Arbeiten bis ins Grab

Wenn die Rente nicht reicht

  • Donnerstag, 08. November 2012, 22.30 - 23.15 Uhr

Detlef Bichler auf der Baustelle

Arbeiten bis ins Grab - Wenn die Rente nicht reicht

(44:42)

Donnerstag, 08. November 2012, 22.30 - 23.15 Uhr

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Detlef Bichler auf dem Bau

Detlef Bichler auf dem Bau

Immer mehr alte Menschen arbeiten weit über das 70. Lebensjahr hinaus, auch weil die Rente zu niedrig ist. Hausfrauen, kleine Handwerker oder Langzeitarbeitslose trifft es besonders. „Das Niveau der gesetzlichen Rente wird in den nächsten Jahrzehnten so stark absacken, dass es für ein auskömmliches Leben im Alter nicht mehr reichen wird“, so auch der aktuelle Rentenbericht.

Schwerarbeit in hohem Alter

Rosemarie Czerwonsky arbeitet, um sich lebendig zu fühlen.

Rosemarie Czerwonsky

Detlef Bichler, 69, zum Beispiel, arbeitet noch täglich auf dem Bau. Obwohl der Rücken schmerzt und er sich seinen Lebensabend eigentlich anders vorgestellt hat. Ein Schicksalsschlag in der Familie zwingt ihn, monatlich mindestens 2000 Euro zu verdienen. Rücksicht auf sein Alter wird nicht genommen – die Termine auf dem Bau sind eng und müssen eingehalten werden.

Rosemarie Czerwonsky ist 72 und hat mehrere Magenoperationen hinter sich, arbeitet aber täglich als Putzfrau. Aus finanziellen Gründen müsste sie eigentlich nicht jede Nacht um drei aufstehen, aber die ehemalige Straßenbahnfahrerin will auch heute noch etwas zu tun haben und anerkannt sein. Ihre Freundinnen finden das ein bisschen verrückt.

Günther Hüsgen, 72, würde gern zu Hause bleiben und seinen kaputten Rücken pflegen, aber seine Rente ist zu knapp. Mit 782 Euro im Monat gilt er in Deutschland zwar als arm, doch für einen Mietzuschuss oder Gebührenbefreiung ist es zu viel. Deswegen arbeitet er als Gärtner für 400 Euro bei einem Industriebetrieb und tauscht seine Arbeitskraft gegen Naturalien bei Nachbarn ein. Sein Arzt rät ihm dringend aufzuhören, doch das kann er sich nicht leisten.

Bittere Realität

„Menschen hautnah“-Autor Marcus Weller musste immer wieder Dreharbeiten absagen, weil Arbeitgeber nicht gefilmt werden wollten oder die Mitwirkenden erkrankt waren. Ein 75-jähriger Mann, der einen „Schlüsseldienst“ anbot, verstarb kurz vor Beginn der Dreharbeiten an den Folgen einer Knieverletzung, die er sich im Dienst zugezogen hatte. Für ihn wurde der Titel des Films zur bitteren Realität.



Redaktion: Wilfried Prill

Autor: Marcus Weller


Stand: 13.08.2008




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