne Markenkennung geben wir Proben davon in ein Labor. Die Untersuchung im Gaschromatografen soll zwei Fragen beantworten:

1. Welche allergieauslösenden Stoffe enthalten die Parfums?

2. Enthalten sie polyzyklische Moschusverbindungen?

Nach der Analyse ist Greta Dau vom TÜV Rheinland einigermaßen verblüfft: „Verblüfft deswegen, weil doch sehr viele polyzyklische Moschusverbindungen nachgewiesen wurden und teilweise sogar in Größenordnungen - bei einer Probe -, die knapp an der Grenze zum Verbotenen ist.“

Dabei handelt sich um 20.000 Milligramm Tonalide, einer polyzyklischen Moschusverbindung, die im Herrenduft Le Male von Jean Paul Gaultier nachgewiesen wurde. Andere Moschusverbindungen fanden sich in Allure Homme Sport von Chanel, in One Million von Paco Rabanne und in den Damendüften La Nuit est belle von Lancome sowie Alien von Thierry Mugler.

Nur ein Parfum kommt ohne bedenkliche polyzyklische Moschusverbindungen aus: La Nuit Pour Femme von Boss. Es scheint also auch anders zu gehen!

Die Ergebnisse der zweiten Untersuchung auf allergisches Potenzial fasst Wieland Dietrich aus dermatologischer Sicht zusammen: „Die Parfüms enthalten fast sämtlich auch bekannte Allergieauslöser: als Duftstoffe, als Inhaltsstoffe.“

Wir haben die Hersteller unserer sechs Proben zu den Inhaltsstoffen befragt. Geantwortet hat nur Lancome und verweist auf den Charakter von La Vie est belle: „Keiner dieser Duftstoffe ist austauschbar, da sonst dieser Charakter verändert würde.

Auf dem Wunschzettel stehen im nächsten Jahr also wieder mal verbesserte Rezepte und klare Deklarationen.



Autor: Dirk Bitzer


Stand: 10.12.2012