Versicherungsvertreter
Die erstaunliche Karriere des Mehmet Göker
- Donnerstag, 11. Oktober 2012, 22.30 - 23.15 Uhr
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Mehmet E. Göker, 2006
‚Das Leben ist eine riesige Torte und ich wollte mehr als
nur einen Krümel vom Kuchen abhaben.“ Mit 25 hat Mehmet
E. Göker mit dem Vertrieb privater Krankenversicherungen am
Telefon seine erste Million verdient. Seine Firma, die MEG,
wächst, der Umsatz steigt, neue Mitarbeiter werden angeworben,
großzügige Provisionen in Aussicht gestellt und gezahlt,
verschwenderische Incentive-Reisen und Ferraris gehören zu den
kleinen Annehmlichkeiten der ranghöheren Mitarbeiter. Die
Jubel-Veranstaltungen der Firma lassen an Pomp und grotesken
Ritualen nichts zu wünschen übrig.
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Firmen-Event der MEG, zweiter von rechts: Mehmet E. Göker
Mehmet E. Göker ist der Alleinherrscher in diesem Imperium,
das 2009 über 1.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ein
hyperaktiver Unternehmer, dem die großen
Versicherungskonzerne immer absurdere Provisionen zahlen: Bis zu
8.000 € kassiert die MEG AG für den Abschluss eines
Vertrages. Göker ist zu diesem Zeitpunkt als der
zweitgrößte Vermittler von privaten
Krankenversicherungen in Deutschland.
Und das hat seinen Preis: „Der Druck war unerträglich
hoch. Du musstest Abschlüsse machen, Abschlüsse,
Abschlüsse... Mehmet ist ja durch die Büros gelaufen: Und
was hast du? Wie viel hast du? Überall hingen Kameras. Das war
ein Überwachungsstaat“, erzählt ein ehemaliger
Mitarbeiter. Göker ist umgeben von Gefolgsleuten, die sich das
Firmenlogo aufs Handgelenk tätowieren lassen, wenn er das
vormacht. Göker schafft es, einen Kult um MEG zu erzeugen, dem
sich die Mitarbeiter nur schwer entziehen können. MEG ist
nicht nur ein Arbeitgeber, MEG ist ein Lebensstil.
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"MEG Award 2009" - Pokalübergabe an die besten Verkäufer
Ende 2009 ist der Versicherungsmakler pleite. Die
Staatsanwaltschaft ermittelt bis heute gegen Göker u. a. wegen
Untreue, Insolvenzverschleppung und unlauterem Wettbewerb.
„Wissen Sie, wie lange die schon ermitteln?“, fragt
Göker in seiner Villa an der türkischen
Ägäisküste. „Wir gehen jetzt schon ins sechste
Jahr. Wünsche viel Spaß bei den Ermittlungen,
weiterhin.“
Das System seines Strukturvertriebs ist schon 2007 ins Wanken
geraten, als Göker u.a. wegen Steuerhinterziehung zu 720.000
€ Geldstrafe verurteilt wird. Aktuell hat Mehmet Göker 20
Millionen Euro private Schulden. Wie er das zurückzahlen will?
„Gar nicht“, lacht Göker „wie soll man 20
Millionen zurückzahlen? Soll ich’s mir aus den Rippen
schneiden?“
Und Mehmet E. Göker ist wieder da. Er residiert an der
türkischen Ägäisküste mit über 50
Mitstreitern. Die neue Firma aber sei nicht seine, beteuert er. Die
„Göker Consulting Group“ gehöre seiner
Mutter, er selbst sei dort nur Angestellter.
Vor sechs Jahren begannen die Recherchen des renommierten
Dokumentarfilmers und Grimme-Preisträgers Klaus Stern
über den Shooting-Star der Versicherungsbranche. Eine
Dokumentation, die einzigartige Einblicke in das Innenleben und
Gebaren dieser Branche gibt: Eine Geschichte über Gier und
Größenwahn.
Redaktion: Petra Nagel
Autor: Klaus Stern
Stand: 21.09.2012
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