Lucas' letzter Brief
Warum bringt sich ein Junge um?
- Donnerstag, 13. September 2012, 22.30 - 23.15 Uhr
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Die Eltern haben sich in psychologische Behandlung begeben. Der
Lehrer sitzt hinter dem Ordner „Lucas B.“ und versteht
nicht, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Lucas’
Freund Marko wirft sich vor, nicht mehr getan zu haben. Was,
weiß er nicht. Lucas’ betreuende Psychologen sind
verzweifelt. Wie konnten sie nur glauben, dass Lucas nicht mehr
suizidgefährdet ist? Sie alle müssen begreifen, dass sie
einem Jungen nahe standen, ohne auch nur annähernd zu ahnen,
wie es in ihm aussah. Lucas, 16 Jahre alt, guter Realschüler,
hat sich vor einem Jahr das Leben genommen.
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Der Vater hat sich mit seinem Sohn gut verstanden.
Suche nach Antworten
Angehörige, Freunde und nahe Bekannte suchen nun nach
Antworten. Lucas fiel mit seiner 2-Meter-Länge, dem massigen
Körper und den ungelenken Bewegungen auf. Manche
Mitschüler hätten ihn vor allem beim Sport
gehänselt, erzählt der Lehrer. „Aber das gab es
doch auch früher“, meint er weiter, „das war doch
nicht ernst gemeint.“ Mobbing im Internet? Da hätte er
keinen Einblick. Doch Lucas’ Freund Marko berichtet von
Internet-Einträgen nach Lucas’ erstem Suizidversuch. Da
hätten Sätze gestanden, wie: "Der schafft es noch
nicht mal, sich umzubringen." Lucas’ Lehrer lädt
die Eltern der Mitschüler zu einem Gespräch über
Mobbing ein. Es gibt nur eine Zusage. Lucas’ Vater ist sich
sicher, dass sein Sohn kein einziges Mal zu Hause irgendetwas von
Demütigungen durch Mitschüler erzählt hat.
„Der war ein aufgeweckter Junge mit ganz viel Wissensdurst
und Ideen.“ Als sie vor zwei Jahren in einen alten Bauernhof
gezogen sind, hat Lucas den Garten umgeplant. Zusammen mit seinem
Vater hatte er die Pläne umsetzen wollen. Heute quält den
Vater die Frage, ob sie beide zu viel über Dinge wie den
Garten gesprochen haben und zu wenig über das, was Lucas
innerlich bewegt.
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Vater mit Bild seines Sohnes Lucas
Krankheit eine Ursache?
Und dann die Krankheit: Lucas war Epileptiker und musste
Medikamente nehmen, die als Nebenwirkung schwere Depressionen
auslösen können. Die betreuenden Psychologen waren
sicher, dass Lucas nicht suizidgefährdet ist. Doch kann man
die Schwere einer Depression überhaupt erkennen? Und einen
Menschen vom Selbstmord abhalten?
Vielleicht haben viele Menschen um Lucas vieles nicht gesehen. Als
er noch lebte. Nun wollen sie zumindest verstehen, warum er starb.
Ein verzweifeltes Unterfangen. Denn die eine Antwort gibt es nicht.
Wird es nie geben. Die Autoren begleiten Menschen aus dem nahen
Umfeld eines Suizidopfers bei dem Versuch, ohne Antwort leben zu
müssen.
Redaktion: Petra Nagel
Autor: Katharina Gugel und Ulf Eberle
Stand: 19.07.2012
- Kinder- und Jugendtelefon und Elterntelefon Kinder- und Jugendtelefon: 0800-1110333 Elterntelefon: 0800-1110550
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- Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention - DGS Suizidprävention als Hilfe in Lebenskrisen
- Deutsches Bündnis gegen Depression e.V. Suiziden vorbeugen
- AGUS e.V. - Angehörige um Suizid Für Suizidtrauernde bundesweit. Kontakt: Tel. 0921-1500380 - Mo.-Do. 9-12 Uhr, Mit. 17-19 Uhr
- U25 Mail-Beratung Info's und Online-Beratung für junge Menschen unter 25 Jahren in Krisen und Suizidgefahr.
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