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Sendung vom 06.11.2008Monitor Nr. 586 vom 06.11.2008
Bericht: Sascha Adamek, Kim Otto
Georg Restle: "Die Gier
der Bahn-Manager. Sie wird von einer anderen Berufsgruppe noch
getoppt, den Investmentbankern. Ganz genau. Darunter sind auch die
Leute, die uns die weltweite Finanzkrise mit eingebrockt haben.
Weil sie vergiftete Finanzprodukte auf den Markt geworfen haben,
die sich quasi als ungedeckte Schecks entpuppten. Und dafür gab es
dann regelmäßig Bonuszahlungen in Millionenhöhe. Ein perverses
Anreizsystem, an dem sich erst mal überhaupt nichts ändern wird.
Außer, dass auch hierfür demnächst womöglich der Steuerzahler
haftet - dem Rettungspaket der Bundesregierung sei Dank. Kim Otto
und Sascha Adamek berichten."
Andrew Newton gehört zu den Geringverdienern seiner Branche. Im Schnitt verdiene er gut 500.000 Euro im Jahr. Sein Beruf: Investmentbanker in London. Für amerikanische Großbanken hat er weltweit Investitionsmöglichkeiten gesucht, hat risikoreiche Kreditpakete entwickelt und verkauft. Die Risiken hätten natürlich die Kunden getragen, gibt er offen zu.
Andrew Newton, Investmentbanker
(Übersetzung MONITOR): "Ich glaube, dass die
Dinge aus dem Ruder gelaufen sind während der letzten zehn Jahre.
Da sind viele neue Investmentbanker gekommen, nicht etwa aus Liebe
zum traditionellen Bankgeschäft oder weil sie besonders kompetent
waren, sondern nur um einen Haufen Geld zu machen."
Investmentbanker wie Newton waren so etwas wie Verstärker der Finanzkrise. Wie Zocker im Kasino sind sie immer mehr ins Risiko gegangen, um höhere Bonuszahlungen zu bekommen. Denn bezahlt werden sie nur zum kleinen Teil mit einem Festgehalt. Rund 80 Prozent des Einkommens sind Provisionen, so genannte Boni. Und die richten sich nach ihren Abschlüssen. Je mehr Abschlüsse, desto mehr Geld, egal was daraus wird. Auch Özcan Acikel kennt die Branche bestens. Er ist ein so genannter Headhunter, spezialisiert auf deutsche Investmentbanker.
Özcan Acikel, Headhunter "Smith &
Jessen" (am Telefon): "... ganz konkret suchen
ist den Head of Sales und ..."
Die vermittelt er in Großbanken und Fonds. Er beschreibt, wie über die Jahre das Bonussystem in die Krise führte.
Özcan Acikel, Headhunter "Smith &
Jessen": "Bisher war es einfach so, dass
Investmentbanker ein Jahr lang wirklich reingehauen haben und dann
im Januar, Februar des Folgejahres einen guten Bonus erhalten
haben. Egal, ob jetzt die Produkte den Kunden um die Ohren geflogen
sind oder nicht!"
Mit den Kreditpaketen verkaufen Investmentbanker auch gleich die Risiken und freuen sich über die Boni-Zahlungen. Die müssen sie selbst dann nicht zurückgeben, wenn die Kredite sich als faul erweisen. Professor Thomas Heidorn berät Banken und hat sich intensiv mit deren Vergütungssystemen auseinandergesetzt.
Prof. Thomas Heidorn, Hochschule für
Bankwesen, Frankfurt a. M.: "Das Bonussystem im
Investment-Banking ist zum Teil mit verantwortlich für die
Finanzkrise. Investmentbanker werden nach Gewinn bezahlt und schon
vor zwei Jahren war vielen bewusst, dass die Kredite, die sie
verkauften, immer schlechter geworden sind. Intern wurden sie
teilweise als toxic waste, also als giftiger Müll bezeichnet.
Nichtsdestotrotz, um den persönlichen Gewinn und damit den Boni zu
steigern, wurden sie erbarmungslos weiterverkauft."
