20.11.2009

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Nr. 586

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Monitor Nr. 586 vom 06.11.2008

Die Absahner

Extra-Millionen für Pleitebanker



Video der Sendung

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Bericht: Sascha Adamek, Kim Otto

Georg Restle: "Die Gier der Bahn-Manager. Sie wird von einer anderen Berufsgruppe noch getoppt, den Investmentbankern. Ganz genau. Darunter sind auch die Leute, die uns die weltweite Finanzkrise mit eingebrockt haben. Weil sie vergiftete Finanzprodukte auf den Markt geworfen haben, die sich quasi als ungedeckte Schecks entpuppten. Und dafür gab es dann regelmäßig Bonuszahlungen in Millionenhöhe. Ein perverses Anreizsystem, an dem sich erst mal überhaupt nichts ändern wird. Außer, dass auch hierfür demnächst womöglich der Steuerzahler haftet - dem Rettungspaket der Bundesregierung sei Dank. Kim Otto und Sascha Adamek berichten."

Andrew Newton gehört zu den Geringverdienern seiner Branche. Im Schnitt verdiene er gut 500.000 Euro im Jahr. Sein Beruf: Investmentbanker in London. Für amerikanische Großbanken hat er weltweit Investitionsmöglichkeiten gesucht, hat risikoreiche Kreditpakete entwickelt und verkauft. Die Risiken hätten natürlich die Kunden getragen, gibt er offen zu.

Porträt Andrew Newton, Investmentbanker Rechte: WDR Bild vergrößern

Andrew Newton, Investmentbanker

Andrew Newton, Investmentbanker (Übersetzung MONITOR): "Ich glaube, dass die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind während der letzten zehn Jahre. Da sind viele neue Investmentbanker gekommen, nicht etwa aus Liebe zum traditionellen Bankgeschäft oder weil sie besonders kompetent waren, sondern nur um einen Haufen Geld zu machen."

Investmentbanker wie Newton waren so etwas wie Verstärker der Finanzkrise. Wie Zocker im Kasino sind sie immer mehr ins Risiko gegangen, um höhere Bonuszahlungen zu bekommen. Denn bezahlt werden sie nur zum kleinen Teil mit einem Festgehalt. Rund 80 Prozent des Einkommens sind Provisionen, so genannte Boni. Und die richten sich nach ihren Abschlüssen. Je mehr Abschlüsse, desto mehr Geld, egal was daraus wird. Auch Özcan Acikel kennt die Branche bestens. Er ist ein so genannter Headhunter, spezialisiert auf deutsche Investmentbanker.

Özcan Acikel, Headhunter "Smith & Jessen" (am Telefon): "... ganz konkret suchen ist den Head of Sales und ..."

Die vermittelt er in Großbanken und Fonds. Er beschreibt, wie über die Jahre das Bonussystem in die Krise führte.

Porträt Özcan Acikel, Headhunter Rechte: Bild vergrößern

Özcan Acikel, Headhunter

Özcan Acikel, Headhunter "Smith & Jessen": "Bisher war es einfach so, dass Investmentbanker ein Jahr lang wirklich reingehauen haben und dann im Januar, Februar des Folgejahres einen guten Bonus erhalten haben. Egal, ob jetzt die Produkte den Kunden um die Ohren geflogen sind oder nicht!"

Mit den Kreditpaketen verkaufen Investmentbanker auch gleich die Risiken und freuen sich über die Boni-Zahlungen. Die müssen sie selbst dann nicht zurückgeben, wenn die Kredite sich als faul erweisen. Professor Thomas Heidorn berät Banken und hat sich intensiv mit deren Vergütungssystemen auseinandergesetzt.

Porträt Thomas Heidorn, Hochschule für Bankwesen Rechte: WDR Bild vergrößern

Thomas Heidorn, Hochschule für Bankwesen

Prof. Thomas Heidorn, Hochschule für Bankwesen, Frankfurt a. M.: "Das Bonussystem im Investment-Banking ist zum Teil mit verantwortlich für die Finanzkrise. Investmentbanker werden nach Gewinn bezahlt und schon vor zwei Jahren war vielen bewusst, dass die Kredite, die sie verkauften, immer schlechter geworden sind. Intern wurden sie teilweise als toxic waste, also als giftiger Müll bezeichnet. Nichtsdestotrotz, um den persönlichen Gewinn und damit den Boni zu steigern, wurden sie erbarmungslos weiterverkauft."

