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Rückschau
Sendung vom 12.06.2008Monitor Nr. 579 vom
Bericht: Andreas Orth, Markus Schmidt
Sonia Mikich: "Unsere
Geschäfte - Euer Hunger. Zwei Welten nebeneinander, zwei Welten
gegeneinander, obwohl wir doch global voneinander abhängig sind.
Auch im Handel. Und einen Vorwurf müssen wir uns schon gefallen
lassen: dass wir nämlich hier in Europa Lebensmittel so billig und
so üppig produzieren, dass sich anderswo die Produktion kaum noch
lohnt. Subventionen - sie verschaffen uns schöne Sonderangebote und
anderen ein riesiges Problem."
Nahrungsmittel-Produktion in Europa: Hoch technisiert, hoch konzentriert, hoch subventioniert, Export orientiert!
Erasmus Müller, Attac: "Wenn wir von der EU unsere Lebensmittel, zum Beispiel in
die AKP-Staaten nach Afrika exportieren zu Preisen, die dann
niedriger sind, als dort die Anbauerinnen das machen können, dann
haben die nichts mehr, was sie verkaufen können, nichts mehr, was
sie essen können dann. Ganz klar - und dadurch entsteht
Welthunger."
Ghana ist einer dieser AKP-Staaten aus Afrika, der Karibik und Pazifikregion. Alte Kolonien, zu denen die EU heute besondere Handelsbeziehungen unterhält. Hier auf dem Markt der Hauptstadt Acra werden Hühnchenreste zu Dumpingpreisen feilgeboten, aus Europa geliefert, zu einem Großhandelspreis von 40 Cent das Kilo. Ein heimisches Huhn kostet hier auf dem Markt 2 Euro das Kilo. Das günstige Fleisch aus Europa hat dem Land Ghana volkswirtschaftlich nicht genutzt.
Marita Wiggerthale, Oxfam,
Hilfsorganisation: "Die Konsumenten in
Deutschland konsumieren in erster Linie die Brust, aber die Beine
werden nicht so gern genommen. Von daher werden diese Produkte dann
praktisch als Abfall mehr oder weniger auf die Märkte in die
Entwicklungsländer gebracht. Und das hat in Ghana explizit dazu
geführt, dass die Selbstversorgung bei Geflügelfleisch von 85
Prozent auf fünf Prozent runtergegangen ist."
Beispiel 2: Überproduktion von Milchprodukten. Wenige große Konzerne teilen sich den Exportmarkt auf. Jahrzehntelang hat die EU das sogar mit hohen Exportsubventionen unterstützt. Mit fatalen Folgen.
Fotos aus Sambia, so war es früher: Kleinbauern, die ihre Milch an örtliche Molkereien weiter verkauften. Doch ihre Geschäfte laufen schlecht, seitdem die Billigkonkurrenz aus Europa die Regale der Supermärkte mit Milchpulver, Butter und Käse füllt.
Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf,
Die Grünen, Mitglied des EU-Parlaments: "Die
Preise wurden so weit nach unten gedumpt, dass sie in andere
Märkte, regionale Märkte, auch in Ländern der dritten Welt
einbrachen und damit die Produktion dort zerstörten, weil da nicht
mehr wirtschaftlich gearbeitet werden konnte. Und somit hat man die
Basis für eine Grundernährung in diesen Ländern zerstört oder ...
jedenfalls aufgeweicht, und das rächt sich jetzt, wo die
Lebensmittelpreise insgesamt nach oben gehen. Und jetzt sind die
Leute das zweite Mal gekniffen. Einmal haben die ihre eigene
Produktionsgrundlage nicht mehr, und jetzt müssen sie die teuren
Nahrungsmittel kaufen."
Um die eigenen teuren Überschüsse auf dem Weltmarkt abzusetzen, zahlte die EU Exporthilfen. In den letzten 10 Jahren allein 3,7 Milliarden Euro, um EU-Ware stark verbilligt auf die Märkte der AKP-Staaten zu drücken. Der Erfolg des Dumpings: Wir verdienen an der Armut. Milliardenbeträge fließen aus den AKP-Staaten nach Europa. Bei Milchprodukten pro Jahr 700 Millionen Euro, bei Schwein- und Geflügelfleisch 150 Millionen Euro, bei Mehl, Getreide, Malz, Stärke 800 Millionen Euro pro Jahr. Die EU setzt in den Verhandlungen mit den Entwicklungsländern auf Freihandel. Wer günstig die EU beliefern will, der muss im Gegenzug seine Märkte öffnen, Schutzzölle abbauen. Dafür verspricht die EU auf das Dumping mit Exportsubventionen zu verzichten. Nur hält sich die Gemeinschaft nicht an ihr Versprechen.
Beispiel: Überproduktion von Schweinefleisch. Seit Ende 2007 wird hier wieder gedumpt, auch bei Milchprodukten sollen schon bald wieder Exporthilfen gezahlt werden. Freihandel also nur, wenn er Europa nützt? Nach Ansicht der Kritiker helfen da nur Gegenmaßnahmen wie Schutzzölle.
Marita Wiggerthale, Oxfam,
Hilfsorganisation: "Die Exportsubventionen
müssen schnellstmöglich abgeschafft werden. Und zum anderen
brauchen die armen Länder die Möglichkeit, sich mit Zöllen gegen
die Billigimporte aus der europäischen Union zu schützen."
Es klingt absurd: Weil wir zu viel haben und es zu billig abgeben, wird anderenorts gehungert.
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21.06.201221:45 - 22:15 Uhrim Ersten

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