Bleibt nun alles wie es ist? Allein in Deutschland gehen die Steuerzahler mit 500 Milliarden Euro ins Risiko für die Zockerei der Banken. Immer mehr Geldhäuser profitieren von dem Rettungspaket. Beinharte Bedingungen für die Banken, verkündet der Bundesfinanzminister. Aber nur für die Vorstände.
Peer Steinbrück, SPD,
Bundesfinanzminister: "Diese Manager sollten
pro Jahr nicht mehr als 500.000 Euro bekommen. Und keine Boni! Und
keine Abfindungen!"
Ausschließlich die Vorstandsgehälter will die Bundesregierung auf 500.000 Euro begrenzen. Wir erinnern uns: Viele Kollegen von Investmentbanker Newton fangen bei diesem Geld erst an zu arbeiten. Sie haben die Krise mit verursacht, verdienten Millionen. Werden die überhöhten Boni für Tausende deutscher Investmentbanker wenigstens für die Banken unter dem Rettungsschirm nun gekürzt?
Prof. Theodor Baums, Wirtschaftsjurist,
Universität Frankfurt: "Da sind Kürzungen in
der geltenden Verordnung jetzt zu diesem Rettungsfond nicht
vorgesehen."
Krise hin, Krise her, viele deutsche Investmentbanker dürfen auch in diesem Jahr mit satten Extra-Millionen rechnen. Für ihre Gehälter haben die Banken bereits im ersten Halbjahr Milliarden in ihren Kassen zurückgestellt. Und die sollen 2009 ausgezahlt werden. Finanzminister Steinbrück diese Woche in Brüssel. Auf das Thema Investmentbanker mag er sich nicht gern einlassen.
Reporter: "Wird da die
Begrenzung der Gehälter auf 500.000 Euro … betrifft die nur den
Vorstand oder betrifft die auch die Bonuszahlungen, die
beispielsweise an Investmentbanker gehen?"
Peer Steinbrück, SPD,
Bundesfinanzminister: "Die betreffen das Gehalt
insgesamt der Manager, die unter diesen Rettungsschirm gehen. Das
haben wir jetzt durchgesetzt, auch bei den jüngsten Verhandlungen,
die es gegeben hat, mit der Commerzbank, mit anderen. Das ist die
Auflage. Wir sagen, keine Leistung ohne Gegenleistung. Dass dies
bisher so harmonisch hat ablaufen können, finde ich ganz
gut."
Reporter: "Das heißt in
der Commerzbank gibt es im spätestens nächsten Jahr niemanden mehr,
der mehr als 500.000 Euro ...?"
Peer Steinbrück, SPD,
Bundesfinanzminister: "Fragen Sie mich jetzt
nach jedem, der außerhalb auch von Frankfurt sitzt bei der
Commerzbank. Ich kann es Ihnen nicht beantworten und ich will auch
nicht aufs Glatteis geraten damit."
Özcan Acikel, Headhunter "Smith &
Jessen": "Ja, Investmentbanker lachen sich
darüber kaputt, in der Tat. Dass diese Diskussion entfacht worden
ist, Vorstandsgehälter zu kappen. Und Politiker wissen
wahrscheinlich gar nicht, dass die meisten Investmentbanker mehr
verdienen als Vorstände. Somit glaube ich, ist das einfach nur eine
Scheindebatte, um die Bevölkerung zu beruhigen."
Die Investmentbanker bleiben ungeschoren. Beispiel: Die Commerzbank. Sie erhält gute acht Milliarden Euro vom Staat. Die Vorstände verzichten auf Boni und Abfindungen. Die Bank bestätigt uns schriftlich, diese Kürzung gelte für die Vorstände. Man überprüfe für die Zukunft die Vergütungssysteme auch für Investmentbanker.
Prof. Thomas Heidorn, Hochschule für
Bankwesen, Frankfurt a. M.: "Kommt eine solche
Bank nun unter den Schutzschirm des Rettungsfonds, müssen diese
Gelder trotzdem weiterhin gezahlt werden, obwohl eigentlich keine
großen Gewinne gemacht werden. Und letztlich bezahlt dann der
Steuerzahler die übertriebenen Gehälter."
Tausende Investmentbanker werden auch weiterhin weltweit zocken. Das System bleibt. Da ist sich Investmentbanker Andrew Newton absolut sicher.
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