27.05.2012

Das Erste ist das Fernsehen
Frau Mikich vor dem Monitor-LogoHomepage des WDR

Nr. 579

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Monitor Nr. 579 vom

Not für die Welt

der unfaire Handel der EU mit Entwicklungsländern



Video der Sendung

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Bericht: Andreas Orth, Markus Schmidt

Sonia Mikich: "Unsere Geschäfte - Euer Hunger. Zwei Welten nebeneinander, zwei Welten gegeneinander, obwohl wir doch global voneinander abhängig sind. Auch im Handel. Und einen Vorwurf müssen wir uns schon gefallen lassen: dass wir nämlich hier in Europa Lebensmittel so billig und so üppig produzieren, dass sich anderswo die Produktion kaum noch lohnt. Subventionen - sie verschaffen uns schöne Sonderangebote und anderen ein riesiges Problem."

Küken in einer Sortieranlage Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Küken in einer Sortieranlage

Nahrungsmittel-Produktion in Europa: Hoch technisiert, hoch konzentriert, hoch subventioniert, Export orientiert!

Erasmus Müller Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Erasmus Müller

Erasmus Müller, Attac: "Wenn wir von der EU unsere Lebensmittel, zum Beispiel in die AKP-Staaten nach Afrika exportieren zu Preisen, die dann niedriger sind, als dort die Anbauerinnen das machen können, dann haben die nichts mehr, was sie verkaufen können, nichts mehr, was sie essen können dann. Ganz klar - und dadurch entsteht Welthunger."

Ghana ist einer dieser AKP-Staaten aus Afrika, der Karibik und Pazifikregion. Alte Kolonien, zu denen die EU heute besondere Handelsbeziehungen unterhält. Hier auf dem Markt der Hauptstadt Acra werden Hühnchenreste zu Dumpingpreisen feilgeboten, aus Europa geliefert, zu einem Großhandelspreis von 40 Cent das Kilo. Ein heimisches Huhn kostet hier auf dem Markt 2 Euro das Kilo. Das günstige Fleisch aus Europa hat dem Land Ghana volkswirtschaftlich nicht genutzt.

Marita Wiggerthale, Oxfam, Hilfsorganisation Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Marita Wiggerthale

Marita Wiggerthale, Oxfam, Hilfsorganisation: "Die Konsumenten in Deutschland konsumieren in erster Linie die Brust, aber die Beine werden nicht so gern genommen. Von daher werden diese Produkte dann praktisch als Abfall mehr oder weniger auf die Märkte in die Entwicklungsländer gebracht. Und das hat in Ghana explizit dazu geführt, dass die Selbstversorgung bei Geflügelfleisch von 85 Prozent auf fünf Prozent runtergegangen ist."

Milch-Produktionsanlage Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Milch-Produktionsanlage

Beispiel 2: Überproduktion von Milchprodukten. Wenige große Konzerne teilen sich den Exportmarkt auf. Jahrzehntelang hat die EU das sogar mit hohen Exportsubventionen unterstützt. Mit fatalen Folgen.

Milch-Bauer beim Melken Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Milch-Bauer beim Melken

Fotos aus Sambia, so war es früher: Kleinbauern, die ihre Milch an örtliche Molkereien weiter verkauften. Doch ihre Geschäfte laufen schlecht, seitdem die Billigkonkurrenz aus Europa die Regale der Supermärkte mit Milchpulver, Butter und Käse füllt.

Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Die Grünen, Mitglied des EU-Parlaments Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf

Friedrich-Wilhelm Graefe zu Baringdorf, Die Grünen, Mitglied des EU-Parlaments: "Die Preise wurden so weit nach unten gedumpt, dass sie in andere Märkte, regionale Märkte, auch in Ländern der dritten Welt einbrachen und damit die Produktion dort zerstörten, weil da nicht mehr wirtschaftlich gearbeitet werden konnte. Und somit hat man die Basis für eine Grundernährung in diesen Ländern zerstört oder ... jedenfalls aufgeweicht, und das rächt sich jetzt, wo die Lebensmittelpreise insgesamt nach oben gehen. Und jetzt sind die Leute das zweite Mal gekniffen. Einmal haben die ihre eigene Produktionsgrundlage nicht mehr, und jetzt müssen sie die teuren Nahrungsmittel kaufen."

Um die eigenen teuren Überschüsse auf dem Weltmarkt abzusetzen, zahlte die EU Exporthilfen. In den letzten 10 Jahren allein 3,7 Milliarden Euro, um EU-Ware stark verbilligt auf die Märkte der AKP-Staaten zu drücken. Der Erfolg des Dumpings: Wir verdienen an der Armut. Milliardenbeträge fließen aus den AKP-Staaten nach Europa. Bei Milchprodukten pro Jahr 700 Millionen Euro, bei Schwein- und Geflügelfleisch 150 Millionen Euro, bei Mehl, Getreide, Malz, Stärke 800 Millionen Euro pro Jahr. Die EU setzt in den Verhandlungen mit den Entwicklungsländern auf Freihandel. Wer günstig die EU beliefern will, der muss im Gegenzug seine Märkte öffnen, Schutzzölle abbauen. Dafür verspricht die EU auf das Dumping mit Exportsubventionen zu verzichten. Nur hält sich die Gemeinschaft nicht an ihr Versprechen.

Überproduktion von Schweinefleisch im Schlachthaus Rechte: WDR-Fernsehen 2008 Bild vergrößern

Überproduktion von Schweinefleisch im Schlachthaus

Beispiel: Überproduktion von Schweinefleisch. Seit Ende 2007 wird hier wieder gedumpt, auch bei Milchprodukten sollen schon bald wieder Exporthilfen gezahlt werden. Freihandel also nur, wenn er Europa nützt? Nach Ansicht der Kritiker helfen da nur Gegenmaßnahmen wie Schutzzölle.

Marita Wiggerthale, Oxfam, Hilfsorganisation: "Die Exportsubventionen müssen schnellstmöglich abgeschafft werden. Und zum anderen brauchen die armen Länder die Möglichkeit, sich mit Zöllen gegen die Billigimporte aus der europäischen Union zu schützen."

Es klingt absurd: Weil wir zu viel haben und es zu billig abgeben, wird anderenorts gehungert.

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Monitor - weitere Informationen zur Sendung

  • Sendetermin

    MONITOR Nr. 635

    21.06.201221:45 - 22:15 Uhrim Ersten

  • +++ AKTUELL +++

    Monitor Pressemeldung Rechte: WDR

    Hinweise auf Falschbehandlungen am Klinikum Hildesheim mit unnötigen Radiojodtherapien - Rhön-Klinik will 2000 Fälle von Patienten jetzt überprüfen.
    Am Rhön-Klinikum Hildesheim wurden möglicherweise eine Vielzahl von Patienten falsch behandelt und geschädigt. Das berichten das ARD-Magazin MONITOR und das Hamburger Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL. [zur Pressemeldung]

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