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Stellungnahme vom 12.12.2012:
Bundestagsverwaltung will FDP-Zahlen glauben


Paul Gauselmann Rechte: WDR

Paul Gauselmann

Im September hatte MONITOR darüber berichtet, wie der Glücksspielunternehmer Gauselmann rund 2,2 Millionen Euro investiert hatte, um sich bei Tochterunternehmen der FDP zu beteiligen. Ein erheblicher Teil des Geldes floss dabei in die Parteikasse. Politisch ist der bis dahin geheim gehaltene Deal fragwürdig, da die FDP seit Jahren die Forderungen der Glücksspielindustrie politisch unterstützt. Experten hatten jedoch gegenüber MONITOR auch den Verdacht geäußert, dass hinter den Transaktionen letztlich eine verdeckte Spende stecken könnte - unter anderem, weil Gauselmann der FDP für Geschäftsanteile an ihren Unternehmen (Pro Logo GmbH und altmann-druck GmbH) sehr hohe Summen zahlte, die mit der Ertragskraft der Unternehmen kaum erklärt werden konnten. Die Bundestagsverwaltung prüfte - und kam nun zu dem Schluss, dass es keine verdeckte Spende gegeben habe: „Nach Prüfung der von der FDP und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dargelegten Geschäftsvorgänge kommt die Verwaltung des Deutschen Bundestages zu dem Schluss, dass keine Anhaltspunkte für einen Verstoß gegen Transparenzvorschriften des Parteiengesetzes vorliegen.“

Worauf sich die Bundestagsverwaltung bei ihrer Prüfung stützte, teilte sie allerdings nicht mit. Nach MONITOR-Informationen beruhte die genannte Darlegung der FDP und ihres Wirtschaftsprüfers allerdings auf sehr fragwürdigen Zahlen: Man argumentiert mit so genannten EBITDA-Werten - also dem Geschäftsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Eigentlich dienen EBITDA-Werte vor allem dem Vergleich von Unternehmen, die nach verschiedenen Standards bilanzieren - ansonsten gelten EBITDA-Zahlen als leicht manipulierbar und haben nur wenig Aussagekraft. In diesem Zusammenhang geht es vor allem um die Frage, ob das Engagement Gauselmanns bei FDP-Firmen wirtschaftlich zu begründen ist oder andere Motive nahe liegen. Das EBITDA-Ergebnis (Gewinn) der altmann-druck GmbH sollte laut einer der Bundestagsverwaltung vorgelegten Planung im Schnitt bei 350.000 Euro pro Jahr liegen, was einer Rendite von rund 10 Prozent für Gauselmann entspreche, argumentiert der Wirtschaftsprüfer der FDP. Diese EBITDA-Planung sei „überwiegend realisiert“ worden, heißt es. Über die wahre Ertragskraft des Unternehmens sagt das aber wenig aus. De facto - also NACH Zinsen, Steuern und Abschreibungen - lag das Ergebnis der altmann-druck GmbH im Schnitt nämlich nur bei 13.000 Euro pro Jahr - was einer Rendite für Gauselmann in Höhe von etwa 0,4 Prozent entsprach. 0,4 Prozent Rendite statt 10 Prozent, 13.000 Euro Gewinn statt 350.000 Euro. Die Bundestagsverwaltung gab sich offenbar trotzdem damit zufrieden. Also: offiziell keine verdeckte Spende - aber weiterhin viele offene Fragen.

Mehr zum Thema


Monitor - weitere Informationen zur Sendung

  • Sendetermin

    MONITOR Nr. 648

    06.06.201321:45 - 22:15 Uhrim Ersten

  • Ausgezeichnet

    Textilarbeiterin Rechte: WDR

    Marler Medienpreis Menschenrechte für MONITOR
    "Verdammt hoher Preis - Billigmode und die Selbstmordrate bei indischen Arbeiterinnen" von Christian Brüser, Jochen Leufgens und Andreas Maus wurde mit dem Marler Medienpreis Menschenrechte ausgezeichnet. MONITOR berichtete im Juni 2012 über eine Spirale der Ausbeutung junger Frauen, die in indischen Textilbetrieben arbeiten. Aus der Begründung der Jury: "Der Beitrag beeindruckt durch gründliche Recherche, Interviews mit Betroffenen und die Darstellung der direkten Verbindung zwischen dem Angebot in der Einkaufsstraße und dem Schicksal der Sumangali-Frauen." [zum Beitrag]

  • BLOG!

    Verlosungskisten NSU-Prozess Rechte: WDR/ARD

    Münchner Trauerspiel: Der Gerichtspräsident und der NSU
    Georg Restle im MONITOR-Blog: "Man weiß schon nicht mehr, ob man sich aus Wut oder purer Fassungslosigkeit an den Kopf greifen möchte. Die Selbstherrlichkeit des Münchner OLG-Präsidenten scheint pathologisch: Innerhalb weniger Wochen hat es Karl Huber geschafft, den Ruf der deutschen Justiz gründlich zu ruinieren." [mitbloggen]

  • Pressemeldung

    Dirk Niebel Rechte: WDR/imago

    Niebel-Ministerium stellte deutlich mehr FDP-Leute ein als bislang bekannt / Beamtenverband spricht von "beispiellosem Vorgang"
    Seit dem Amtsantritt von Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) mehr als 40 FDP-Mitglieder und Mitarbeiter der Partei eingestellt. [weiterlesen]

  • VideoPodcast

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  • Zitat

    Joseph Pulitzer Rechte: WDR/dpa

    Joseph Pulitzer (1847-1911)
    "Es gibt kein Verbrechen, keinen Kniff, keinen Trick, keinen Schwindel, kein Laster, das nicht von Geheimhaltung lebt. Bringt diese Heimlichkeiten ans Tageslicht, beschreibt sie, attackiert sie, macht sie vor allen Augen lächerlich. Und früher oder später wird die öffentliche Meinung sie hinwegfegen. Bekannt machen allein genügt vielleicht nicht - aber es ist das einzige Mittel, ohne das alle anderen versagen..."

  • Politikmagazine

    Politikmagazine Rechte: ARD

    Dienstags und donnerstags informieren die sechs Politikmagazine der ARD: investigativ, kritisch, meinungsstark


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