Sieben Stunden Todesangst
Das Überleben der Susanne Preusker
- Donnerstag, 20. September 2012, 22.30 - 23.15 Uhr
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Am 7. April 2009 ist Susanne Preusker glücklich: In 10
Tagen wird sie heiraten, so viele Dinge sind noch zu tun. Heute
will sie ihren Arbeitstag früher beenden. Sie ist Leiterin der
Sozialpsychiatrischen Abteilung der JVA Straubing und arbeitet dort
therapeutisch mit Schwerverbrechern, Mördern und
Vergewaltigern. Als der Gefangene K. in der Tür steht und sie
um ein Gespräch bittet, verweist sie ihn deshalb auf den
nächsten Tag. Doch den wird es für sie so nicht mehr
geben.
„Mein altes Leben bis zum April 2009? Ich will nicht
behaupten, dass es perfekt war. Welches Leben ist schon perfekt?
Aber ich habe es gern gelebt, ich hatte einen Arbeitsplatz, den ich
klasse fand, ich hatte ein spannendes Leben, es war meins, ich
hatte es mir aufgebaut. Und dann passierte das, und dann gab es
einfach diese Frau nicht mehr.“
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Susanne Preusker
Gefangen im eigenen Büro
Sieben Stunden lang hält der Gefangene K. sie in ihrem
Büro gefangen. Er verbarrikadiert den Raum. Und droht ihr mit
dem Tod. Er hat ein Messer. Er knebelt Susanne Preusker. Und die
weiß, dass sein letztes Opfer an einer solchen Knebelung
erstickt ist. Susanne Preusker kennt diesen Mann sehr gut, sie hat
ihn vier Jahre lang therapiert. Der Mann vergewaltigt sie viele
Male. Spezialeinheiten der Polizei haben das
Hochsicherheitsgefängnis längst umstellt. Trotzdem dauert
es sieben Stunden, bis sie freikommt.
Susanne Preusker hat überlebt, doch ihr Leben ist seitdem ein
anderes. Sie kannte den Täter gut, hatte ihn mehrfach
begutachtet, war überzeugt, dass sie mit ihm therapeutisch auf
dem richtigen Weg war. „Ich hatte mich bei diesem Menschen
geirrt und ganz offensichtlich etwas übersehen. Das quält
mich beinah mehr als die Tat selbst. Es hat mein ganzes Vertrauen
in mich, meine Wahrnehmung, meine Fähigkeiten und Sicherheiten
dieser Welt erschüttert.“
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Susanne Preusker
Weiterleben nach der Tat
Wie kann man weiterleben nach einer solchen Erschütterung?
Nicht nur Susanne Preuskers Leben ist angegriffen worden, sondern
auch das ihrer Familie. „Der Täter hat mir wahnsinnig
viel genommen. Meine berufliche Integrität, dieses Leben, was
ich gerne hatte, er hat meinem Sohn die taffe, gut organisierte,
lustige Mama genommen. Mein Sohn war siebzehn, als das passierte,
und er hat mich gesehen in einem Zustand, wie ich es keinem
Siebzehnjährigen wünsche. Niemand sollte seine Mutter so
sehen müssen.“
In intensiven Dialogen, an Orten der Erinnerung, der Angst, aber
auch der Stärke zeigt Menschen-hautnah-Autorin Karin Jurschick
eine Frau, die zusammen mit ihrer Familie immer noch jeden Tag um
ein neues Leben kämpft und die dabei den Mut hat, über
ihre Erfahrungen zu sprechen.
„Ich möchte nicht gesenkten Hauptes durch mein eigenes
Leben gehen müssen, schämen soll sich der Täter. Ich
muss mich nicht schämen, ich habe nichts verkehrt
gemacht.“
Der Vergewaltiger von Susanne Preusker wird zu einer Haftstrafe
von 13 Jahren und neun Monaten mit anschließender
Sicherungsverwahrung verurteilt. Im Gerichtssaal schaut Susanne
Preusker ihrem Peiniger so lange ins Gesicht, bis der Mann die
Augen senkt. „In dem Moment waren die Machtverhältnisse
wiederhergestellt“, sagt sie.
Redaktion: Britta Windhoff
Autorin: Karin Jurschick
Buchtipp:
Susanne Preusker
Sieben Stunden im April
Meine Geschichten vom Überleben
Patmos-Verlag
ISBN: 978-3-8436-0038-5
Stand: 27.07.2012
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