Surfurlaub: Ärger mit Veranstalter

  • Montag, 28. Januar 2013, 21.00 - 21.45 Uhr

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Surfurlaub: Ärger mit Veranstalter

(06:00)

Montag, 28. Januar 2013, 21.00 - 21.45 Uhr

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Im Oktober berichtete markt über einen Anbieter von Surfreisen, der Reisen kurzfristig stornierte, aber das Geld nicht erstattete. markt hakt nach …



Die 19-jährige Henrike Krämer ist stinksauer: „Ich finde es einfach eine Frechheit, dass wir das Geld nicht wiederbekommen, obwohl er es uns ja bereits mehrere Male versprochen hat.“ In ihrem Fall geht es um fast 800 Euro.

Aber der Reihe nach: Im vergangenen August wollte die Bielefelderin mit ihrer besten Freundin Judith zwei schöne Wochen an der französischen Atlantikküste verbringen. Statt faul an irgendeinem Sandstrand zu liegen, wollten sie lieber Wellenreiten.  Beim Anbieter Freistil-Reisen buchten sie pauschal Unterkunft, Surfstunden und Bustransfair. „Wir haben auf der Freistil-Webseite ganz normal gebucht und haben direkt das Geld überwiesen, haben eine Buchungsbestätigung und so weiter bekommen per Mail. Ab da haben wir nichts mehr von Freistil gehört“, erzählt Henrike und berichtet weiter, dass sie und ihre Freundin mehrfach im Büro angerufen und E-Mails geschrieben hätten – allerdings ohne Erfolg. Bis zum Abreisetag hätten sie nicht mal gewusst, was sie mitnehmen sollten und wo ihr Bus überhaupt abfahren sollte. „Da ist dann plötzlich jemand ans Telefon gegangen und hat gesagt, dass wir im System nicht aufgetaucht sind und dass es alles ein großer Fehler ist und dass es ihnen unfassbar doll leid tut und dass wir das Geld auf jeden Fall wiederkriegen.

Nicht nur Henrike und Judith wurde Geld versprochen. Auch andere Reisewillige berichten uns, dass ihr Urlaub platzte und das Geld nicht erstattet wurde. Bei Facebook tauschen sich Betroffene in einer eigenen Gruppe aus. Die Unsicherheit ist bei den jungen Leuten groß, einen Anwalt können sich nur wenige leisten. Einige von ihnen haben sich an markt gewandt, so wie auch Henrike Krämer: „Ich erhoffe mir, dass ich Klarheit bekomme, ob es diesen Menschen eigentlich wirklich gibt und wo mein Geld ist, ob mein Geld noch irgendwo existiert oder ob das schon über alle Berge ist. Ich würde einfach gerne wissen, was Sache ist.



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Reisesicherungsschein Fehlanzeige

Bei unseren Nachforschungen stolpern wir über ein Detail, das uns bei unserem ersten Beitrag im Oktober 2012 (Link siehe unten) schon aufgefallen ist: Keiner der uns bekannten Betroffenen hat einen Sicherungsschein erhalten. Dieser Sicherungsschein dokumentiert, dass der Reiseveranstalter eine Insolvenzversicherung hat. Erhält man keinen Sicherungsschein, droht der Totalverlust des Reisepreises, wenn das Unternehmen insolvent sein sollte.

Jeder, der eine Pauschalreise bucht, muss einen Sicherungsschein bekommen, das ist gesetzlich vorgeschrieben, erklärt uns die Düsseldorfer Reiserechtsexpertin Silke Engels-Siebert: „Es ist eine ganz klare Verpflichtung! Der Veranstalter hat den Sicherungsschein auszugeben in dem Moment, wo er das erste Geld des Kunden entgegennimmt. Also er darf überhaupt keinerlei Kundenzahlung annehmen, ohne diesen Sicherungsschein auszugeben.

Unsere jungen Zuschauerinnen wussten das bisher nicht. Sie befürchten nun, dass Freistil-Reisen längst pleite ist, weil sie schon seit Monaten auf ihr Geld warten.

Unsere Recherchen haben ergeben, dass der Geschäftsführer schon vor knapp einem Jahr eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hat, in der er die Vermögensverhältnisse offenlegen musste. Anwältin Engels-Siebert hat einen schwerwiegenden Verdacht: „Also der Geschäftsführer, der für seine GmbH die eidesstattliche Versicherung abgibt, der statuiert damit die Zahlungsunfähigkeit seines Unternehmens. Das heißt, er ist verpflichtet nach der Insolvenzordnung kurzfristig innerhalb von drei Wochen die Zahlungsunfähigkeit dem Gericht anzuzeigen. Und dann wird ein Insolvenzverfahren eröffnet.“ Geschehe das nicht, liege womöglich eine Insolvenzverschleppung vor. Und das wäre eine Straftat, die im schlimmsten Fall mit drei Jahren Haft geahndet wird. Das zuständige Amtsgerichts erklärt gegenüber markt, dass im Fall von Freistil-Reisen bislang kein Insolvenzverfahren eröffnet worden sei.



Was tun?

Die Reiserechtsexpertin meint: „Ich würde den Zuschauern raten, dringend Anzeige zu erstatten. Anzeige können sie im Internet erstatten, bei jeder Polizeidienststelle. Ich finde, dass solchen Veranstaltern und gerade diesem im speziellen Fall das Handwerk gelegt werden sollte. Da muss sich die Staatsanwaltschaft mit beschäftigen.“ Soweit die Meinung der Anwältin. Derzeit gebe es aber mangels entsprechender Anzeigen keine Ermittlungen, sagt uns die Berliner Staatsanwaltschaft.

Das Unternehmen bietet unterdessen weiter Reisen für junge Leute an. Geschäftsführer Nils B. will sich zu unseren Recherchen und dem fehlenden Geld nicht äußern.

Am vergangenen Donnerstag gab es dann aber doch noch eine dicke Überraschung für Henrike: „Ja, wir haben gestern das Geld überwiesen bekommen von dem Reiseveranstalter, den vollen Reisepreis. Wir sind natürlich überglücklich, dass wir das Geld wiederbekommen haben.



Autor: Bernd Dicks


Stand: 28.01.2013