Eigenheim: Auf Sand gebaut?

  • Montag, 14. Januar 2013, 21.00 - 21.45 Uhr

Grafik "Zerbröselndes Haus"

Eigenheim: Auf Sand gebaut?

(07:08)

Montag, 14. Januar 2013, 21.00 - 21.45 Uhr

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Tausende Häuslebauer haben vor Jahren ihren Traum vom Eigenheim mit Steinen verwirklicht, die nach Kontakt mit Feuchtigkeit zerbröseln. Wer kommt dafür auf?



Besorgt beobachten Stephanie und Frank Brückerhoff jeden Riss im Mauerwerk ihres Hauses: „Die Angst ist immer dabei. Es sollte ja eine Altersvorsorge sein.“ Doch ob es das bleibt, ist ungewiss.

Der Bausachverständige Herbert Fahnenbruck registriert inzwischen regelmäßig, wie aus festem Kalkstein weicher Bröselstein wird: „Das Problem bei den heute Bröselstein genannten Steinen ist der Unterschied, dass statt Kalkbestandteilen in größeren Mengen Rückstände aus der Rauchgasentschwefelung untergemischt worden sind. Und diese Rückstände aus der Rauchgasentschwefelung führen in Verbindung mit Feuchtigkeit zu einem großen Problem beim Stein: Der Stein zersetzt sich.



Bis die Wände wackeln?

Von 1987 bis 1996 produzierte die Firma Haniel in drei Werken Millionen Kalksteine mit solchen Abfallstoffen und dafür mit weniger Kalk. Das sparte Geld. Die Werke sind längst geschlossen, die Steine in Nordrhein-Westfalen verbaut. In der Firmenzentrale von Haniel gibt man sich entspannt: „Das ist nichts, das von jetzt auf gleich passiert. Das ist ein Prozess, der sich über viele, viele Monate entwickelt“, sagt Sven Raderschatt. Gutachter Fahnenbruck meint dazu: „Es gibt eine Argumentation, die aus meiner Sicht etwas zynisch ist: Es besteht keine akute Einsturzgefahr. Ich habe den Beisatz hinzugefügt: Man kann das Haus noch rechtzeitig verlassen. Letztendlich verliert das Haus seine Standfestigkeit!

Wie standfest ihr Haus noch ist, fragen sich Stephanie und Frank Brückerhoff bei jedem entdeckten Riss. Auch an ihrem Haus wurde der Kalksandstein offenbar verbaut, wie erste Probebohrungen und alte Lieferscheine vermuten lassen. „Wir haben uns das Haus gekauft, bewusst gebraucht, weil wir davon ausgegangen sind, dass alle Kinderkrankheiten schon mal dagewesen sind und dass alles beseitigt ist“, sagt Frank Brückerhoff.



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Problem schon länger bekannt

Schon 1987 thematisierte der Bundesverband der Kalksandsteinindustrie eine „Minderung der Steinfestigkeiten“. Sven Raderschatt von Haniel erinnert sich: „Wir haben Hinweise bekommen. Wir sind denen auch nachgegangen und haben alles eruiert und alles Mögliche getan, um diesen Hinweisen nachzugehen. Wir haben da keine Bedenken heraus ableiten können.“ Und an wen sind die Steine seinerzeit geliefert worden? Die Antwort des Haniel-Mitarbeiters fällt ernüchternd aus: „Selbst wenn wir wüssten, an welchen Baustoffhändler es gegangen ist: Woher sollen wir wissen, an wen der Baustoffhändler geliefert hat?

Vor allem am Niederrhein und im Ruhrgebiet wurden sie gefunden. Hinweise gibt es auch auf Baustellen im Rheinland. Doch bei Haniel kennt man nur etwa 700 Fälle und gibt sich weiterhin gelassen: „Damit müssten wir nahezu jeden relevanten Fall kennen.“ Herbert Fahnenbruck sieht das ganz anders: „Keiner kennt die Zahlen genau. Aber wenn ich mal das annehme, was veröffentlicht ist, dann spricht man von 40.000 bis 45.000 Häusern. Das ist eine ganze Stadt!



Bevor es zu spät ist

Wer sein Haus sanieren lassen will, muss sich bei Haniel melden. Der Konzern steht unter Druck und schickt derzeit unabhängige Gutachter durchs Land. Betroffene sollten allerdings nicht allzu viel Zeit ins Land gehen lassen, denn wie sich der Konzern in Zukunft verhalten wird, sei ungewiss, meint Sven Raderschatt: „Wie wir uns in fünf, zehn oder 15 Jahren zu diesem Sachverhalt positionieren, das vermag ich aus heutiger Perspektive noch nicht zu sagen.

In 15 Jahren wäre es womöglich auch zu spät. Denn dann könnte nach Meinung von Sachverständigen die Außenmauer bereits unbemerkt brüchig geworden sein. Und dann sei es zu spät, warnt Herbert Fahnenbruck: „Wenn der Prozess des Schadens durch Feuchteeinwirkung begonnen hat, ist der Stein nicht mehr reparabel.



Autor: Michael Lang


Stand: 14.01.2013