Bleibt nun alles wie es ist? Allein in Deutschland gehen die Steuerzahler mit 500 Milliarden Euro ins Risiko für die Zockerei der Banken. Immer mehr Geldhäuser profitieren von dem Rettungspaket. Beinharte Bedingungen für die Banken, verkündet der Bundesfinanzminister. Aber nur für die Vorstände.

Peer Steinbrück, SPD, Bundesfinanzminister: "Diese Manager sollten pro Jahr nicht mehr als 500.000 Euro bekommen. Und keine Boni! Und keine Abfindungen!"

Ausschließlich die Vorstandsgehälter will die Bundesregierung auf 500.000 Euro begrenzen. Wir erinnern uns: Viele Kollegen von Investmentbanker Newton fangen bei diesem Geld erst an zu arbeiten. Sie haben die Krise mit verursacht, verdienten Millionen. Werden die überhöhten Boni für Tausende deutscher Investmentbanker wenigstens für die Banken unter dem Rettungsschirm nun gekürzt?

Porträt Theodor Baums, Wirtschaftsjurist Rechte: WDR Bild vergrößern

Theodor Baums, Wirtschaftsjurist

Prof. Theodor Baums, Wirtschaftsjurist, Universität Frankfurt: "Da sind Kürzungen in der geltenden Verordnung jetzt zu diesem Rettungsfond nicht vorgesehen."

Krise hin, Krise her, viele deutsche Investmentbanker dürfen auch in diesem Jahr mit satten Extra-Millionen rechnen. Für ihre Gehälter haben die Banken bereits im ersten Halbjahr Milliarden in ihren Kassen zurückgestellt. Und die sollen 2009 ausgezahlt werden. Finanzminister Steinbrück diese Woche in Brüssel. Auf das Thema Investmentbanker mag er sich nicht gern einlassen.

Reporter: "Wird da die Begrenzung der Gehälter auf 500.000 Euro … betrifft die nur den Vorstand oder betrifft die auch die Bonuszahlungen, die beispielsweise an Investmentbanker gehen?"

Porträt Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister Rechte: WDR Bild vergrößern

Peer Steinbrück, Bundesfinanzminister

Peer Steinbrück, SPD, Bundesfinanzminister: "Die betreffen das Gehalt insgesamt der Manager, die unter diesen Rettungsschirm gehen. Das haben wir jetzt durchgesetzt, auch bei den jüngsten Verhandlungen, die es gegeben hat, mit der Commerzbank, mit anderen. Das ist die Auflage. Wir sagen, keine Leistung ohne Gegenleistung. Dass dies bisher so harmonisch hat ablaufen können, finde ich ganz gut."

Reporter: "Das heißt in der Commerzbank gibt es im spätestens nächsten Jahr niemanden mehr, der mehr als 500.000 Euro ...?"

Peer Steinbrück, SPD, Bundesfinanzminister: "Fragen Sie mich jetzt nach jedem, der außerhalb auch von Frankfurt sitzt bei der Commerzbank. Ich kann es Ihnen nicht beantworten und ich will auch nicht aufs Glatteis geraten damit."

Özcan Acikel, Headhunter "Smith & Jessen": "Ja, Investmentbanker lachen sich darüber kaputt, in der Tat. Dass diese Diskussion entfacht worden ist, Vorstandsgehälter zu kappen. Und Politiker wissen wahrscheinlich gar nicht, dass die meisten Investmentbanker mehr verdienen als Vorstände. Somit glaube ich, ist das einfach nur eine Scheindebatte, um die Bevölkerung zu beruhigen."

Die Investmentbanker bleiben ungeschoren. Beispiel: Die Commerzbank. Sie erhält gute acht Milliarden Euro vom Staat. Die Vorstände verzichten auf Boni und Abfindungen. Die Bank bestätigt uns schriftlich, diese Kürzung gelte für die Vorstände. Man überprüfe für die Zukunft die Vergütungssysteme auch für Investmentbanker.

Prof. Thomas Heidorn, Hochschule für Bankwesen, Frankfurt a. M.: "Kommt eine solche Bank nun unter den Schutzschirm des Rettungsfonds, müssen diese Gelder trotzdem weiterhin gezahlt werden, obwohl eigentlich keine großen Gewinne gemacht werden. Und letztlich bezahlt dann der Steuerzahler die übertriebenen Gehälter."

Tausende Investmentbanker werden auch weiterhin weltweit zocken. Das System bleibt. Da ist sich Investmentbanker Andrew Newton absolut sicher.

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